Das Forschungsgeschäft wird in ein neues Unternehmen ausgegliedert. Der Farmako-CEO musste auf Druck der Gesellschafter gehen.

Turbulente Zeiten bei Farmako: Der größte externe Investor krempelt das Cannabis-Start-up, das seit der Gründung immer wieder mit großen Ankündigungen auf sich aufmerksam gemacht hat, radikal um. Wie Heartbeat Labs zum Wochenanfang mitteilte, wird das Biosynthese-Geschäft in ein neues Unternehmen überführt. Der auf den Gesundheitssektor spezialierte Company Builder hatte sich Ende 2018 an Farmako beteiligt und war nach eigenen Angaben mit einem Anteil von 13 Prozent größter Gesellschafter neben den Gründern.

Mit der Herauslösung des Forschungsgeschäfts verliert Farmako einen Großteil der Mitarbeiter – und ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal. Bisher hatte das Start-up offensiv damit geworben, dass es nicht nur ein reiner Distributor von importiertem medizinischem Cannabis ist. Stattdessen sollten Wirkstoffe, die in der Cannabispflanze vorkommen, synthetisch hergestellt werden. Schon für dieses Jahr wurden erste Umsätze aus diesem Geschäft in Aussicht gestellt.

Forschungsgeschäft ohne den Farmako-Gründer

Vordergründig geht es Heartbeat Labs darum, das Unternehmen durch die Aufspaltung strategisch besser aufzustellen. So erklärte Eckhardt Weber, Geschäftsführer des Investors, gegenüber WirtschaftsWoche Gründer: „Das Distributionsgeschäft und die Biosynthese-Forschung sind zwei grundlegend verschiedene Geschäftszweige mit stark unterschiedlichen Team-Profilen, aber auch was Cash Flows, Zeithorizonte und Risikoprofile anbelangt. Aus diesen Gründen haben die Gesellschafter es für sinnvoll erachtet, die Einheiten auch formal zu trennen, um beiden Unternehmen die bestmöglichen Erfolgschancen zu geben.“

Tatsächlich verschieben sich mit dem Schritt auch die Machtverhältnisse in dem zukunftsträchtigen Geschäftszweig. Denn während Farmako-Gründer Sebastian Diemer im ursprünglichen Unternehmen noch Mehrheitsgesellschafter ist, ist der umtriebige Seriengründer nach Angaben von Heartbeat Labs am neuen Unternehmen nicht als Gesellschafter beteiligt. Stattdessen hält dort der Investor selbst die Mehrheit der Anteile. Im Gesellschafterkreis sind demnach zudem der Digitalunternehmer Nikita Fahrenholz, der sich auch an Farmako beteiligt hat, Forschungschef Patrick Schmitt und der bisherige Heartbeat-Labs-Manager Andreas Jägle.

Geschäftsführer gefeuert

Auch bei Farmako selbst hat Heartbeat Labs seinen Einfluss geltend gemacht, wie eine ungewöhnliche Pressemittelung von Anfang Juli zeigt. Darin teilte der Investor – und nicht das Start-up selbst – mit, dass der bisherige CEO Niklas Kouparanis „nach einem einstimmigen Beschluss der Gesellschafter“ abberufen worden sei. Kouparanis, der vorher beim Kölner Konkurrenten Cannamedical tätig gewesen war, gehörte zu Diemers Gründerteam. „Der Geschäftsführer konnte den Gesellschafteransprüchen leider nicht mehr gerecht werden“, hieß es in der Pressemitteilung von Hearbeat Labs.

Zum Unmut beigetragen dürfte auch ein vernichtender Bericht des „Manager Magazins“, der Versprechen des Start-ups und seiner Gründer in Frage stellte. Zuvor hatte das Branchenportal Leafly.de zahlreiche Ungereimtheiten zusammengetragen. Erstaunlich auch: Zwei Krisenberater, die ursprünglich zum Gründerteam gehörten, wechselten laut Deutsche-Startups.de bereits Ende März zur Sanity-Group. Den Farmako-Konkurrenten hatte der Digitalunternehmer Finn Hänsel gegründet.

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Zu den Ungereimtheiten bei Farmako gehört, dass das Start-up im März angekündigt hat, bis zu 50 Tonnen pharmazeutisches Cannabis aus Osteuropa beziehen zu wollen. Schon im Juni sollte die erste Lieferung erfolgen. Tatsächlich ist das Start-up aber offenbar nach wie vor von niederländischen Herstellern abhängig, die den steigenden Bedarf in Deutschland kaum bedienen können. Auf Nachfrage von WirtschaftsWoche Gründer räumte Heartbeat Labs nun ein, dass die notwendige EU-Zertifizierung des mazedonischen Herstellers noch nicht abgeschlossen sei. Mit neuen Lieferanten rechne man aber noch in diesem Jahr.

Neue Zurückhaltung

Farmako soll sich nach Willen des Investors künftig vollständig auf die Rolle als Großhändler konzentrieren. Mit der Herauslösung des Biosynthesegeschäfts, schrumpft das Team auf zehn Mitarbeiter. Noch nicht kommuniziert ist, wer die Geschäfte des Start-ups künftig führt. Eine entsprechende Mitteilung soll laut Heartbeat Labs bald veröffentlicht werden. Auch Details zum neuen Unternehmen – darunter der noch ungenannte Firmenname – sollen in naher Zukunft bekanntgegeben werden.

Klar ist schon: Mit großspurigen Ankündigungen will sich der Investor zurückhalten. „Wir planen langfristig für das Unternehmen und möchten so kurz nach dem Start keinerlei zeitliche Erwartungen wecken“, hießt es von Heartbeat Labs. Weber ließ aber anklingen, dass der Fokus zunächst weiterhin auf Cannabinoiden liegen soll. Ein Patent für ein Bakterium, das den Wirkstoff aus Traubenzucker synthetisieren soll, hatte Farmako bereits eingereicht – die Rechte gehören nun ebenfalls zum Spin-off.