Das Start-up kombiniert staatlich geförderte Rentenverträge mit ETFs. Die Fusion passt zum Konsolidierungs-Trend im Fintech-Segment.

Das Angebot des Geldanlage-Portal Weltsparen wächst. Nach Tages- und Festgeldkonten im Ausland sowie Sparplänen für börsengehandelte Fonds (ETFs) bekommen Anleger künftig auch geförderte Altersvorsorge-Produkte bei den Berlinern. Möglich macht es ein Zukauf: Wie das hinter Weltsparen stehende Start-up Raisin heute bekannt gibt, übernimmt das Unternehmen Fairr. Gegründet 2013, ist das ebenfalls in Berlin ansässige Fintech auf Rürup- und Riester-Rentenverträge sowie die betriebliche Altersvorsorge spezialisiert. Die Besonderheit: Angelegt wird das Geld in ETFs – das soll höhere Renditen bei gleichzeitig niedrigen Gebühren ermöglichen.

Nach Angaben der Unternehmen soll Fairr als Marke mit dem Zusatz „by Raisin“ zunächst weiterbestehen. Die drei Gründer und die neun Mitarbeiter von Fairr bleiben an Bord. Abgelöst werden indes die bisherigen Investoren Transamerica Ventures und IBB Beteiligungsgesellschaft. Die Wagniskapitalgeber hatten sich im Rahmen einer Series-A-Finanzierungsrunde 2016 an dem Fintech beteiligt und im vergangenen Jahr noch einmal Geld nachgeschossen. Wie hoch der Barbetrag der Akquisition war, wurde nicht bekanntgegeben. Die Fairr-Gründer Jens Jennissen, Alexander Kihm und Ambros Gleißner erhalten Anteile von Raisin.

Raisin-Gründer war Investor

Querverbindungen zwischen den beiden Fintechs gibt es schon länger. So war Raisin-CEO Tamaz Georgadze als Business Angel an Fairr beteiligt. Im eigenen Unternehmen hat er zudem mit Hilfe des kleineren Start-ups eine betriebliche Altersvorsorge eingeführt, die auf Raisins ETF-Portfolio beruht. „Mit der Übernahme erweitern wir unsere Produktpalette gezielt um den wichtigen Aspekt Altersvorsorge“, sagt Georgadze nun. Vorsorge sei neben Bankeinlagen die wichtige Anlageklasse für private Haushalte.

Derzeit hat Fairr eigenen Angaben zufolge über 10.000 Kunden. Wie Mitgründer Jennissen im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer sagte, wuchsen Kundenzahlen und Anlagesummen in den vergangenen Jahren um je 50 bis 60 Prozent. „Unter dem Dach von Raisin können wir nun noch schneller wachsen und einen größeren Einfluss auf den Markt nehmen.“ Vorteile gebe es zudem bei der Expansion ins Ausland.

Tatsächlich dürfte Fairr stark von der Bekanntheit der Marke Weltsparen profitieren. Die hohen Marketingausgaben der Berliner machte Georgadze im Februar auch dafür verantwortlich, dass Raisin noch nicht profitabel ist. Damals hatte das Fintech, das inzwischen über 300 Mitarbeiter beschäftigt, in einer Finanzierungsrunde 100 Millionen Euro eingeworben – und angekündigt, sich nach Übernahmezielen umzusehen. Im März folgte dann der Kauf der Frankfurter MHB-Bank. Bereits 2017 hatte Raisin einen britischen Konkurrenten übernommen.

Konsolidierungswelle erwartet

Jennissen betonte zwar, dass es Fairr auch möglich gewesen wäre, mit frischem Wagniskapital auf eigene Faust weiterzumachen. Tatsächlich tun sich kleinere Fintechs aber zunehmend schwer – denn VC-Firmen konzentrieren sich verstärkt auf die großen Player. Erhebungen der Beratung PwC zufolge spiegelt sich auch darin wider, dass die Zahl der Geschäftseinstellungen im dem Segment seit 2017 deutlich zunehmen. Betroffen seien vor allem solche, die sich direkt an Endverbraucher wenden.

Eine Konsolidierungswelle erwartet Ramin Niroumand. Der Gründer der einflussreichen Firmenschmiede Finleap kritisierte kürzlich, dass sich viele Angebote von Fintechs zu sehr ähneln. Finleap selbst gab sich unlängst eine neue Struktur, um verschiedene Produkte aus dem eigenen Firmenkosmos zu bündeln und Unternehmenskunden aus einer Hand anbieten zu können.

Der Logik folgen auch Raisin und Fairr. „Wir glauben, dass es aus Kundensicht sinnvoll ist, alle möglichen Sparprodukte in einem Portal zu bündeln“, sagte Jennissen. In einem ersten Schritt wollen die Fintechs ihre Kunden nun auf die Angebote des jeweils anderen aufmerksam machen. Für den Herbst soll dann eine technische Angleichung vorgesehen. Weltsparen-Kunden sollen dann ohne erneute Registrierung Fairr-Verträge abschließen können und umgekehrt.