Ihr Ziel ist es, dass sich die Teams in der Factory gegenseitig unterstützen und mit unterschiedlichem Know-how weiterhelfen. Was ist daran besser als an einem klassischen Accelerator-Programm?
Wir haben erfahrene Mentoren aus der Industrie und aus bereits erfolgreichen, etablierten Start-ups. Das Gute ist, dass wir nicht wirtschaftlich getrieben sind und wir die Start-ups nicht beeinflussen wollen und müssen, damit sie zum Konzern passen. Denn dadurch geht ein großer Teil der Innovation verloren. Hier können alle Unternehmen zusammen verschiedene Ideen entwickeln. Deswegen bezeichnen wir uns als Plattform.

Der amerikanische Coworking-Konzern WeWork hat zwei Filialen in Berlin eröffnet und plant bereits neue Standorte. Nehmen Sie WeWork als Konkurrenz wahr? 
Nein. Wir nehmen WeWork vor allem als Ergänzung des Eco-Systems wahr. Der große Vorteil ist, dass in Berlin alle unterschiedlichen Zielgruppen an einem Ort sitzen. Zentralisierung ist ein Erfolgsmodell, daraus entsteht eine Eigendynamik: Je mehr Player an einem Ort sind, desto mehr Talente aus der ganzen Welt zieht dieser Ort an. Ich denke, WeWork ist eher ein Immobilienanbieter. Sie vermieten Schreibtische und die Community ist ein Marketing-Instrument. Hier in der Factory ist es anders: Bei uns steht ganz klar die Community im Fokus.

Sie haben Berlin als einen sehr wichtigen Standort in der internationalen Start-up-Szene beschrieben. Was bietet der Standort Berlin der Factory?  
Berlin bietet Internationalität und der bezahlbare Wohnraum ist natürlich ein großer Vorteil gegenüber anderen Großstädten. Hinzu kommt noch die Kreativ- und die Clubszene, das beeinflusst das Innovationspotenzial hier sehr. Jedes Unternehmen, egal ob Old oder New Economy wird künftig von den besten Ideen und innovativsten Köpfen abhängig sein. Und auf die trifft man in Berlin.

Apropos Old und New Economy: Was bremst die Digitalisierung in Deutschland eigentlich so stark aus? 
Es ist die Ignoranz der Manager. Sie denken, dass sie wissen wie Unternehmertun funktioniert, fokussieren sich zu stark auf Risiken und ignorieren Chancen, die sie generieren könnten. Sie kaufen junge Start-ups zu früh auf und dahinter steckt kein Gemeinschaftsgedanke. Innovation entsteht immer auf einem weißen Blatt Papier. Wo Manager meinen, ausschließlich mit Fehlervermeidungs-Strategie Start-ups helfen zu können, ersticken sie jede Innovation.