Felix Kosel gründete kurz vor Ausbruch der Pandemie ein Start-up, das Event-Locations mit Veranstaltern zusammenbringt – und setzt trotz Krise auf Wachstum.

Das Timing war denkbar schlecht: Kurz bevor Corona in Deutschland ankam, hatte Felix Kosel Eventano an den Start gebracht. Das Portal, das Veranstalter und Event-Locations für Anlässe wie Firmenfeiern, Geburtstage und Hochzeiten zusammenbringt, war im Februar 2020 live gegangen – nach zwei Jahren Entwicklung. Nur wenige Wochen später untersagten Bund und Länder  Zusammentreffen von mehr als zwei Personen. Eine Maßnahme, die die Veranstaltungsbranche besonders hart traf.

Auch für Felix Kosel lag das Geschäft erst einmal brach: „Wir hatten 4.500 Locations aus ganz Deutschland online, aber seit Ende März fast keine Nutzer und somit auch fast keine Buchungsanfragen mehr.“ Ein Alptraum für den Gründer.

Locationssuche per Mausklick

Angesichts der schwierigen Situation blieben dem Berliner nur zwei Möglichkeiten: Abwarten oder Vollgas geben. Kosel, der bereits eine Reihe anderer Start-ups gegründet hatte, darunter ein Portal für regionale Lebensmittelproduzenten und Manufakturen, entschied sich für die zweite Strategie. Mitten in der Krise übernahm er das ebenfalls in Berlin ansässige Portal Hochzeitslocations-Berlin.com, das auf Hochzeiten in Berlin und Brandenburg spezialisiert ist. Zur Kaufsumme wollte Kosel sich gegenüber WirtschaftsWoche Gründer nicht äußern, sein Ziel hingegen machte er klar: „Wir wollen unseren Nutzern ein möglichst vielfältiges Angebot an Veranstaltungorten präsentieren und uns so von anderen Anbietern abheben.“

An Konkurrenz mangelt es nämlich nicht. Zahlreiche Unternehmen bieten eine Locationsuche per Mausklick, darunter Eventsofa, hinter dem das Berliner Start-up Spacebase steckt, oder das seit 2011 aktive, ebenfalls in der Hauptstadt ansässige Placces.

Präsentationen zwischen Braukesseln

Ob alle Anbieter die Krise überleben werden ist fraglich: „Der ganzen Eventbranche geht es weiterhin äußerst schlecht und einige Firmen, darunter auch Locations, mussten leider bereits schließen. Und zurzeit ist es auch für viele Unternehmen noch nicht abzusehen, wann es für sie wieder losgeht”, sagt Felix Kosel. Ein Lichtblick aber sei durchaus vorhanden: „Das Interesse nach Räumlichkeiten steigt inzwischen langsam wieder an. Meist für Hochzeiten und Firmenveranstaltungen für Ende 2020 oder nächstes Jahr.“

Darum investierten er und seine Mitarbeiter die letzten Wochen auch intensiv in die Suche nach neuen Orten – je ausgefallener, desto besser: „Der Trend geht zu außergewöhnlichen Locations, Firmen wollen beispielsweise Präsentationen in einer Brauerei zwischen den Braukesseln abhalten oder ein Brainstorming in einer stillgelegten Tischlerei durchführen.“ Kosels Plan ist es, bis Ende des Jahres weitere 2000 Locations aus Deutschland auf seiner Plattform zu integrieren. Sein Ziel: „Suchen und Buchen von Locations sollte so einfach werden wie online einen Tisch im Restaurant zu reservieren.“ Er hofft, dass die Krise schnell in Vergessenheit gerät.