Das Dresdener Start-up will die Technologie im Unternehmenskontext voranbringen – und kann bereits mehrere Pilotprojekte vorweisen.

Daten werden manipulationssicher gesichert, Transaktionen können automatisiert werden, zentrale Plattformen sind nicht nötig: Für die unternehmensübergreifende Zusammenarbeit gilt die Blockchain als großer Hoffnungsträger – doch in der Praxis ist die Umsetzung oft noch zeitaufwändig und komplex. Mit neuen Ansätzen will Evan der Technologie zum Durchbruch helfen. Das Dresdener Start-up hat eine Business Blockchain entwickelt, die für Unternehmen besonders zugänglich sein soll.

Gegründet 2016, hat das Start-up nun eine Seed-Finanzierungsrunde in siebenstelliger Höhe abgeschlossen. Das Geld kommt vor allem vom Technologiegründerfonds Sachsen und der Beteiligungsmanagement Thüringen GmbH, die zur Förderbank des Bundeslandes gehört. Beteiligt waren zudem zwei Business Angels.

Mit André Münnich ist einer der frühen Investoren seit März auch Teil der Geschäftsführung. Münnich ist in der Start-up-Szene kein Unbekannter: Er hatte 2011 das Unternehmen Fayteq mitbegründet, mit dessen Technologie sich Objekte aus Live-Videos entfernen lassen. 2017 verkaufte er Fayteq an Facebook – es war der erste Exit eines deutschen Start-ups an den US-Konzern. Bei Evan übernimmt er nun die Rolle des CFOs.

Vertraulicher Informationsaustausch

Die Finanzspritze will Evan nutzen, um das aktuell zehnköpfige Team aufzustocken – und eine erste Standardanwendung fertig zu entwickeln. „Wir wollen Unternehmen ermöglichen, die Blockchain-Technologie auch ohne umfassendes IT-Know-how zu nutzen“, sagt CEO Thomas Müller im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer. Geplant sei eine Anwendung für den Austausch von Informationen etwa über Produkte oder Bauteile. Genutzt werden dafür sogenannte Digitale Zwillinge – also eine Art digitale Akte zu physischen Objekten.

Wie das aussehen, zeigt ein Pilotprojekt, das Evan für einen Baumaschinen-Verleiher realisiert hat. Dieser unterhält zwar einen eigenen Maschinenpark, vermittelt aber auch Geräte von Partnerunternehmen. Bisher, so Müller, sei das für die Unternehmen mit vielen manuellen Prozessen verbunden. Verfügbarkeiten werden per Mail oder Telefon abgefragt, für die Zustandsdokumentationen werden auch schon mal per Messenger Fotos herumgeschickt. All das konnte nun mit „Digitalen Zwillingen“ automatisiert werden.

Denkbar wäre das auch ohne eine Blockchain im Hintergrund. Dann aber wäre eine zentrale IT-Infrastruktur nötig. „Unternehmen scheuen es, wettbewerbsrelevante Daten an einen Plattformbetreiber zu übergeben“, sagt Müller. Bei der Blockchain sind die Informationen dagegen dezentral in einem Rechnerverbund gespeichert. Konkurrenten können diese nicht einsehen – denn die Daten sind verschlüsselt und werden automatisiert abgefragt.

Blockchain ohne Kryptowährung

In einem anderen Pilotprojekt hat Evan für einen Textildiscounter Zertifikate, die bescheinigen, dass ein Lieferant Umwelt- und Sozialstandards fälschungssicher gespeichert. Eine dritte, bereits erprobte Anwendung dreht sich um digitale Fahrzeugbriefe für Carsharing-Systeme. Das Start-up versteht sich dabei als Betreiber eines Netzwerks, das neben der Blockchain auch Software-Frameworks bereitstellt. An diese können Systemintegratoren andocken, um komplexere Anwendungen zu realisieren.

Technisch baut Evan auf die populäre Blockchain-Plattform Ethereum auf – setzt aber auf Mechanismen: So gibt es keine öffentlich handelbare Kryptowährung. Diese dient bei öffentlichen Blockchains dazu, die Betreiber der Infrastruktur für ihren Aufwand zu entschädigen. Die Dresdener setzen dagegen darauf, dass die Anwenderunternehmen die nötigen Rechen- und Speicherkapazitäten zur Verfügung stellen. Für Transkationen auf der Blockchain sind feste Beträge festgelegt, von denen ein Teil auch an das Start-up gehen.