Eine Gruppe von Unternehmern fährt auf Klassenfahrt? So sah es aus als Berliner Gründer gemeinsam zur E-World nach Essen fuhren.

Von Lena Skrotzki

Am frühen Mittwochmorgen am Roten Rathaus in Berlin: Knapp 40 Gründer sind früh aufgestanden, um gemeinsam in den Start-up-Bus der Deutschen Energieagentur (dena) zu steigen. Ihr Ziel: die europäische Leitmesse der Energiewirtschaft – die E-world 2016 in Essen.

Der Chef der Berliner Senatskanzlei, Björn Böhning, verabschiedete die Berliner Jungunternehmer nach Essen und ermutigte sie, dort ihre Ideen für die Energiewende bekannt zu machen und auch auf größere Unternehmen und Investoren zuzugehen. „Wir wollen ja, dass Berlin die Start-up-Hauptstadt Europas bleibt!“ Der von der Dena organisierte Start-up-Bus und das Programm auf der Messe hatten das Ziel, Start-ups und die klassische Energiewirtschaft zusammenzubringen, um gemeinsam neue Ideen für die Energiewende zu entwickeln.

Die Gründer aus der Hauptstadt nutzen die zwei Tage auf der E-world aber natürlich auch, um sich nach interessanten Investoren umzuschauen, ihr Geschäftsmodell vorstellen und sich über Lösungen für die Energiewende auszutauschen. Die Geschäftsideen der Start-ups aus der Energie-Branche reichen von der Energiespar-App OEEX für den Haushalt bis zu Crowdinvestment-Plattformen für Solarenergie von Ecoligo. Doch zwei Aspekte einen alle, die im Start-up-Bus mit angereist sind: Man will mit dem eigenen Geschäftsmodell einen kleinen Anteil zur Energiewende beisteuern. Und es geht kein Weg an der Digitalisierung und dem Trend vernetzter Systeme vorbei.

Velo Easy ist so ein Start-up in der Energie-Branche, das von der Digitalisierung profitiert und sie zu nutzen weiß: Claudine Oldengott hat das Unternehmen im September 2015 mit dem Ziel gegründet, die Mobilität der Fahrradfahrer zu erleichtern. Stahlbauunternehmen produzieren spezielle Boxen, die in Berlin an Hotspots wie großen S-Bahnhöfen installiert werden. E-Bikes oder klassische Fahrräder werden darin vor Diebstahl und Vandalismus geschützt.

Fahrrad-Boxen sind nichts Neues, aber Velo Easy bietet das erste vernetzte Fahrradparksystem. Man braucht kein Schloss und keine Schlüssel, sondern nur eine App, über die man eine beliebige Fahrradbox in Berlin buchen und bezahlen kann. Wer sein Zweirad nicht dem Schicksal des Berliner Fahrraddiebstahls überlassen möchte, zahlt einen Euro Miete pro Stunde, maximal aber drei Euro am Tag. Neben den Boxen gibt es auch eine E-Bike-Ladestation. „Das Projekt passt zum Puls der Zeit. Die Energiewende bietet eine gute Plattform für unser Konzept“, sagt die Gründerin Claudine Oldengott. Das Start-up hat sich bereits bei potentiellen Investoren vorgestellt, auch die Deutsche Bahn und Berliner Bezirksstadträte sind mit an Bord. Sie stellen etwa Velo Easy Plätze für die Fahrradboxen kostenlos zur Verfügung.

Das Start-up Ecoligo wurde von Martin Baart gegründet, um auch Unternehmen in weniger entwickelten Ländern Zugang zur Energiewende zu erleichtern. In Ländern, in denen die Politik Unternehmen nicht bei der Energiewende unterstützt, wie etwa Velo Easy in Berlin, und Banken Investitionen in erneuerbare Energie zu riskant sind. Deshalb finanziert und betreibt Ecoligo Solarprojekte in Entwicklungsländern, die durch Crowdinvestment finanziert werden.

Anleger in Deutschland haben die Möglichkeit, zu einer festen Verzinsung in die Anlagen zu investieren. Ecoligo verkauft den Strom, der von den Solarzellen produziert wird an kommerzielle oder industrielle Endverbrauchern in verschiedene Ländern. Baart und seine Partner sind regelmäßig in Ostafrika und vertraut mit den lokalen Marktbedingungen. Seine Vision hinter dem Unternehmen ist, dass Crowdfunding den Menschen ermöglicht, in Projekte zu investieren, die ihnen wichtig sind und so ihren Anteil an der Energiewende zu haben.

Die Gründer von OEEX nahmen von der E-world nicht nur neue Ideen und Kontakte mit. Sie erhielten den Energy App Award in der Kategorie „Innovation“. Ihre App macht sichtbar, wann in der Nähe des Nutzers besonders viel Strom aus erneuerbaren Energien produziert wird. Der Nutzer kann seine Verhaltensweisen anpassen und seinen Stromverbrauch durch Haushaltsgeräte in genau diese Zeiten legen. So lässt sich das Versorgungsnetz entlasten und Energie sparen.

Der Energy App Award wurde dieses Jahr zum ersten Mal an besonders innovative digitale Lösungen vergeben. Aber für viele Gründer, unter anderem Daniel Seidl von PrimeUnit, hat sich der Road-Trip nach Essen auch ohne Auszeichnungen oder Pitches gelohnt: „Es ist interessant, sich mit anderen Start-ups auszutauschen, weil man sieht, dass die gleichen Hürden zu nehmen sind. Wir können von den anderen lernen und so vielleicht manche Fehler vermeiden.“