Das Start-up schaltet gebrauchte Traktoren und suchende Landwirte zusammen – quer durch Europa. Risikokapitalgeber stellen nun Geld bereit, um mehr Licht in den intransparenten Markt zu bringen.

Ein gebrauchter Traktor, gerne von Fendt, gerne aus Deutschland? Weit mehr als 1000 passende Angebote listet E-Farm für Landwirte auf der Suche nach einem solchen neuen Arbeitsgerät. Die Spanne reicht dabei von der mehr als 45 Jahre alten Maschine für 5.000 Euro bis zum kaum genutzten Spitzenmodell für fast 300.000 Euro. Auch Mähdrescher, Feldhäcksler oder Teleskoplader finden sich auf der Seite des Start-ups.

Die länderübergreifende Vernetzung von Anwendern und Landmaschinenhändlern soll die Suche nach dem gewünschten Modell zum günstigen Preis verbessern. „Bei einem Händler endet die Suche, wenn das gesuchte Modell nicht auf dem Hof steht“, sagt Gründer Nicolas Lohr, „bei uns geht es dann erst richtig los.“ Wenn das Angebot wächst – aktuell sind insgesamt gut 17.000 Fahrzeuge gelistet – steigt der Mehrwert für Verkäufer und Käufer, ein gutes Geschäft zu machen. E-Farm kümmert sich um eine Dekra-Inspektion der gebrauchten Maschinen, fungiert als Zwischenhändler – und profitiert von einer Marge zwischen An- und Verkaufspreis.

Suche nach gebrauchten Traktoren

Die Herausforderung für das Start-up: Sich als digitaler Anbieter in der traditionellen Branche bekanntzumachen. Viel läuft bislang über die Auftritte in sozialen Medien – und vor allem über den Austausch der Nutzer: „Die Landwirte kaufen über uns und erzählen es dann weiter“, sagt Lohr. Um auf das mögliche Potenzial von Gebrauchtmaschinen auf dem Hof aufmerksam zu machen, soll Anfang 2021 ein zusätzliches Angebot kommen.

Über eine App können Landwirte ein Foto ihrer Traktoren machen und erhalten dann einen möglichen Verkaufspreis. Nach den Erkenntnissen von E-Farm sind im Schnitt alleine in Deutschland pro landwirtschaftlichem Betrieb fünf Traktoren registriert – zahlreiche stünden jedoch unbenutzt in der Scheune, sagt Lohr: „Viele Landwirte haben neben dem Tagesgeschäft keine Zeit, sich um einen möglichen Maschinenverkauf zu kümmern“. Das Start-up wolle so schlummernde Potenziale bei den Endkunden aktivieren, so der Gründer.

4,5 Millionen für Marketing und Entwicklung

Sowohl das Marketing als auch die Entwicklung von Datenbanken und Plattform verschlingt jedoch Kapital. Nun hat E-Farm eine Finanzierungsrunde über 4,5 Millionen Euro abgeschlossen. Angeführt wird sie von dem noch recht neuen schwedischen Risikokapitalgeber WiT Ventures. „Das Digitalisierungspotenzial in der traditionellen Landtechnikbranche ist signifikant“, begründet General Partner Elias Jacobson das Investment. Jacobson hatte sich zuvor unter anderem auch an dem KI-Start-up Peltarion beteiligt. Die schwedische Firma hilft nun den Hamburgern von E-Farm mit Tech-Wissen.

Daneben beteiligt sich in der aktuellen Runde ein nicht genannter deutscher Fonds mit Fokus auf sogenannte AgTech-Start-ups – dahinter stecken Technologisierung-Bemühungen für die Landwirtschaft. Erneut Kapital zur Verfügung stellt auch der Landmaschinenhersteller Claas. Der war im vergangenen Jahr bei E-Farm eingestiegen. An das Investment ist auch eine enge inhaltliche Partnerschaft gekoppelt. Das Angebot von Claas-Maschinen habe sich durch die Einbindung der entsprechenden Händler in knapp einem Jahr versiebenfacht, berichtet Lohr. Trotzdem betont er, dass die Plattform weiterhin absolut unabhängig ist. So arbeiten auch andere europäische Hersteller wie Massey Ferguson oder Hardy eng mit dem Start-up aus Hamburg zusammen.

Mittelfristig will E-Farm eine dreistellige Millionensumme als Handelsumsatz erreichen. Dafür soll das Geschäft auch noch internationaler werden: Aktuell verkauft das Start-up bereits Maschinen in 54 Märkten, der klare Schwerpunkt liegt jedoch noch in Europa. Nach einem kurzen Schock sorgte die Corona-Krise dabei durchaus für einen positiven Impuls für den digitalen Handel: „Landwirte hatten keine Gelegenheit mehr, sich Maschinen vor Ort anzusehen“, so Lohr.