Mit ihren Sitzbezügen fürs Auto konnten die Gründer die Löwen nicht überzeugen – andere Investoren dagegen setzen auf die Idee der Brüder.

Leonhard und Laurenz Krieger sind Brüder und haben gemeinsam das Start-up Drive Dressy gegründet. Mit diesem produzieren sie Bezüge fürs Auto in allen erdenklichen Farben und Designs, die sich über den Originalsitz ziehen lassen, um so für mehr Individualität in den Innenräumen zu sorgen. Groß auffahren konnten die Brüder ihr Start-up in dieser Woche in der Fernsehshow „Die Höhle der Löwen“.

Der Autositz als Fashion-Objekt, jenseits von den altmodischen Lammfell-Bezügen – diese Idee kam bei den Löwen gut an. Weniger anziehend fanden die allerdings die Bewertung der jungen Gründer. Auf den Vorschlag 15 Prozent der Firmenanteile für 500.000 Euro abzugeben, ging niemand ein. „Abgefahren“, kommentiert Carsten Maschmeyer, „ungeschickt und abgehoben“, fand Nils Glagau. Leonhard und Laurent Krieger sind allerdings überzeugt, dass sie alles richtig gemacht haben. Warum, erzählen sie im Interview. 

Leonhard, Laurenz, in „Die Höhle der Löwen“ haben Sie Ihr Start-up nicht nur vor der fünfköpfigen Jury, sondern auch vor einem Millionenpublikum präsentiert, das vor den Bildschirmen saß. Wie bereitet man sich auf so eine Situation vor?
Tja, um ehrlich zu sein, konnten wir uns fast gar nicht vorbereiten, denn wir haben erst eine Woche vor der Aufzeichnung erfahren, dass wir dabei sein werden. 

So kurzfristig?
Eigentlich hatten wir vor uns erst für die kommende Staffel im Jahr 2020 zu bewerben, aber plötzlich klingelte das Telefon und die Produktionsfirma fragte, ob wir direkt einsteigen würden. Wir haben natürlich sofort zugesagt.

Ihr Auftritt kam gut an, aber am Ende konnten Sie kein Jurymitglied von einem Investment überzeugen. Der Grund war die Bewertung.
Keine Frage, unsere Bewertung war hoch – aber nicht zu hoch. Denn die Summe, die wir aufgerufen haben, hatte natürlich ihren Grund: Bevor wir in „Die Höhle der Löwen“ kamen, hatten wir bereits drei Investoren an Bord, die zu sehr ähnlichen Konditionen eingestiegen waren. Darum war es gar keine Option, von unseren Zahlen abzuweichen. 

Waren Sie enttäuscht?
Wir hatten schon den Ehrgeiz, die Löwen von unserer Idee zu überzeugen, sonst wären wir nicht angetreten. Aber unser Mitwirken war trotzdem ein riesiger Erfolg, denn Drive Dressy ist über Nacht bekannt geworden – am Abend der Ausstrahlung war der Ansturm mit mehreren zehntausend Besuchern auf unsere Homepage so groß, dass sie erstmal kurzfristig abgestürzt ist. 

Sie haben also ohne die Löwen weitergemacht. Erfolgreich?
Wir möchten keine Zahlen nennen, aber wir sind sehr zufrieden. Neben den drei Investoren, die bereits an Bord waren, haben wir zwei weitere Geldgeber gewinnen können, so dass wir nun finanziell sehr gut aufgestellt sind und uns ganz auf unser Produkt konzentrieren können.

Was steht aktuell auf dem Plan?
Wir basteln fleißig an unserem Konfigurator, mit dem man in Zukunft seine eigenen Designs auf die Sitzbezüge drucken lassen kann. So wählen die Kunden nicht nur aus den Entwürfen, die wir gemacht haben, sondern können selbst etwas kreieren. Und wir arbeiten daran, dass unsere Sitze für jedes Automodell verfügbar sein werden –  vom kleinen Smart, über Nutzfahrzeuge für Handwerksbetriebe bis hin zum Wohnmobil. 

Wie reagiert die Autoindustrie auf Ihre Erfindung?
Wir haben bereits Kooperationen mit großen Autohäusern, unter anderem in Hamburg und München  – vor allem von VW. Dort können Kunden unsere Sitzbezüge kaufen. Interessant ist für uns gerade aber auch der Camper-Markt. Hier stehen wir zurzeit in Sachen Verkaufszahlen am besten da. 

In der Sendung haben Sie gesagt, dass Ihre Zielgruppe vor allem junge Frauen zwischen 18 und 25 sind.
Das hat sich in den rund neun Monaten seit der Aufzeichnung komplett geändert. Mittlerweile kaufen bei uns vor allem Leute zwischen 40 und 55 Jahre. 

Auch Männer?
Ja, es werden immer mehr, seit wir unseren 3D-Konfigurator im Einsatz haben, mit dem sie selber die Bezüge individuell gestalten können.

In Zeiten, in denen viele Deutsche aus Klimaschutzgründen über den Sinn und Nutzen von Autos diskutieren – wie sehr glauben Sie an den Erfolg von Drive Dressy?
Trotz aller Diskussionen ist der Markt nach wie vor gigantisch. Es gibt mehr Autos auf den Straßen als je zuvor. Und selbst wenn die Zahlen zurückgehen sollten, gibt es für uns spannende Ansätze jenseits von privaten PKWs. Wir setzen auch auf Carsharing-Anbieter – gerade statten wir einen Anbieter mit Sitzen aus, auf denen Werbung von Firmen zu sehen ist. Das ist eine ganz neue Art von Werbestrategie. 
Und wir denken langfristig auch an die Ausstattung von Bussen und Bahnen – die Möglichkeiten sind grenzenlos. 

Denken Sie schon an eine Internationalisierung?
Wir wollen nicht größenwahnsinnig sein und konzentrieren uns darum zunächst auf den deutschen, den österreichischen und den Schweizer Markt. 

Zunächst…
Wir haben natürlich schon große Ziele: Erst ist Europa dran und in zwei bis drei  Jahren wollen wir auch den asiatischen und den amerikanischen Markt erobern – in China setzen wir auf Autos, in den USA auf den Camper-Markt. Ja, in fünf Jahren werden wir Weltmarktführer in Sachen Autobezüge sein.

Zum Schluss müssen Sie noch etwas verraten: Für welche Bezüge haben Sie sich denn persönlich entschieden? Oder haben Sie etwa gar kein Auto?
Doch, klar, wir müssen unsere Designs ja auch häufig vorführen. Für einen Blümchen-Bezug und einen Tukan auf schwarzen Hintergrund (lachen).