Schneller Start, große Ziele: In unserer Kolumne berichten Digital Hubs von ihrer Arbeit. Heute spricht Johannes Berg vom Digital Hub Logistics Hamburg über Visionen und Pläne.

Montag ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer. In regelmäßiger Folge berichten Vertreter der über das ganze Land verteilten Digital Hub Initiative in einem standardisierten Fragebogen, wie es um das Start-up-Ökosystem in den jeweiligen Schwerpunktbranchen steht. Heute berichtet Johannes Berg vom Digital Hub Logistics Hamburg über Visionen, Kooperationen mit dem Mittelstand und Neidgefühle. 

 

Was läuft im Ökosystem dieses Hubs besser als gedacht?
Die Vernetzung unter den Start-ups könnte nicht besser sein. Start-ups im Digital Hub Logistics lernen von- und miteinander und sorgen dafür, dass immer mehr junge Unternehmer zu uns in den Hub kommen wollen. Wir haben mittlerweile Start-ups aus Holland, Dänemark und der Schweiz bei uns – ein klares Zeichen, das auch die internationale Vernetzung vorankommt. Zudem ist die Vernetzung zu städtischen Behörden und Unternehmen (z.B. die Hamburg Port Authority) ein Bestandteil des Ökosystems welcher in der Kürze der Zeit so sicherlich nicht zu erwarten war. Durch den engen Draht zur Stadt Hamburg, die seit Dezember auch Gesellschafterin des Hubs ist, konnten derartige Partnerschaften realisiert werden.

Und was läuft schlechter als erhofft?
Für die meisten unserer Unternehmenspartner ist das Engagement in einem Hub – wie für uns alle – Neuland. Es ist nicht ganz einfach als Unternehmen seine Rolle und die damit verbundenen Ziele klar zu definieren und ins Ökosystem Hub einzubringen. Der Digital Hub Logistics will Unternehmen hier ein Stück weit an die Hand nehmen und durch konkrete Angebote sowohl auf der Netzwerk- als auch auf der Produktentwicklungsseite dafür sorgen, dass Unternehmen konkrete, quantifizierbare Ergebnisse aus dem Ökosystem Hub gewinnen können. Wir müssen auch daran arbeiten, mehr wissenschaftliches und finanzielles Know-How in den Hub zu lenken.

Warum ist dieser Hub ausgerechnet an diesem Ort?
Die Hamburger Speicherstadt war früher Teil des Freihafens – hier konnten Waren außerhalb des Zollgebiets Hamburgs frei gehandelt werden. Den Freihafen gibt es nicht mehr, dafür aber einen Freiraum, in dem neue Ideen gesponnen und entwickelt werden können. Wir sind unserem Partner HHLA sehr dankbar, in den Räumlichkeiten in der Speicherstadt sein zu können. Früher haben hier Kaffeesäcke gelagert, heute liegen hier sprichwörtlich die Ideen für die digitalen Geschäftsmodelle der Logistik von morgen. Das Hamburg für das Thema Logistik prädestiniert ist, brauche ich wohl nicht weiter auszuführen.

Und auf welchen blicken Sie neidisch?
Als Hamburger und damit als Bewohner der schönsten Stadt der Welt ist man auf keinen Ort neidisch. Nein, Spaß beiseite. Wir finden es total spannend zu sehen wie die anderen elf Hubs im Netzwerk der Digital Hub Initiative das Thema Vernetzung, digitale Transformation und Geschäftsmodellentwicklung angehen. Dabei bekommt man manchmal den Eindruck das, je weiter südlich man schaut, die finanziellen Mittel dort etwas lockerer sitzen. Der Finanzierungsaspekt ist definitiv ein Punkt bei dem wir ab und an ein wenig neidisch auf unsere Kollegen in München schauen, die mit den vorhandenen Mitteln wirklich Großartiges auf die Beine gestellt haben.

Welches neue Gesetz würde helfen?
Ich habe ja schon den Freihafen erwähnt. Wir in Hamburg würden uns ein Reallabor in Form eines digitalen Freihafens wünschen. Ein Bereich im Hafen, in dem unserer Start-ups und Unternehmenspartner ausprobieren und entwickeln können, ohne dabei vielleicht kontinuierlich den Datenschutz im Auge behalten zu müssen. Das digitale Testfeld Hafen bietet einigen unserer Partner da schon spannende Möglichkeiten und wir werden in diesem Jahr sicherlich weitere Projektideen an den Start bringen.

Kooperationen: Sind Mittelständler und Konzerne eher Freund oder Feind?
Vielleicht gehe ich das Thema etwas naiv an aber ich bin davon überzeugt, dass wirkliche Mehrwerte für Unternehmen und Gesellschaft im Rahmen von digitalen Geschäftsmodellen in der Logistik nur durch die Kooperation von Mittelständlern, Konzernen und Start-ups entstehen können. Daher sehe ich diejenigen, egal ob groß, klein, jung oder etabliert, die an der Lösung von Problemen und neuen, spannenden Innovation interessiert sind immer erst als Freunde an! Natürlich ist auch der Digital Hub Logistics keine Kuschelstube, am Ende sind wir alle digitale Darwinisten, bei denen die fittesten überleben! Wer aber zusammen trainiert und ein Team bildet, gewinnt!

Was wird das nächste große Ding in der Logistik?
Dezentrale Plattformökonomie ist so ein neuartiges Buzzword, was immer häufiger in unseren Räumlichkeiten und im Zusammenhang mit Logistik zu hören ist! Ich denke an Start-ups, die mit ausgereiften Angeboten im Bereich der Datenanalyse weit vorne sein werden und junge Unternehmer und Unternehmerinnen (was in der Logistik eher selten, aber umso erfreulicher ist) die spannende Ideen im Bereich der digitalen und nachhaltigen Logistikketten vorantreiben werden.

So ist das Schlagwort estimated Time of Arrival vielleicht bald passée und es wird von predicted time of arrival gesprochen. Nachhaltige und umweltschonende Zustellungen im innerstädtischen Bereich durch Zusammenarbeit mit Fahrzeugflotten anderer Branchen sind heute schon Realität.