Viele potentielle Mitarbeiter, viele Mittelständler, viele Konzerne – aber es muss viel Überzeugungsarbeit geleistet werden: IT-Labs berichtet aus dem Start-up-Ökosystem in Franken.

Montag ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer. In regelmäßiger Folge erzählen Start-ups, die sich in den über das ganze Land verteilten Digital Hubs engagieren, aus ihrem Ökosystem. Heute berichtet Güven Karakuzu von IT-Labs. Das Start-up baut Software, um die außerklinische Versorgung von Patienten zu verbessern – und ist Teil des Digital Health Hubs mit Standorten in Nürnberg und Erlangen.

Ihr seid Teil des Digital Health Hub Nürnberg. Warum?
Der Hub ermöglicht uns Zugriff auf ein Netzwerk und Kontakte, auf die wir sonst  gar nicht kommen würden. Bestes Beispiel ist das Gespräch heute. Wenn ich alleine in einem Büro sitzen würde, hätten wir uns niemals kennengelernt. Auch der Zugang zu Events ist enorm hilfreich, zum Beispiel haben wir bei der Pitch Night in Berlin wichtige Investoren kennengelernt.

Was gefällt euch am Ökosystem vor Ort? Was sind die Stärken dieser Region?
Die größte Stärke ist die Mischung aus Großunternehmen in der Region, die dazu führen, dass sich genug Leute in den relevanten Berufen ausbilden, die wir brauchen. Gleichzeitig ist die Größe von Nürnberg überschaubar, aber in Verbindung mit Fürth und Erlangen hat die Region trotzdem genug Reichweite. Hier bildet sich rund um den Zollhof eine tolle Start-up Community.

Woran mangelt es noch – und warum?
Was hier fehlt, ist eine starke Finanzierungsszene. Es gibt die Hotspots in Berlin und München, aber Nürnberg muss noch etwas attraktiver werden. Hier sind viele große und mittelständische Unternehmen die bereit sind, mit Start-ups Kooperationen zu machen, das reicht allerdings nicht in der Masse, um eine echte Landschaft aufzubauen.

Wie hat sich die Nähe zu anderen Gründern im Hub ausgezahlt?
Sie zahlt sich auf mehreren Ebenen aus. Das eine ist fachlich: Sei es ein Gesellschaftervertrag, oder eine Markenanmeldung, jedes Start-up durchläuft mehr oder weniger die gleichen Probleme. Da kann man sehr vieles gemeinsam lösen und muss keine Externen beauftragen. Dann gibt es einen emotionalen Aspekt. Wenn man ein Unternehmen gründet, durchläuft man immer wieder Hochs und Tiefs. Hier hilft es, dass andere einen verstehen und man sich austauschen kann. Das letzte sind technische Themen. Egal, ob man ein CRM-System braucht oder eine Buchhaltungssoftware: Wo hat man die Möglichkeit sich mit so vielen Entwicklern auszutauschen? Das schafft man auch über Online-Communitys nicht.

Wie leicht findet ihr in eurer Region Mitarbeiter?
Verhältnismäßig leicht. Natürlich kämpfen auch wir um gut ausgebildete Fachkräfte, aber viele Leute, die sich bei uns bewerben, wollen nicht mehr in einem Konzern arbeiten, sondern wollen gezielt in ein Start-up. Und wir als Health-Start-up haben noch den Vorteil, dass wir Leute anziehen, die etwas Sinnstiftendes machen wollen.

Und wie steht es in eurem Ökosystem um den Zugang zu Kapital?
Ich habe gegründet mit zwei Business Angels und habe dann Unterstützung von der bayerischen Beteiligungsgesellschaft und den Banken hier vor Ort erhalten. Jetzt sind wir an der Stelle, wo wir merken, wir brauchen nochmal eine größere Summe, im sechs- bis siebenstelligen Bereich. Da müssen wir nun bundesweit nach VCs suchen und können uns nicht nur auf Nürnberg konzentrieren.

Wie gut gelingt die Zusammenarbeit mit Mittelständlern und Konzernen?
Es gelingt gut, aber wir stoßen auf komplett andere Welten. Beim Mittelständler musst du zwar nur den Chef überzeugen und hast dann dein Produkt verkauft, aber auch alle Teamleiter und Mitarbeiter müssen zufrieden sein. Beim Konzern musst du durch viele Abteilungen, IT, Betriebsrat und zahlreiche Fachabteilungen. Das ist ein unglaublicher langer Kampf, obwohl sie schon von Anfang an das Produkt wollen und überzeugt sind. Es gelingt, aber für ein Start-up ist das manchmal anstrengend.

Würdet ihr euch von  Behörden und Verwaltungen mehr Unterstützung wünschen?
Ich brauche keine Unterstützung, aber ich wünsche mir weniger Formalitäten. Wieso brauche ich einen Stempel, wenn der im Büro liegt, ich aber im Homeoffice arbeite? Manche Förderanträge werden nur per Fax angenommen, ich habe aber kein Faxgerät. Das sind echt Kuriositäten.

Das ist die sechste Folge dieser Serie. Zuvor berichteten bereits Motion Miners aus dem Digital Hub Logistics in Dortmund, Build38 aus dem InsurTech Hub in München, Flynex aus dem Smart Infrastructure Hub in Leipzig, Living Brain aus dem Digital Health/Chemistry Hub vom Rhein-Neckar-Gebiet sowie Nautiluslog aus dem Digital Hub Logistics in Hamburg.