„Die Kinder waren begeistert von den Robotern“, erinnert sich Mahler. „Und wenn Kinder begeistert sind, kannst du ihnen alles viel einfacher erklären.“ So entstand die Idee, die kleine Menschmaschine regelmäßig in Schulklassen einzusetzen – als Avatare für Patienten, die über Wochen nicht am Unterricht teilnehmen können. Im Herbst 2014 testeten die Entwickler den Roboter in einem Kinderkrankenhaus in Basel. Ein kleiner Junge war an Leukämie erkrankt und musste wegen einer Chemotherapie monatelang im Krankenhaus bleiben. „Solche Kinder verlieren schnell den Anschluss, sowohl vom Unterrichtsstoff her, als auch sozial“, sagt Mahler. Er programmierte eine Lern-App und installierte sie auf zwei Tablet-Computern; einen für den Patienten und einen für die Lehrerin. Mit der App kann die Lehrerin zum Beispiel eine Matheaufgabe abfotografieren, das Bild wird dann ins Krankenhaus geschickt. Und die Lösung wiederum wird an das Tablet in der Klasse zurückgesendet.

Mancher Klassenlehrer wird sich fragen, warum es einen Roboter im Wert eines Neuwagens braucht, um ein krankes Kind live am Unterricht teilhaben zu lassen. Reichen dafür nicht einfach ein Laptop und eine Videokonferenz per Skype? „Klar, das wäre günstiger“, sagt Mahler. Aber der Roboter mit seinen menschlichen Zügen lasse das Kind spielerischer am Unterricht teilhaben und die Übertragung der Aufgaben zwischen den zwei Tablets sei intuitiver. Damit der Roboter im Klassenzimmer zum Beispiel mit dem Kopf schüttelt, muss der kleine Patient im Krankenhaus nur mit seinem Tablet wackeln. Möglicherweise wird der Roboter beim ersten Einsatz in der Klasse allerdings dafür sorgen, dass die Kinder lieber ihrem neuen Klassenkameraden zuschauen, als der Lehrerin die Aufmerksamkeit zu schenken.

Bis heute hat Mahler seine Roboter an vier Schweizer Kliniken verkauft. Der Preis pro Stück: Umgerechnet 23.000 Euro. Darin enthalten ist die Kopfhalterung für das Smartphone und eine selbstgebaute Station, die wie ein Sessel aussieht. Wenn der Roboter darauf Platz nimmt, lädt sich der Akku auf. Er hält bis zu einer Stunde. Das Kantonsspital im schweizerischen Luzern hat zwei Roboter im Einsatz und berichtet auf Anfrage der WirtschaftsWoche von den ersten Erfahrungen: „Grundsätzlich ist festzuhalten, dass die kleinen Patienten grosse Freude an den Avataren haben“, schreibt eine Sprecherin. „Eine Herausforderung stellt jeweils die Infrastruktur der Schulen dar, die für den Einsatz des Avatars technisch entsprechend ausgerüstet sein müssen, unter anderem mit leistungsstarkem WLAN.“