Deutschland hinkt hinterher

Unbegründet ist der Unmut der Start-ups und Kapitalgeber daher nicht. Zudem: Wer möchte schon mehr Steuern zahlen als bislang gewohnt? Wohl niemand. Daher ist es verständlich, dass auch die Kapitalgeber dem Entwurf für ein Investmentsteuerreformgesetz wenig Gegenliebe entgegenbringen – zumal Deutschland bei den steuerlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen für Venture Capital in Europa ohnehin schon den letzten Platz einnimmt.

Indes, ein Menetekel heraufzubeschwören, wie es aktuell viele – scheinbar im Copy-Paste-Modus – machen, ist zu früh und falsch. Warum? Gerade Start-ups sollten wissen, dass Veränderung zum Leben gehört und Voraussetzung für jede Form der Weiterentwicklung ist. Die Gründer selbst wollen durch innovative Geschäftsmodelle dafür sorgen, dass sich Märkte verändern, was wiederum den bereits etablierten Unternehmen nicht gefällt.

Ob man es mag oder nicht: Veränderungen und veränderte Rahmenbedingungen gibt es ständig. Es gilt, adäquat darauf zu reagieren und die Herausforderungen zu meistern. Durch Anpassungen und Reaktionen auf sich stetig wandelnde Umfeldbedingungen wird ein Geschäftsmodell – gleichermaßen gilt dies für eine Investmentstrategie – iterativ immer weiter an einen Markt und die Kundenanforderungen optimiert.

Professionalisierungsdruck nachgeben

Start-ups ist beispielsweise zu empfehlen, alle Stellschrauben im Geschäftsmodell, die ihren Erfolg im Funding verbessern, stetig zu optimieren. Verschärfte Bedingungen, Kapitalgeber zu finden, wirken sich nämlich eher auf die mittelmäßigen oder wenig erfolgversprechenden Start-ups negativ aus. Gute Projekte hingegen mit wirklicher Perspektive, Marktnähe und langfristig guten Entwicklungschancen finden immer ihr Funding. Kein Investor wird ein wirklich renditeversprechendes Projekt aus steuerlichen Gründen ausschlagen.

Business Angels hingegen ist zu raten, sich bei vielversprechenden Investments zu Finanzierungspartnerschaften zusammenzuschließen. Starke Netzwerke und vertrauensvolle Kooperationen erleichtern die Form von Zusammenschlüssen. Gemeinsam lassen sich Innovations- und Wachstumsfinanzierungen leichter realisieren, was einem einzelnen  Business Angel allein kaum möglich ist und durch immer kürzere Innovationszyklen und damit verbundene zunehmende Kapitalbedarfe ohnehin immer schwieriger wird.