Besonders deutlich kritisiert auch der Bundesverband Deutsche Startups (BVDS) das Gesetz. Als „Mittelstand von morgen“ seien Start-ups wichtige Arbeitgeber, die im Vergleich zu allen Gründungen in Deutschland überdurchschnittlich viele Arbeitsplätze schaffen, heißt es im Positionspapier des BVDS aus dem vergangenen Jahr. Dass der Mindestlohn auch für Praktikanten gelte, habe „erhebliche negative Auswirkungen auf Startups in Deutschland“, prophezeite der BVDS. „Wir brauchen kein Fachkräfteverhinderungsgesetz für Startups in Deutschland“, forderte Vorstandsvorsitzender Florian Nöll im Sommer 2014. Aber der Bundestag beschloss das Gesetz mit lediglich einer kleinen Abänderung zu den Ursprungsplänen: Die Mindestlohn-Ausnahme für Praktikanten wurde von sechs Wochen auf immerhin drei Monate angehoben. Der BVDS hatte mindestens sechs Monate gefordert. Der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) sogar zwölf Monate.
Jetzt ist das Gesetz weitestgehend so gekommen, wie der Entwurf es im Juli vorsah: Der Mindestlohn von 8,50 Euro gilt grundsätzlich seit dem 1. Januar für alle Arbeitnehmer ab dem 18. Lebensjahr. Die Ausnahmen sind Auszubildende, Ehrenamtliche, Heimarbeiter und Freiwilligendienste wie das Freiwillige Soziale Jahr. Außerdem muss der Mindestlohn Langzeitarbeitslosen in den ersten sechs Monaten, Selbstständigen und Teilnehmern einer Arbeitsförderungsmaßnahme nicht gezahlt werden. Die letzte Ausnahme: Praktikanten. Allerdings gilt das nur, wenn die Arbeit Teil ihrer Ausbildung oder ihres Studiums ist und bis zu drei Monate dauert.

Für Verbände und Branchenkenner gibt es dabei einen ganz entscheidenden Grund, weshalb alle Praktikanten in der Start-up-Branche eine Ausnahme sein sollten: Praktikanten sind für Start-ups laut des BVDS die „Auszubildenden in der digitalen Wirtschaft“. Mehr als andere Unternehmen würden sie Studenten die Möglichkeit geben auch abseits ihres eigentlichen Studiengebiets praktische Erfahrungen zu sammeln. „Durch die Beschäftigung von Werkstudenten und Praktikanten kann ein Unternehmen kurzfristig Geld einsparen und gleichzeitig Nachwuchs fördern und qualifizieren“, sagt auch Claudia Helming, Gründerin und Geschäftsführerin des E-Commerce-Online-Portals DaWanda. „Idealerweise sollten Praktikanten bei ihrer Tätigkeit einen tiefen Einblick in das Unternehmen erhalten und bei flachen Hierarchien schnell selbstständig arbeiten, Verantwortung übernehmen und wertvolle Erfahrungen sammeln können.“