Das Hamburger Zinsportal holt sich die kriselnde Großbank als Gesellschafter und Vertriebshelfer an Bord. Die gemeinsamen Hoffnungen sind groß.

1,16 Prozent Zinsen bei der rumänischen Alphabank, 0,6 Prozent bei der lettischen Blue Orange: Mit solchen Angeboten lockt das Portal Zinspilot Anleger. Auf die technische Plattform des Fintechs Deposit Solutions, die Sparer und Banken zusammenbringt, sind auch zahlreiche etablierte Finanzinstitute neugierig. Die Deutsche Bank steigt jetzt für eine ungenannte Summe bei dem Hamburger Start-up ein und erwirbt knapp fünf Prozent der Anteile.

Auf dem Papier katapultiert diese Transaktion das Fintech in den sogenannten Einhorn-Status. Dieser Titel beschreibt Start-ups mit einer Unternehmensbewertung von mindestens einer Milliarde Dollar. Die 500-Millionen-Dollar-Bewertung hatte Deposit Solutions nach einer umfangreichen Finanzierungsrunde im Sommer 2018 ausgerufen.

Eine Ad-hoc-Meldung des Investors FinLab ruft den Einhorn-Status jetzt für Deposit Solutions aus – der Investor bewertet seinen Anteil von sieben Prozent nach der Gesamttransaktion mit 70 Millionen Euro. Nach Informationen des Handelsblatt überweist die Deutsche Bank im ersten Schritt jedoch nur etwa die Hälfte der eigentlich fälligen 50 Millionen Euro für den neu gezeichneten Anteil. Dazu kommen versprochene Zugänge zu Kunden, die ebenfalls finanziell bewertet werden können.

Strategieschwenk bei Fintech und Großbank

Die kriselnde Deutsche Bank setzt mit dem Einstieg ihren Strategiewechsel fort. Dazu gehören auch Milliarden-Investitionen in die Technik. Ziel ist eine Plattform, an die neue Angebote – auch von anderen Anbietern – leichter angeschlossen werden können. Heute können bereits Kunden des Deutsche-Bank-Onlinebrokers Maxblue Geld über das Portal von Deposit Solutions anlegen.

In Zukunft will die Bank das Angebot noch mehr Kunden zugänglich machen. Ein klarer Strategieschwenk: „Den Kontakt zu den Kunden behält im digitalen Zeitalter nur, wer ihnen die besten Angebote anbietet, auch wenn es die Angebote Dritter sind“, sagt der stellvertretende Vorstandschef Karl von Rohr nun.

Der Konkurrent bastelt am eigenen Ökosystem

Umgekehrt entwickelt sich auch Deposit Solutions weiter. Insgesamt 100 Banken aus 18 Ländern nutzen die Software-Plattform der Hamburger bereits. Die Lizenzerlöse aus diesem Großkundengeschäft werden für das Fintech immer wichtiger. Noch seien die Umsätze mit dem eigenen Portal Zinspilot größer, das stärkere Wachstum komme jedoch aus den Verträgen mit den Banken, sagte Gründer Tim Sievers dem Handelsblatt. Die Deutsche Bank sei nun der erste Kunde, der sich auch als Gesellschafter engagiere.

Der Vorteil dieser Strategie: Die Verkaufsgespräche mit den Banken dauern zwar lange, dafür kommt dann mit einem Schlag eine große Kundengruppe – mit entsprechendem Lizenzgebühren- und Provisionspotenzial – neu für das Fintech dazu. Der Marketingaufwand, um große Massen für eine eigene Marke zu begeistern, fällt bei diesem Weg weg. Der große Konkurrent von Deposit Solutions, das Berliner Zinsportal Raisin, baute dagegen zuletzt das eigene Ökosystem stärker aus: Das Fintech übernahm so etwa eine Bank und investierte in dieser Woche in ein digitales Vergleichsportal.