Das Kapital für Start-ups, die an komplexer Soft- oder Hardware basteln, wächst in Deutschland rasch, zeigt eine Studie. Doch global ist der Rückstand noch groß.

Millionen für ein Algorithmus, der Autos wie Menschen sehen lässt. Ein eigener Inkubator für technisch besonders komplizierte Ideen. Ganz generell: Mehr Aufmerksamkeit für sogenante Deep Techs. Eine neue Gattung von Start-ups, die lange eher im Verborgenen entwickelten und werkelten, arbeitet sich langsam in die Öffentlichkeit. Jetzt belegt eine Studie der Unternehmensberatung BCG, dass sich weltweit einiges in diesem Bereich tut – und auch in Deutschland wichtige Schritte gelingen. Weltweit hätten sich die privaten Investitionen in Deep Techs in den vergangenen drei Jahren auf nun knapp 18 Milliarden Dollar verdoppelt, heißt es in einer aktuellen Untersuchung (hier geht es zum Dokument in englischer Sprache).

Unter dem Oberbegriff Deep Tech werden dabei junge Unternehmen zusammengefasst, die im ersten Schritt eher an technologischen als an ökonomischen Disruptionen arbeiten – auch wenn das langfristige Potenzial solcher Erfindungen enorm groß sein kann. Die Definition ist keineswegs eindeutig. BCG zählt beispielsweise Start-ups dazu, die folgende Themen im Fokus haben: Werkstoffe der Zukunft, Künstliche Intelligenz, Biotechnologie, Blockchain, Drohnen und Robotik, Optoelektronik sowie Quanten-Computing.

Platz drei weltweit – mit gewaltigem Abstand

Weltweit hat die Unternehmensberatung knapp 8700 Start-ups ausgemacht, die sich diesen Themen verschrieben haben. Fast die Hälfte davon haben ihre Heimat in den USA. In Deutschland zählt die Studie gerade einmal 455 Start-ups, die sich mit diesen Technologien beschäftigen. Das reicht global hinter China immer noch für Platz drei, offenbart aber den Abstand bei der Entwicklung von Zukunftsthemen.

Ein Blick in die Zahlen offenbart jedoch auch, wie sehr die Ergebnisse von den genauen Definitionen abhängen: So weist die Studie null deutsche Deep-Tech-Start-ups aus, die sich mit Quanten-Computing beschäftigen. Mit Unternehmen wie Kiutra, die sich um die Kühlung der Supercomputer kümmern, oder HQS Quantum Simulations aus Karlsruhe die Betriebssysteme für Quantencomputer schreiben, wird durchaus auch hierzulande intensiv geforscht und entwickelt.

Gute Quoten bei Robotik und Elektronik

Bleibt man bei den Definitionen der Studie, sieht es dagegen bei Drohnen und Robotik gut aus: Hier stellt Deutschland überdurchschnittlich viele Start-ups. Unternehmen wie Wandelbots stammen oft aus der universitären Forschung, finden aber schnell dankbare Projektpartner im Maschinenbau. Noch stärker sieht es im Feld Photonoik und Elektronik aus – hier soll jedes zehnte Start-up seinen Sitz in Deutschland haben.

Ebenfalls eine gute Nachricht: Die Investitionen hierzulande steigen stark an. Über die vergangenen vier Jahre habe sich das Risikokapital für Deep-Tech-Start-ups in Deutschland im Schnitt jeweils um 73 Prozent gesteigert, rechnen die Berater vor. Nur China übertrifft diesen Wert, in Großbritannien oder Israel registriert die Studie geringere Zuwächse.

Das zeigt einen wachsenden Mut von Konzernen und Geldgebern, langfristig in Zukunftsthemen zu investieren. Denn die oft grundlegenden Entwicklungen von Deep Techs brauchen häufig deutlich länger als die Ideen anderer Start-ups, bis sie als Produkt am Markt auftauchen. Laut BCG-Studie sind es drei bis vier Jahre von der Gründung bis zum Verkaufsstart.