Das in Kassel gegründete Start-up schützt mit seinen Sensoren unter anderem Flughäfen, und Gefängnisse – und bekommt nun frisches Kapital von Investoren.

Es ist eine folgenreiche Jagd nach interessanten Luftaufnahmen: Immer wieder legen Hobby-Drohnen den Flugverkehr an Flughäfen lahm. 125 Behinderungen gab es alleine in Deutschland im vergangenen Jahr – die Deutsche Flugsicherung will deswegen aufrüsten. Seit August werden in Frankfurt und München Systeme getestet, die Drohnen frühzeitig erkennen. Andernorts ist man schon weiter: So haben beispielsweise Airports in Großbritannien nach massiv in Abwehrsysteme investiert, nachdem Ende 2018 in Gatwick nach einer Sichtung etwa tausend Füge gestrichen worden waren.

Vom wachsenden Bewusstsein um die Gefahr der Flugobjekte profitiert neben großen Rüstungskonzernen auch ein deutsch-amerikanisches Start-up: Gegründet 2014 in Kassel, hat sich Dedrone als Spezialist für Luftraumsicherheit einen Namen gemacht. Nach eigenen Angaben Vertrauen 15 Flughäfen weltweit auf die Sensoren des Unternehmens. Zu den Kunden zählen außerdem 50 Gefängnisse, die Schmugglern das Handwerk legen wollen, sowie Unternehmen, die ihre Betriebsgelände schützen wollen.

Finanzierungsrunde über 10,3 Millionen Euro

Nun hat das Start-up – trotz eines Corona-bedingten Wachstumsknicks – frisches Kapital eingesammelt. Auf 10,3 Millionen Euro beläuft sich die Finanzierungsrunde, die der Londoner Wagniskapitalgeber Tempocap angeführt hat. Damit sind seit der Gründung mehr als 35 Millionen Euro in Dedrone geflossen. Bei der letzten Finanzierungsrunde Ende 2018 war der BMW-Eigner Stefan Quandt mit seiner Beteiligungsgesellschaft Aqton bei dem Start-up eingestiegen.

Die Corona-Krise habe man insgesamt gut durchgestanden, sagte Dedrone-Mitgründer Jörg Lamprecht gegenüber WirtschaftsWoche Gründer. Der Markt werde weiter wachsen: „Die Gefahr durch illegale Drohnenaktivitäten wird immer größer und Dedrone hat die Lösung für dieses Problem.“ Das Start-up verkauft zum einen eigene Sensoren, die die Fluggeräte über Radiosignale erkennen und deren Flugrouten verfolgt. Die jüngste Geräte-Generation hat eine Reichweite von bis zu fünf Kilometern. Zum anderen integriert Dedrone in seiner Software Radar- und Kamerasysteme anderer Hersteller.

Wechsel auf dem Chefposten

Größter Markt für Dedrone sind die USA. Deswegen wurde 2016 auch der Firmensitz nach San Francisco verlegt. Niederlassungen gibt es auch nahe Washington D.C., in Columbus, Ohio sowie London. Die Mehrheit der aktuell 90 Mitarbeiter ist aber in Kassel tätig, wo die Produkte entwickelt werden. Mitgründer Lamprecht ist inzwischen aus familiären Gründen wieder nach Deutschland gezogen – und hat die Unternehmensführung an einen externen Manager abgegeben. Der CEO müsse dauerhaft in den USA vor Ort sein. „Mit Aaditya Devarakonda haben wir einen jungen, dynamischen und zielstrebigen Nachfolger gefunden.“

Die Kapitalspritze soll nun außer in die Produktentwicklung in die weitere Expansion fließen. Außerhalb der USA und der EU stehen dem Gründer zufolge dabei Großbritannien, der Nahe Osten und der asiatisch-pazifische Raum im Fokus. Vor einem Jahr hatte sich das Start-up auch mit einem Zukauf verstärkt und die Technologie für einen Drohnen-Störsender von einem US-Forschungsinstitut übernommen. Seither sind sogenannte Jammer, die wie Gewehre auf geortete Drohnen gerichtet werden, im Produktportfolio. Doch auch wenn die Drohnen damit unbeschadet zur Landung gebracht werden können: Der Einsatz ist gesetzlich stark reguliert und in der Regel der Polizei oder dem Militär vorbehalten.

Dass sich Konflikte im Luftraum künftig noch mehren, gilt als sicher. Zum einen verzeichnen Hobbydrohnen weiterhin einen großen Zulauf. Zum anderen nehmen kommerzielle Flüge zu – auch dank Technologie aus Deutschland. So erschließt das Darmstäder Start-up Wingcopter für seine Frachtdrohnen immer mehr Anwendungsfälle. Software für autonome Flüge entwickelt neben anderen Spleenlab aus Thüringen. Bei der Vermittlung manueller Drohnenflüge für Firmen dient sich das Münchener Portal Fairfleet an.