Das Berliner Corporate Health-Start-up macht Unternehmen auf Probleme der Mitarbeiter aufmerksam – und erhält nun eine Finanzspritze zum Ausbau des Angebots.

Hohe Arbeitsintensität, geringer Handlungsspielraum, fehlende soziale Unterstützung, Überstunden, Schichtarbeit, fehlende Wertschätzung – das erlebt ein großer Teil der Deutschen nahezu täglich am Arbeitsplatz. Das Ergebnis: Innerhalb von zehn Jahren ist die Zahl der Krankentage wegen psychischer Probleme  von 48 Millionen im Jahr 2007 auf 107 Millionen im Jahr 2017 angestiegen. Das trifft nicht nur den einzelnen Mitarbeiter, sondern auch das gesamte Unternehmen, denn der wirtschaftliche Schaden ist mit 33,9 Milliarden Euro jährlich enorm.

Umso wichtiger ist es betroffene Unternehmen zum Handeln zu motivieren, sagen Amelie Wiedemann, Daniel Fodor und Henning Jakob. Die drei Berliner haben im Jahr 2017 DearEmployee gegründet. Das Corporate Health-Start-up will mit Hilfe von anonymen Befragungen zu den Arbeitsbedingungen die psychische Belastungen für die Mitarbeiter messen. Sind die auffällig, werden entsprechende Gesundheits- und und Präventionsmaßnahmen für die Beschäftigten empfohlen und der Kontakt zu Experten hergestellt. Diese helfen den Unternehmen dabei die Probleme zu lösen, indem sie Arbeitsprozesse schlanker gestalten, Teamkonflikte lösen oder gesunde Führung in der Unternehmenskultur etablieren.

Investment in siebenstelliger Höhe

Wie nun bekannt wurde, haben der High-Tech-Gründerfonds und das Business Angel-Netzwerk IMPACT51 eine siebenstellige Summe in das Start-up investiert, das sich bisher mit Hilfe von privaten Geldgebern, über das ´Berliner Start-Up Stipendium´ und über frühe Umsätze finanziert hat. “Fast genauso wichtig wie das Geld ist für uns das KnowHow, das wir durch die Investoren erhalten. Sie sind nah an unserer Seit  und wir können bei Bedarf immer Unterstützung anfordern”, sagt die promovierte Gesundheits- und Arbeitspsychologin Amelie Wiedemann gegenüber WirtschaftsWoche Gründer.

Das Geld soll zum Ausbau der Plattform sowie zur Vergrößerung des IT- und Vertriebs-Team eingesetzt werden. Im Zuge der Finanzierungsrunde sei außerdem ab Mitte 2020 eine Expansion in weitere europäische Märkte und in die USA geplant, so Wiedemann. Seit  September ist DearEmployee bereits in der Schweiz aktiv. Eigenen Angaben zufolge hat DearEmployee mehr als 90 Unternehmenskunden aus verschiedenen Branchen  – von Start-ups bis hin zu Dax-Konzernen aus den Bereichen Behörden, Bildung, Handel, Banken und Produktionsunternehmen.