Die Regeln greifen zudem in eine Kapitalanlage-Möglichkeit ein, die zwar ein hohes Risiko mit sich bringt, aber trotzdem bisher wenig Ausfälle vorweist. Wie die Oldenburger Studie zeigt, gingen zwischen 2011 und 2014 gerade einmal acht crowdfinanzierte Start-ups unter. Das sind verhältnismäßig wenige Ausfälle: Mit etwas mehr als 1,2 Millionen Euro machen sie gerade einmal rund 5,4 Prozent des gesamten Finanzierungsvolumens bei Crowdinvesting aus.

Crowdfunding-Experten lehnen das Kleinanlegerschutzgesetz allerdings nicht an sich ab, sie begrüßen sogar bessere Transparenz und Anlegerschutz. Doch sie fordern, die Bedingungen zu beachten, unter denen Crowdinvesting funktioniert. „Natürlich muss die Branche vor unseriösen Anbietern geschützt werden, die das Marktmodell ausnutzen, aber ich denke, dass dies auch mit anderen Regulierungen möglich wäre“, sagt Michel Harms. Es müsse Regeln geben, um Missbrauch vorzubeugen, aber diese müssten eng mit der Branche abgesprochen werden, damit sie nicht zu sehr darunter leide. Ähnlich sieht das auch Schubert. „Auf der einen Seite stehen die Verbraucher, die natürlich geschützt werden müssen, aber auf der anderen Seite sind eben Startups, die finanziert werden wollen. Ich denke die Interessenlage könnte man auch durch eine intelligente Gesetzgebung beiderseitig zufriedenstellend erfüllen““, so der Projektmanager.

Trotz der Kritik von vielen Seiten – denn auch die Verbraucherschützer zeigen sich nicht gänzlich zufrieden mit dem Gesetzentwurf – soll das Kleinanlegerschutzgesetz voraussichtlich im Frühjahr, spätestens aber bis zum Sommer, 2015 umgesetzt sein. Die Experten der Crowdfunding-Szene sehen diesen Aussichten mit gemischten Gefühlen entgegen. Der Bundesverband Deutsche Start-ups urteilt: „Die Regulierung des Crowdfundings im vorliegenden Gesetzentwurf führt nicht zu einem Ende des Crowdfundings in Deutschland, behindert es jedoch erheblich“, heißt es im Statement zum Kleinanlegerschutzgesetz.

Auch Harms fürchtet einen Dämpfer für die dynamische Entwicklung der Finnzierungsmethode. Kleine, wenig professionelle Crowdinvesting-Plattformen und -Kampagnen würden seltener, große professionelle Projekte wichtiger. Am Ende könnte es dadurch dann nicht nur noch eine Frage der guten Idee und der Schwarmunterstützung, sondern zudem eine Frage des Geldes sein: Nur, wer sich Professionalität schon vor Kampagnenstart leisten kann, könnte die Crowd dann um finanzielle Unterstützung bitten.

Der Bundesverband Deutscher Start-ups rechnet auch deshalb mit dem Schlimmsten. Sollten die Regulierungen so in Kraft treten, wie bisher geplant, sei nicht absehbar wie sehr sie neue Crowdinvesting-Kampagnen verzögern könnten. „Ein komplettes Verschwinden des Crowdfundings ist nicht ausgeschlossen“, warnt der Verband.