Ein weiterer Aspekt, der insbesondere die Social-Media-Idee des Crowdinvestings gefährdet, ist die sogenannte „Beschränkung von Werbung für Graumarktprodukte“. Der Gesetzentwurf sieht vor, dass in Zukunft Werbung für Vermögensanlagen im öffentlichen Raum wie etwa durch Plakate an Bus- und Bahnhaltestellen verboten werden. Dieser Ansatz zielt auf die zwielichtigen Methoden Prokons ab: Die Pleite-Firma hatte auf ihre Angebote unter anderem mit Aufklebern in U-Bahnen aufmerksam gemacht sowie teils sogar mit Werbespots vor der „Tagesschau“. Auch deshalb soll Werbung in den Medien deutliche Warnhinweise auf die Verlustrisiken beinhalten. Diese Regulierung könnte das gesamte Online-Marketing der Crowdfunding-Plattformen sprengen. Streng ausgelegt würden etwa Facebook-Aktionen für Crowdinvesting-Startups quasi unmöglich. Am Ende dürfte es zwar Intepretationssache sein. Wie das am Ende in der Realität gehandhabt wird, ist derzeit aber nicht absehbar. Der Bundesverband Deutscher Start-ups fordert deshalb das Online-Marketing der Crowdfunding-Plattformen von der Werbebeschränkung zu befreien.

Ein Problem gibt es auch für Investoren – in Form des Vermögensanlagen-Informationsblatts (VIB). Dieses wird dann notwendig, wenn ein Anleger mehr als 250 Euro investiert – beim Crowdfunding keine Seltenheit. Die Hürde des VIB: Der Anleger muss es unterschrieben zurücksenden – im ursprünglichen Entwurf per Post, jetzt soll es zumindest eingescannt per E-Mail möglich werden. Trotzdem: Eine altmodische und umständliche Methode, kritisiert der Bundesverband Deutsche Start-ups. Denn während sich der Anleger über das Projekt, die Macher und die Möglichkeiten komplett online informiert und auch online per Mausklick investiert, muss er am Schluss Drucker, Stift und Papier nutzen, um tatsächlich aktiv werden zu können.

Der Bundesverband bezeichnet dies als „Medienbruch“. „Warum sollte ich für eine 250-Euro-Anlage extra eine Unterschrift ableisten und mir diesen Aufwand antun?“, fragt Schubert. Auch Michel Harms sieht darin ein Problem: „Es macht Sinn einen Gedanken-Stopper zu haben, um die Verbraucher vo unüberlegten Impuls-Investments zu schützen, aber dies könnte auch online stattfinden.“ Der Gründer von crowdfunding.de unterstützt die Idee, die von verschiedenen Crowdfunding-Anhängern vorgeschlagen wurde: Wer Geld investiere, könne etwa nach 24 Stunden eine weitere E-Mail bekommen, mit der er den Kauf erneut bestätigen müsse, bevor er dann endgültig rechtskräftig würde. „Alles, was online machbar ist, wäre in Ordnung“, so Schubert. „In dem Moment, in dem ich einen Drucker brauche, wird das ganze Projekt umständlich und uninteressant.“