Kapital für neue Ideen: Konzerne setzen immer stärker auf Start-up-Beteiligungen, zeigt eine Studie. Um das richtige Format ringen die Firmen dabei oft lange.

Die Strategen sitzen immer häufiger bei Start-up-Deals mit am Tisch. Darauf deuten zumindest die Ergebnisse des Corporate Venturing Reports hin, der im Auftrag des Telefónica-Accelerators Wayra Deutschland aufgelegt wurde. Laut der Studie waren sogenannte Corporate-Venture-Capital-Gesellschaften, die vor allem im Auftrag eines Unternehmens investieren, im vergangenen Jahr an 23 Prozent aller weltweiten Start-up-Investitionen beteiligt.

Diese Investoren kommen oft mit einem anderen Interesse an Bord als traditionelle Venture-Capital-Gesellschaften: Denen geht es um eine schnelle Vervielfachung des Firmenwertes und einen möglichst lukrativen Ausstieg bei einem Börsengang oder über einen Verkauf. Die Konzern-Geldgeber investieren dagegen häufig in Ideen, die strategisch zum heutigen oder künftigen Geschäftsmodell des Unternehmens passen. Aus der Start-up-Perspektive bringen sie häufig einen längeren Atem mit und öffnen viele Türen für Kunden – fordern im Gegenzug aber immer wieder auch eine gewisse Exklusivität ein, die Konkurrenzunternehmen als Kunden ausschließen können.

Viele Beteiligungen, wenig Exits

Das zeigt sich auch in den Daten des aktuellen Reports (der hier als PDF heruntergeladen werden kann). Als „engagiert“ identifizieren die Studienautoren die 166 Risikokapitalgeber, die sich in den vergangenen fünf Jahren an mehr als 20 Start-ups beteiligt haben. Mehr als die Hälfte dieser Investoren hat über die Zeit ihres gesamten Bestehens zwischen null und maximal 20 Exits ihrer Beteiligungen begleitet.

Viele der Beteiligungsarme wollen Produkt, Geschäftsmodell oder Team eines jungen Digitalunternehmens über kurz oder lang enger an das eigene Unternehmen binden. Es gehe nicht darum, an möglichen Exits zu verdienen oder um die Hoffnung, festgefahrene Strukturen agiler zu machen, sagt Katrin Bacic, Head of Venture Development bei Wayra Deutschland: „Sondern darum, Start-ups als wertvolle Quelle für Innovation zu nutzen.“

Viele deutsche Konzerne mischen mit

Die Zahl der Corporate-Venture-Einheiten wächst dabei stetig. Allein im vergangenen Jahr zählt der Report weltweit mehr als 260 Neugründungen. Besonders in Asien nehme die Dynamik und die Finanzkraft der Konzerne dabei deutlich zu, attestieren die Studienautoren.

Deutschland ist jedoch – noch – stark vertreten. Bei der Anzahl der weltweiten Corporate-Venture-Gesellschaften stellen deutsche Unternehmen acht Prozent aller Investoren. Das bedeutet mit weitem Abstand hinter den USA, aber noch vor Japan, China und Großbritannien den zweiten Platz.

Unter den „engagierten“ Konzerngeldgebern finden sich daher auch eine ganze Reihe deutscher Vertreter: Etwa Deutsche Telekom Capital Partners, die mittlerweile auch externes Kapital einwerben. Oder der Beteiligungsarm von Bosch, der in diesem Frühjahr mit frischen 200 Millionen ausgestattet wurde. Auch Tengelmann, BMW, Merck, Eon oder Evonik investieren regelmäßig in neue Ideen.

Kniffelige Suche nach dem passenden Format

Immer wieder schrauben die Konzerngeldgeber dabei jedoch an den passenden Formaten für ihre Beteiligungsarme. „Nur sehr wenige der Unternehmensprogramme sind wirklich erfolgreich“, sagt auch Bacic. Ein erster erfolgsversprechender Schritt sei es laut ihrer Einschätzung, darauf hinzuwirken, dass „Unternehmen zu Kunden der Start-ups“ werden.

Studien-Initiator Wayra ist diesen Weg gegangen. Seit zwei Jahren investiert das Programm nicht mehr ausschließlich finanziell in Start-ups, sondern setzt im ersten Schritt ein gemeinsames und bezahltes Projekt auf – daraus kann dann auch eine Beteiligung entstehen. So ist früher im Kooperationsprozess eine direkte Verbindung zum Mutterkonzern gegeben. Die Allianz beschreitet einen umgekehrten Weg und hatte sich vom Company Builder zum satt finanzierten Investor umgebaut. Sollten Konzerne in der näheren Zukunft finanziell in Schwierigkeiten geraten, dürfte der Fokus vieler Beteiligungsarme wieder deutlich enger gefasst werden – statt vager Wetten auf die Zukunft gewinnen dann konkrete Lösungsansätze stärker an Bedeutung.