Das Start-up organisiert Architekten und Ingenieure für Bauprojekte. Das soll die Kommunikation bei Neu- und Umbauten vereinfachen. Ein britischer Risikokapitalgeber stützt das junge Unternehmen jetzt.

Aus einer Scheune wird ein Wohnhaus, ein Holzanbau soll ein Einfamilienhaus verschönern, eine Villa entsteht gar komplett neu: Mehr als 1000 Bauprojekte hat das 2018 gegründete Start-up Construyo bereits betreut. Die Berliner bieten sich dabei privaten und gewerblichen Bauherren als digitaler Projektleiter an. Sie suchen in ihrem Netzwerk nach Ingenieuren und Architekten mit Know-how und freien Kapazitäten – und werben damit, das Vorhaben so schneller und effizienter abzuwickeln. Ob Entwurf, Statik, Isolierung oder Ausführung: „Wir stehen für das Projekt ein“, sagt Mitgründer Leonhard Jeub.

Damit arbeitet sich das Start-up in einer Boom-Branche vor: Die Nachfrage nach Immobilen bleibt sogar in der Krise hoch – gleichzeitig mangelt es in vielen Regionen massiv an Fachkräften. Bislang müssen sich Bauherren meistens auf persönliche Empfehlungen verlassen, wenn sie helfende Hände benötigen. „Dadurch ist man auf das Netzwerk eines einzelnen angewiesen“, sagt Jeub. Construyo will mit seinen aktuell 150 Partnern breiter aufgestellt sein: „Von außen betrachtet sind wir eine Ingenieursgemeinschaft“, sagt Jeub, „wir unterscheiden uns vor allem durch die Größe und den Grad an Digitalisierung.“

Schneller zu neuen Aufträgen

Nach eigenen Angaben sucht das Start-up auch über Kontakte mit Architektenkammern und Verbänden nach weiteren Planern. Viele von denen sind gut gebucht. Die Construyo-Gründer sind naturgemäß dennoch überzeugt, dass sich die Zusammenarbeit mit ihrer Plattform lohnt. „Für die geht viel Zeit für die Akquise und Validierung von neuen Projekten drauf“, sagt Mitgründer Fabian Müller. Zum einen verhilft das Start-up den Experten schneller zu weiteren Aufträgen, Zum anderen, so das Versprechen, will die Plattform die Kommunikation unter den Gewerken vereinfachen.

Auf einen Aufhol-Effekt bei der Digitalisierung in der Immobilienbranche setzen auch andere Start-ups. Planradar wirbt damit, dass bereits über 25.000 Immobilienprojekte mit der Software betreut werden – im Fokus steht hier das Gebäudemanagement, das Mängel einfach dokumentieren und abarbeiten kann. Capmo aus München positioniert sich Betriebssystem für Baustellen und will vor allem dann helfen, wenn die Bagger tatsächlich schon rollen. Als Vermittler bei ganz konkreten Umbaumaßnahmen steht Aroundhome parat, hier werden Handwerker und Fachfirmen mit Privatkunden zusammengebracht.

Projektmanagement-Software im Fokus

Construyo wurde bislang bereits von privaten Investoren unterstützt. Jetzt beteiligt sich der britische Risikokapitalgeber Talis Capital mit zwei Millionen Euro an dem Start-up. Das Start-up habe einen „bahnbrechenden Service für die Baubranche entwickelt“, lobt Investment-Managerin Beatrice Aliprandi.  Aktuell verdient Construyo Geld durch die Projektsumme – von der zuerst natürlich die Fachleute bezahlt werden müssen.

Mit der Projektmanagement-Software will sich das Start-up weiter absetzen. Über die Plattform sollen alle beteiligten Fachleute die Unterlagen einsehen, Arbeitsschritte eintragen und Zahlungsziele erkennen können.  Die Software soll langfristig auch als eigenständige Lösung den Architekten angeboten werden. „Architekten haben sehr früh mit digitalen Tools gearbeitet“, sagt Müller. „Aber wenn es um die Vernetzung mit den Bauherren geht, dann war schnell Schluss.“