Die Corona-Krise sorgte für einen gewaltigen Umsatzeinbruch bei Comtravo. Dennoch sind die Gründer zuversichtlich – und kaufen sogar zu. 

Die Entscheidung zur Übernahme von BTO24 hatten Michael Riegel und seine beiden Co-Gründer Jannik Wässa und Marko Schilde bereits Anfang des Jahres getroffen. „Die Akquisition sollte unser bisheriges Wachstum durch die Erschließung neuer Vertriebskanäle verstärken und wir wollten von dem tiefen Branchen-Know-how von BTO24 profitieren“, sagt der Comtravo-Geschäftsführer zu WirtschaftsWoche Gründer. Seit 2015 bietet das Berliner Start-up eine Software an, über die Angestellte ihre Tickets für Geschäftsreisen buchen können, via Selbstbuchungs-Tool, E-Mail oder Callcenter.

Dann kam die Corona-Krise, und mit ihr die große Unsicherheit in dem Geschäft mit der Mobilität: „Wir hatten die Option, die Übernahme abzusagen – zu einem Zeitpunkt, an dem die Folgen von Corona schon zu einem Großteil absehbar waren“, erinnert sich Riegel. „Trotz eines Umsatzeinbruchs von 80 Prozent haben wir uns für den Kauf entschieden, weil wir sicher sind, dass sich die Branche langfristig wieder erholt“, so Riegel. Auch wenn einige Unternehmen – in den Sektoren, in denen es möglich sei – zukünftig verstärkt auf eine virtuelle Meetingkultur setzten, werde es Geschäftsreisen auch in Zukunft geben.

Geschäftsreisen als Millardenmarkt

Für die Entscheidung von Riegel und seinen Mitgründern sprechen die Zahlen – auch, wenn sie aus der Zeit vor Corona stammen: So sind die Ausgaben für Geschäftsreisen in den vergangenen zehn Jahren stark gestiegen – um mehr als 30 Prozent. 2018 gaben deutsche Unternehmen dafür mit 53,5 Milliarden Euro so viel Geld aus wie nie zuvor. 

Comtravo will die bisher größtenteils analog stattfindenden Buchungsprozesse digitalisieren und dank des Einsatzes von künstlicher Intelligenz und einer eigenen Plattform einfacher, schneller und kostengünstiger machen. Zahlreiche renommierte Investoren, wie Microsofts Venture Fund M12, Endeit Capital und Project A, haben in der Vergangenheit auf dieses Konzept gesetzt und zuletzt im Januar dieses Jahres neun Millionen in das Start-up gesteckt.

Geld, das auch die Übernahme von BTO24 möglich machte. Wie viel genau das 2000 gegründete unabhängige Geschäftsreisebüro mit Standorten in Hamburg und Berlin und Kunden wie Wall, Pentax oder Steinway & Sons, genau wert ist, hänge von den erzielten Ergebnissen im ersten Jahr nach der Übernahme ab, so Michael Riegel.

Konsolidierung erwartet

Im Zuge der Fusion bleiben beide Standorte von BTO24 in Hamburg und Berlin erhalten, neben den Mitarbeitern wird auch die bisherige Geschäftsführung bleiben. Eigenen Angaben zufolge konnte Comtravo in den vergangenen zwölf Monaten ein Wachstum von 300 Prozent vorweisen und seinen Kundenstamm, zu dem unter anderem mittelständische Unternehmen wie TLG, Thomas Henry oder die Nagel Group gehören, auf über 1000 Unternehmen vergrößern. Ob die Anzahl der Kunden stabil bleibt, muss sich in den kommenden Monaten zeigen.

Die Corona-Krise jedenfalls werde die Karten neu mischen, da ist sich der Geschäftsführer sicher: „Ich gehe davon aus, dass das Geschäfts-Reisevolumen – auch nachdem Reiseverbote wieder aufgehoben werden – auf Grund von veränderten Angeboten von Fluggesellschaften sowie einer weltweiten Rezession, langfristig um zirka 20 Prozent geringer sein wird“, so Riegel. Die Folge sei eine weitere Konsolidierung des Geschäftsreisemarktes.