Das Start-up aus „Die Höhle der Löwen“ will Fans zu Kommentatoren machen. Im Interview spricht der Gründer über seine Pläne.

Als Unternehmer sind Gisbert Wundram und Bendix Eisermann schon länger tätig: 2008 haben sie aus einer Sportmedien-Agentur heraus den in Hamburg ansässigen Pay-TV-Sender Sportdigital gegründet. Mit ihrem Spin-Off Commentaro wollen sie sich ein zweites Standbein aufbauen. Auf der Webseite oder über die zugehörigen Smartphone-App können sich Nutzer in kurzen Clips als Sport-Kommentatoren probieren und die Versuche anderer bewerten.

Mit großen Hoffnungen haben die Gründer im vergangenen April an der Vox-Gründershow „Die Höhle der Löwen“ teilgenommen, ausgestrahlt wurde ihr Pitch am Dienstagabend. Im Interview mit WirtschaftsWoche Gründer spricht Wundram darüber, warum er besonders bei einem Juror Interesse wecken wollte und wie es mit der 2018 gestarteten Plattform weitergehen soll.

Herr Wundram, bei „Die Höhle der Löwen“ sind oft junge Gründer oder Einzelerfinder zu sehen. Haben Sie als erfahrener Unternehmer sich dort nicht fehl am Platz gefühlt?
Nein, überhaupt nicht. Es ist zwar richtig, dass ich mit Sportdigital schon länger als Unternehmer tätig bin. Aber Commentaro ist tatsächlich als eigenständiges Start-up angelegt – und da bietet die Sendung wie für jeden anderen Gründer auch eine riesige Chance. Die Löwen besitzen einen sehr großen Erfahrungsschatz. Entsprechend wertvoll ist das Feedback, das man dort bekommt.

Einen Deal haben Sie in der Sendung nicht abschließen können. Sind Sie enttäuscht aus der Aufzeichnung rausgegangen?
Uns war klar, dass unser Thema sehr speziell ist. Der Kreis der Löwen, die überhaupt in Frage kommen, war begrenzt. Wir haben unseren Pitch auf Georg Kofler zugeschnitten. Mit seinem Netzwerk im Mediengeschäft wäre er natürlich ein idealer Partner gewesen. Leider haben wir es nicht geschafft, ihn zu überzeugen.

Die meisten Löwen fanden die Idee witzig, waren aber skeptisch, dass sich die Plattform durchsetzen kann. Wenn man sich aktuell auf der Seite umguckt, hat man das Gefühl, dass sie nicht besonders stark frequentiert ist. Wie steht es um die Nutzerzahlen?
Wir haben derzeit 5.000 aktive Nutzer. Das ist eine gute Basis, aber natürlich wünschen wir uns, dass es sehr viel mehr werden. Bisher haben wir aber auch wenig Geld in Werbung gesteckt – entsprechend ist die Seite vielen gar nicht bekannt. Auch das ist ein Grund dafür, warum wir einen Investor suchen.

User können aktuell vor allem Clips aus ausländischen Fußball-Ligen kommentieren. Fehlen nicht einfach publikumswirksamere Inhalte? Während der letzten Fußball-WM hatte das ZDF mit „Be Belá“ ein ähnliches Angebot in seiner App, das offenbar gut angenommen wurde.
Tatsächlich hat „Be Belá“ gezeigt, dass das Grund-Konzept enormes Potenzial hat. Unser Ziel ist es, über Kooperationen Premium-Inhalte etwa aus der Bundesliga oder aus der DFB-Nationalmannschaft auf die Seite zu holen. Aktuell bedienen wir uns in erster Linie aus den Inhalten, für die wir bei Sportdigital Lizenzen erworben haben.

Mit welchen Argumenten locken sie mögliche Kooperationspartner?
Für die Rechteinhaber liegt darin eine große Chance, die Interaktion mit Nutzern zu stärken und Reichweiten zu erhöhen. Im vergangenen Jahr haben wir bereits mit Sport1 im Bereich E-Sports kooperiert. Da ging es darum, Kommentatoren für den neuen Pay-TV-Kanal eSports1 zu rekrutieren. Tatsächlich ist es gelungen, über Commentaro zwei neue Kommentatoren zu finden. Wir hatten in der Zeit auch sehr gute Abrufzahlen. Diesen Ansatz wollen wir weiter ausbauen.

Was planen Sie konkret?
Wir haben bereits ein Casting-Format entwickelt, das wir derzeit größeren TV-Produktionsfirmen und -Sendern anbieten. Die Idee ist, dass dort Hobby-Kommentatoren von Profis gecoacht werden und gegeneinander antreten. Außerdem gibt es mit Commentaro 2.0 eine fertige technische Lösung, die es erlaubt, Events auch live zu kommentieren. Als Zuschauer könnte man so beispielsweise ein Fußballspiel bei Sky oder DAZN verfolgen und über ein zweites Gerät die Kommentierungen von anderen Nutzern streamen. Gerade jetzt in der Corona-Krise zeigt sich, dass Fan-Engagement neu gedacht werden muss. Es ist aktuell ja gar nicht absehbar, wann Fans im Stadion wieder zusammenkommen können.

Erstmal führt die Pandemie aber dazu, dass Sportereignisse komplett abgesagt werden. Was bedeutet das für Ihr Geschäft bei Sportdigital?
Von den 15 internationalen Fußball-Wettbewerben, die wir im Pay TV übertragen, ist gerade auch der letzte pausiert worden. Die Auswirkungen auf das Sportrechte-Geschäft sind gerade noch nicht abzusehen, klar ist aber, dass das den Markt verändern wird. Wir füllen unser Programm aus dem Archiv – wir haben einen riesigen Fundus an spannenden und skurrilen Spielen. Das wird momentan auch sehr gut angenommen.

Bei Commentaro sind Sie und Ihr Geschäftspartner bislang die Alleingesellschafter. Wieviel Zeit geben Sie der Plattform, wirtschaftlich auf eigenen Beinen zu stehen?
Wir werden Commentaro so viel Zeit geben, wie nötig ist. Von der Idee sind wir nach wie vor zu hundert Prozent überzeugt. Wir haben gerade erst Werbeaktivitäten gestartet, um mehr Aufmerksamkeit auf uns zu lenken. Natürlich hoffen wir, dass auch die Ausstrahlung von „Die Höhle der Löwen“ nun einen positiven Effekt hat.

Vielen Dank für das Gespräch.