Das Start-up vernetzt Mitarbeiter und Coaches via Videotelefonie. Das soll mehr Angestellten den Zugang zu Job-Begleitern ermöglichen. Geldgeber stellen jetzt sechs Millionen Euro bereit.

Wie motiviere ich meine Mitarbeiter? Wie stärke ich mein Selbstbewusstsein im Job? Coaches helfen bei der Beantwortung solcher Fragen. Das Berliner Start-up Coachhub will diesen Austausch über eine digitale Plattform vereinfachen. Eine Reihe von namhaften Investoren stellt dem im Sommer 2018 gestarteten Unternehmen dafür jetzt sechs Millionen Euro Risikokapital zur Verfügung.

Der digitale Markt der beruflichen Weiterbildung boomt. Mit Plattformen wie Masterplan oder Online-Unis wie Udacity wollen die Unternehmen ihre Mitarbeiter weiterqualifzieren – oder ihnen zumindest einen attraktiven Mehrwert bieten. Mit dem Coaching hat sich Coachhub nun einen besonders komplexen Bereich ausgesucht: Es handelt sich um einen kostspieligen und höchst individuellen Eins-zu-Eins-Austausch. Die Chemie zwischen beiden Beteiligten muss daher unbedingt stimmen. Ein Algorithmus soll den Nutzern die passenden Coaches vorschlagen, durch eine Videoplattform soll der persönliche Austausch gelingen.

Coaching für die Fach- und Führungskraft

„Unser Ansatz ist es, das Thema breiter in die Organisationen zu tragen“, sagt Mitgründer Matti Niebelschütz im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer. Die Idee: Weil über die virtuelle Vernetzung unkomplizierter Termine gebucht und verwaltet werden können, sinken die Kosten pro einzelner Stunde. So beschränkt sich der Kreis der Gecoachten nicht mehr auf die alleroberste Führungsebene. Auch Abteilungsleiterinnen oder Teamchefs können sich so regelmäßig kurzes Feedback zu ihrem Auftreten holen.

Unternehmen wie Hellofresh, Bosch oder Soundcloud setzen bereits auf das junge Unternehmen. „Es entsteht eine neue Offenheit für professionelles Business Coaching, dass auch auf diesem  modernen Weg sehr gut umsetzbar ist“, sagt Christian Milewski, zuständig für die Personalentwicklung beim Versicherer Generali Deutschland. „Wir haben bereits erste Kunden, die das all ihren Mitarbeitern zugänglich machen wollen“, sagt Niebelschütz.

Das Geschäftsmodell dahinter beschreibt der erfahrene Gründer, der mit seinem Bruder Yannis die Geschäfte leitet, als „Coaching-as-a-Service“. Die Unternehmen schließen umfangreiche Verträge mit Coachhub ab – das Start-up sucht und bezahlt dann die freiberuflichen Berater. Im ersten Schritt habe man nur die technische Plattform für den Austausch bauen wollen, berichtet Niebelschütz. Doch für viele Personalverantwortliche sei der Aufbau eines Pools von Coaches aufwendige Arbeit. Darum tritt das Start-up nun als kompletter Anbieter der Weiterbildungspakete auf.

Komplizierte Suche nach guten Helfern

Eine Schwierigkeit: Weil die Berufsbezeichnung nicht geschützt ist, ist die Auswahl des passenden Coaches nicht einfach. Coachhub kooperiert dafür unter anderem mit der Berufsvereinigung International Coach Federation in Deutschland. 300 Coaches befinden sich aktuell in der Datenbank des Start-ups. Der Austausch findet überwiegend in deutsch oder englisch statt – und wird überwiegend von europäischen Firmen gebucht. Mit deren Standorten weltweit will das Start-up mit aktuell 50 Mitarbeitern jedoch mitwachsen. Ein Teil des Kapitals soll daher nun helfen, mehr Berater weltweit zu gewinnen.

Die Investoren setzen auf einen wachsenden Markt. Die Nachfrage nach individualisierten Coachings sei riesig, sagt David Kuczek, General Partner des Neu-Investors HV Holtzbrink Ventures. Der Berliner Risikokapitalgeber setzt einen Schwerpunkt auf Themen der beruflichen und privaten Weiterentwicklung: HV ist auch bei dem Kölner Start-up Gedankentanken eingestiegen, wie Deutsche-Startups.de kürzlich berichtete. Dabenen fließt auch Geld von der weltweit aufgestellten Venture-Capital-Gesellschaft Partech sowie Speedinvest, die über einen speziell auf europäische Start-ups ausgerichteten Fonds investieren.