Das Bielefelder Start-up will Unternehmen helfen, ihre Produkte einfacher an Kunden zu vermieten. Erste Geldgeber hoffen auf das Potenzial der Kreislaufwirtschaft.

Die Geschichte von Circuly beginnt mit gut 50 Kinderwagen: Die hatte Nick Huijs angeschafft, um sie dann zu verleihen. Victoria Erdbrügger hingegen spielte mit einer Freundin die Idee durch, mobile Extra-Akkus für Smartphone zu vermieten. In einem Gründer-Kompaktkurs des ostwestfälischen Start-up-Knotenpunkts Founders Foundation in Bielefeld kamen die beiden dann ins Gespräch – und stießen auf einen gemeinsamen Kern für ein neues Digitalunternehmen.

Circuly, das Ende 2019 gegründet wurde, will eine Art Betriebssystem für Unternehmen erstellen, die ihre Produkte ihren Kunden für eine bestimmte Zeit zur Verfügung stellen wollen: „Bei digitalen Produkten ist die Vermietung schon weit fortgeschritten, bei physischen Gütern sieht das noch anders aus“, sagt Erdbrügger.

Start-ups treiben die Sharing-Economy voran

Zahlreiche Start-ups setzen dabei schon voll auf eine Sharing-Economy: Sei es Elektronikvermieter Grover, Fahrradverleiher Swapfiets oder eine Armada an Scooter-Anbietern. Doch viele andere Unternehmen, so kalkulieren die Circuly-Gründer, denken über ein solches Modell nach – suchen aber nach hilfreicher Software. „Das Produkt muss zum Nutzer kommen, kann zwischendrin kaputt gehen – und muss am Ende wieder zum Unternehmen zurück“, beschreibt Erdbrügger einige der Herausforderungen für die Datenverwaltung.

Das erste Modul des Start-ups, das aktuell in der Testphase steckt, ermöglicht den Überblick über Ort, Zustand und Nutzungsdauer eines vermieteten Produkts. In Zukunft könnten dann auch Nutzungsdaten verraten, wie viel Geld pro Mietvorgang zusammenkommt und wie es um die Abnutzung bestellt ist. Irgendwann, so Erdbrügger, könnten diese Infos dann auch dabei helfen, die nächste Produktgeneration passender für die Vermietung zu entwickeln. Angedockt wird die Software dabei an die Kundemanagement- oder Webshop-Systeme der Unternehmen.

Mehr Kundenkontakt, mehr Nachhaltigkeit

Bei vielen Verbrauchern kommt eine Verleih-Option gut an: „Die Kunden wollen nicht mehr besitzen, sie wollen die Produkte für die Zeit benutzen, in der sie sie brauchen“, sagt Erdbrügger. Für Firmen lohne sich eine Vermietung ihrer Produkte aber auch aus anderen Motiven, so die Gründerin: „Unternehmen erhalten so den Zugang zu einem komplett neuen Markt – und haben über die Zeit der Verleihe viel mehr Kontakt zum Kunden“. Zahlreiche große Konzerne erprobten in den letzten Jahre solche Konzepte: Ikea testete im vergangenen Jahr die Möbel-Vermietung, auch Lautsprecher-Hersteller Sonos bietet ein solches Flex-Angebot.

Zudem hofft das junge Team auch auf Nachhaltigkeit als Treiber: Wenn Produkte nicht mehr gekauft und dann ersetzt werden, kann sich häufig deren Lebensdauer verlängern. Unter dem Oberbegriff der Kreislaufwirtschaft, in englisch Circular Economy, bieten auch andere Start-ups Lösungen an. Auf die Macht dieser Entwicklung setzen jetzt auch die ersten Investoren von Circuly.

Der Kölner Risikokapitalgeber Venista Ventures, der unter anderem an Pinkbus beteiligt ist, sowie Grünspar-Mitgründer Sebastian Kotzwander und Datapine-Mitgründer Jakob Rehermann stellen gemeinsam eine niedrige sechsstellige Summe zur Verfügung. Die ermöglicht es dem aktuell sechsköpfigen Team nun, mit den ersten Testkunden genau zu gucken, welche Funktionen wichtig sind. „Es gibt keine Software, die das Verleihen branchenübergreifend umsetzen kann“, ist Erdbrügger überzeugt. Geld verdienen will das junge Unternehmen dann selbst mit dem klassischen Modell für Miet-Software: Zu einer monatlichen Lizenzgebühr kommt eine Beteiligung an jeder Transaktion dazu, die mit Circuly abgewickelt wird.