Mit seiner Cloud-Software treibt das Potsdamer Start-up die Automatisierung im Marketing voran. Erste Geldgelber glauben an die Vision.

Von der Schriftart, über die Bildsprache bis zum Farbton: Große Unternehmen sind darauf bedacht, sich auf allen Kanälen und in allen Märkten in einem einheitlichen Design zu präsentieren. Für Marketing-Verantwortliche und beauftragte Agenturen bedeutet das einen immensen Aufwand. Sie müssen die passenden Vorlagen aus Datenbanken fischen und in ihre Dokumente einpflegen. Drei Milliarden Euro jährlich, so schätzt Andreas Michalski, geben Unternehmen alleine in Deutschland für entsprechende Agenturleistungen aus. Mit seinem Start-up CI Hub will Michalski viele bisher manuell Schritte überflüssig machen.

„In der gestalteten Kommunikation geht es immer daran, Regeln zu befolgen – und das lässt sich mit Künstlicher Intelligenz automatisieren“, ist der Gründer überzeugt. Seine Vision: Erstellt beispielsweise ein Vertriebsmitarbeiter vor Ort eine Präsentation, werden ihm künftig direkt in Powerpoint passende Bilder vorgeschlagen. Zieht er ein Foto in das Dokument, werden automatisch die aktuellen technischen Daten zum Produkt und Preise ergänzt. Möglich machen soll das eine Software, die relevante Informationen aus anderen Programmen zusammenträgt – und die über sogenannte Plugins direkt an Anwendungen wie Powerpoint oder Abobe Indesign andockt.

Siebenstellige Finanzierungsrunde

Um die ambitionierten Pläne vorantreiben zu können, haben Michalski und sein beiden Mitgründer Jörg Seidler und Jasper Ullrich gerade Geld von Investoren eingesammelt: In einer siebenstelligen Finanzierungsrunde sind der High-Tech-Gründerfonds, Brandenburg Kapital – eine Tochter der Brandenburger Förderbank ILB – die von Unternehmer Ulrich Urban gegründete Beteiligungsgesellschaft R.O.I. und der Business Angel Club Berlin-Brandenburg bei dem Start-up eingestiegen. Bisher hatten die Gründer das Unternehmen aus eigenen Mitteln finanziert.

“Die Investoren bringen ein hervorragendes Netzwerk mit, das uns beispielweise beim Recruiting zugutekommen wird“, sagt Michalski. Bei der Suche nach Geldgebern habe geholfen, dass die drei Gründer keine Branchen-Neulinge sind: Michalski hatte vorher mit Ibrams eine Firma ausgebaut, mit deren Software sich digitale Inhalte rund um das Unternehmens-Design verwalten und je nach Zweck anpassen lassen. 2016 verkaufte er Ibrams dann an einen französischen Anbieter. Seidler betreute bei Ibrams Großkunden, Ullrich arbeitete als Entwickler bereits an Erweiterungen für die Gestaltungssoftware Adobe Indesign.

Marktstart mit abgespeckter Version

Gestartet ist CI Hub mit der Entwicklung der Plugins, über die Automatisierungen später ihren Weg zu den Nutzern finden sollen. Die Arbeit erleichtern können sie nach Überzeugung des Gründer-Trios bereits jetzt: Sie ermöglichen es, direkt aus Endanwendungen heraus auf Inhalte aus Online-Speicherdiensten und Foto-Plattformen zuzugreifen. „Die Assets sind nun nicht nur irgendwo zentral abgelegt, sondern genau dort verfügbar, wo man sie braucht“, sagt Michalski. Unterstützt werden aktuell knapp zehn Dienste, weitere sollen bald folgen – darunter auch die Office-Programme von Microsoft.

Vermarktet wird die Software seit Januar, angeboten werden verschiedene Abo-Modelle. Zwar bieten auch Plattformbetreiber und Anbieter von sogenannter Digital-Asset-Management-Software bereits Erweiterungen für andere Programme an. Aus Sicht Michalskis führt das aber zu einem Wildwuchs an Plugins, die alle eingerichtet und gewartet werden müssen. Zudem sei der Funktionsumfang stark beschränkt. „Als Spezialisten für dieses Gebiet sehen wir uns da klar im Vorteil“, sagt der Gründer. Erste KI-Features stellt CI Hub für Ende des Jahres in Aussicht. Für die Entwicklung will das Start-up nun das aktuell fünfköpfige Team deutlich aufstocken.

In verwandten Bereichen sind auch andere Start-ups in Deutschland bereits erfolgreich unterwegs. So hilft Contentful Unternehmen dabei, Marketinginhalte über verschiedene digitale Kanäle auszuspielen. Ende 2018 hatte das Berliner Start-up 30 Millionen Euro von Investoren bekommen – darunter die Softwaregiganten SAP und Salesforce.