Warum nicht?
Wir waren nicht bereit, in Kauf zu nehmen, dass wir uns angesichts unserer guten Zahlen unter Wert verkaufen, wenn wir den Börsengang um jeden Preis erzwingen. Deshalb haben wir gesagt: „Das verschieben wir lieber auf einen besseren Zeitpunkt.“

Wie sind Sie mit dieser Absage umgegangen?
Das war und ist für mich sehr unbefriedigend. Wir hatten eine typische Vorlaufzeit von einem Jahr, die durch ein sehr hohes Arbeitspensum und viel Verzicht auf andere Dinge gekennzeichnet war. Dann kommt bei einem IPO die Vermarktungsphase, die ist mit rund vier Wochen in der Regel vergleichsweise kurz. Und ausgerechnet in diesen vier Wochen, als die Analysten und Sales Teams der Banken mit den Investoren gesprochen haben, und als wir schließlich selbst auf Roadshow gegangen sind, da spitzte sich die Griechenlandkrise zu, da ging die Börse in China auf Talfahrt und dann hat auch noch Rocket Internet plötzlich eine Wandelanleihe angekündigt und damit den Kapitalmarkt in unserem Segment stark verstimmt. Und wir konnten nichts dagegen tun.

„Es ist nicht so, dass ich zu Hause nichts mehr zu essen bekomme“

Sie hätten doch trotzdem an die Börse gehen können. Warum lieber gar nicht als niedrig bewertet?
Wenn ein Unternehmen am unteren Ende der Preisspanne an die Börse geht, wird das von anderen Marktteilnehmern als Schwäche ausgelegt. Und es gilt als Indiz dafür, dass der Börsenkurs nicht so stark steigen wird. So einen schlechten Start wollten wir vermeiden. Außerdem verwässern die Anteile der Altaktionäre, und bei einem niedrigen Börsenpreis bekommen sie weniger Gegenwert dafür.

Zu den Altaktionären gehörten nicht nur Sie selbst, sondern auch ein Teil Ihrer Familie. Belastet so eine Absage das Verhältnis?
Nein. Die drei Familienangehörigen unter den Aktionären hätten sich natürlich auch gefreut, wenn es geklappt hätte, und sie waren natürlich enttäuscht, dass es nicht geklappt hat. Aber es ist nicht so, dass ich zu Hause nichts mehr zu essen bekomme (lacht).

Was denken Sie jetzt, einen Monat später?
Was mich am meisten belastet, ist das Gefühl, dass die Spitzenbelastung noch nicht wie geplant zu Ende ist. Die drei Monate vor dem geplanten Termin habe ich nichts anderes gemacht, als den IPO vorzubereiten: Kaum Sport, viel zu wenig Zeit mit der Familie, wenig Freizeit. Ich habe jeden Tag und jede Nacht gedanklich mit unserem IPO verbracht. Und weil wir den Börsengang noch nicht abgeschlossen haben, befinde ich mich gedanklich permanent in dem Zustand, den Schlusssprint weiter fortsetzen zu müssen.