Die Berliner Onlineplattform für die Rekrutierung von ausländischen Kranken- und Altenpflegekräften erhält eine Finanzspritze von Investoren.

Die besten Ideen entstehen oft aus der eigenen Bedürftigkeit heraus. Im Falle von Careloop war es die Bedürftigkeit von Alexander Lundbergs und Matti Fischers Großeltern. Vor einiger Zeit suchten die beiden Berliner für diese nach einer Betreuungsperson – und stellten fest, wie schwierig es ist in Deutschland eine Pflegekraft zu finden.

Mit diesem Problem stehen die beiden nicht alleine da: Laut einer aktuellen Statistik fehlen in Deutschland aktuell rund 100.000 Pflegekräfte – bei einer gleichzeitig kontinuierlich steigenden Zahl der Pflegebedürftigen. Deren Zahl belief sich im Jahr 2017 deutschlandweit auf rund 3,4 Millionen Menschen – 70 Prozent mehr als noch zu Beginn des Jahrtausends. Als Ursache hierfür gilt vor allem die stetig wachsende Zahl älterer Menschen in Folge einer besser werdenden medizinischen Versorgung. Die Folge: In Deutschland werden in der stationären Versorgung bis zum Jahr 2035 rund 307.000 Pflegekräfte fehlen, so hat es das Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln berechnet.

Rekrutierungsprozess für Fachkräfte und Arbeitgeber vereinfachen

Eine Lücke, die Alexander Lundberg und Matti Fischer schließen wollen. Ihr Start-up soll Kranken- und Altenpflegekräften aus dem Ausland, unter anderem aus Südamerika, Südosteuropa und Asien, mit Einrichtungen in Deutschland zusammenbringen, die dringend auf der Suche Mitarbeitern sind. Auf einer Online-Plattform erstellen sowohl ausländische Pflegekräfte als auch deutsche Kliniken und Pflegeeinrichtungen ein Profil. Nach der Überprüfung der Pflegekräfte hinsichtlich Qualifikation und Sprachkenntnisse, bewerben sich die deutschen Arbeitgeber bei ihnen. Durch diese Digitalisierung soll die Rekrutierung für beide Seiten vereinfacht und beschleunigt werden. „Wir unterstützen den gesamten Prozess inklusive Rekrutierung, Immigration, Integration und Anerkennung“, sagt Matti Fischer gegenüber WirtschaftsWoche Gründer.

Eigenen Angaben zufolge haben sich im Jahr 2020 im Laufe von acht Monaten über 1.000 Pflegekräfte registriert – 2021 sollen es bereits über 3.000 sein. „Außerdem konnten wir mehr als 15 Arbeitgeber als Kunden gewinnen“, so Fischer, „bis zum Jahresende sollen es 50 sein.“

Finanzierung in Höhe von 600.000 Euro

Um ihre Plattform auszubauen und das aktuell zehnköpfige Team bis zum Jahresende auf mindestens 20 Mitarbeiter zu vergrößern, erhielten die Gründer jetzt eine Finanzierung in Höhe von 600.0000 Euro. Angeführt wird die Runde vom Swiss Founders Fund (SFF), mit an Bord sind auch die Mediengruppe Klambt, WestTech Ventures, HNC Capital und diverse Angel-Investoren. Hinzu kommt ein Gründungsbonus von 50.000 Euro durch die Investitionsbank Berlin und der Stadt Berlin. Das frische Kapital werde außerdem in den Aufbau der digitalen ´Careloop Academy´ fließen, mit deren Hilfe ausländische Pflegekräften mögliche Defizite der Pflegeausbildung aus dem Heimatland – im Vergleich zu Deutschland – auszugleichen, so die Gründer. Deutsche Arbeitgeber indes sollen optimal auf den Einsatz und die Integration von ausländischem Pflegepersonal vorbereitet werden, um eine möglichst geringe Abbrecherquote zu gewährleisten. Momentan funktioniere das gut, so Fischer: „Sie liegt bei unter fünf Prozent.“

Auch an eine Expansion denken die Gründer bereits: „Das Thema betrifft mehrere Länder in der EU, da hier die Gesellschaften immer älter werden, wodurch gleichzeitig die Patientenanzahl größer wird. Auf der anderen Seite gehen immer mehr Pflegekräfte altersbedingt in den Ruhestand. Viele Synergien ergeben sich bei einer Expansion nach Österreich und die Schweiz.“ Um ausreichend Pflegekräfte anheuern zu können, entwickelt das Start-up länderspezifische Online-Marketingkampagnen: „Wir sind sehr aktiv in den sozialen Medien und unterhalten Partnerschaften mit Sprachschulen, die Deutsch unterrichten, und Universitäten, an denen man Pflege studieren kann, um für uns zu werben.“