Das Start-up wappnet sich mit 15 Millionen Euro für einen möglichen Milliarden-Markt. Die Kölner wollen wachsen – fokussieren sich aber einzig auf den Handel und Vertrieb.

Die Palette an Produkten ist groß – aber werben darf Cannamedical nicht damit. Man dürfe „öffentlich keinerlei Hinweise zu den Produkten geben“, heißt es auf der Homepage des Kölner Unternehmens bedauernd. Das Unternehmen ist als Großhändler für medizinisches Cannabis unterwegs – und vertreibt die vielfältig weiterverarbeiteten Blüten der Hanfpflanze an Mediziner und Apotheker in Deutschland.

Jetzt ist ein Risikokapitalgeber eingestiegen, der auf eine weitere Ausbreitung des Marktes hofft: Der US-Investor Orkila Capital stellt 15 Millionen Euro bereit und wird damit zweitgrößter Anteilseigner von Cannamedical. „Für unsere Investitionen suchen wir nach innovativen Marken in sich rasant entwickelnden Verbrauchermärkten“, lässt sich Neu-Gesellschafter Jesse Du Bey in einer Pressemitteilung zitieren. Im Vergleich mit den USA oder Kanada seht die Branchen ein Potential von bis zu 2,5 Millionen Kunden alleine in Deutschland. Zudem ist an Cannamedical noch der luxemburgische Investor SN-Invests mit 21 Prozent beteiligt, 60 Prozent liegen bei Gründer David Henn.

Ein Medizinmarkt in Bewegung

Der Markt für medizinisches Cannabis ist in Deutschland gerade in Bewegung: Nachdem der Bundestag im Frühjahr 2017 die Pflanze generell als Medizin zugelassen hatte, soll zukünftig auch der Anbau in Deutschland zugelassen werden. In dieser Woche teilte das zuständige Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte mit, dass sich insgesamt 79 Bieter für den Anbau von knapp 11 Tonnen Cannabis über einen Zeitraum von vier Jahren beworben hätten. Im zweiten Quartal 2019 rechnet das Amt mit einer Vergabe – und für Ende 2020 mit der ersten legalen Ernte auf deutschem Boden.

Cannamedical wird nicht unter den Produzenten sein. Man habe sich bewusst gegen eine Teilnahme an der Ausschreibung entschieden, hieß es auf Nachfrage von WirtschaftsWoche Gründer. „Wir finden unsere Stärke insbesondere in der Distribution und Verarbeitung von Cannabis-Rohmaterialien wieder“, sagt Gründer David Henn. „Gegenüber unseren, von kanadischen Produzenten abhängigen, deutschen Wettbewerbern haben wir die Flexibilität, unsere Zulieferer selbstbestimmt und nach unseren eigenen und strengen Qualitätskriterien auszuwählen.“

Ein eigenes Verarbeitungszentrum in Köln

Das Ziel: 18 Tonnen Medizinalcannabis will das Start-up in den nächsten drei Jahren nach Deutschland importieren. Mit einem ähnlichen Businessplan war Mitte Dezember auch Seriengründer Sebastian Diemer an die Öffentlichkeit gegangen: Sein neues Start-up Farmako erhielt für den Aufbau eines Cannabis-Handels von Investoren eine siebenstellige Summe.

Stark wachsen will Cannamedical in allen anderen Bereichen: Dazu soll zum einen das Vertriebsnetzwerk ausgebaut werden – aktuell sind die Produkte des Start-ups in 2200 Apotheken erhältlich. Das Bestellaufkommen habe sich dabei alleine im Laufe des Jahres 2018 verdreifacht, so Henn. Zudem plant Cannamedical den Aufbau in ein intergiertes Forschungs- und Verarbeitungszentrum in Köln. Das soll dafür sorgen, dass zu den heute 40 Mitarbeitern noch einmal 50 neue Stellen geschaffen werden.