Der Reinigungsautomat für Campingtoiletten ist bei „Die Höhle der Löwen“ durchgefallen. Im Interview verrät der Gründer, wie es nach der Sendung weiterging.

„Wir machen aus Scheiße Gold“ versprachen Simon Freutel und Ralf Winkelmann in der gestern ausgestrahlten Folge von „Die Höhle der Löwen“. Die Aufmerksamkeit der potenziellen Investoren war den beiden Gründern aus Mönchengladbach damit sicher. Erfahrung im Campen konnte indes niemand aus der Jury vorweisen – doch genau darum ging es im Pitch des Start-ups.

Der Physiker und der Maschinenbauer haben mit CampingButler einen Vollautomaten entwickelt, der die Reinigung von Camping-Toiletten-Kassetten übernimmt. Auf Bitte der Gründer stürzte sich Ralf Dümmel mutig ins Geschehen und führte vor, wie Fäkalien nach alter Methode beseitigt werden – ein Einsatz, der Judith Williams zu Ekelbekundungen verleitete.

Der Entertainment-Faktor war folglich hoch, doch als es an die Frage eines Investments ging, zeigten sich die Löwen zurückhaltend. Keiner wollte die 200.000 Euro in investieren, die die Gründer für die Produktion der Maschine brauchten.

Herr Freutel, waren Sie sehr enttäuscht, dass es nicht zu einem Deal kam?
Ganz ehrlich? Eigentlich nicht, denn wir hatten gar nicht damit gerechnet, dass einer der Löwen anbeißen würde.

Wie bitte? Waren Sie etwa selbst nicht von Ihrem Produkt überzeugt?
Doch, absolut, aber wir wussten, dass wir mit unserer Erfindung kein Kernthema der Löwen besetzten. Wir sind ja kein Kuchen-Start-up, mit dem man jedem eine Freunde machen kann, sondern unser Thema ist sehr speziell – und den Löwen war es offenbar zu speziell.

Dabei handelt es sich ja nicht gerade um eine Nische…
Absolut nicht, der Camping-Markt boomt gewaltig. Alleine in Deutschland gibt es über 3000 Campingplätze, in 2016 gab es über 140 Millionen Übernachtungen in Campingmobilen. Und auch in anderen Ländern, alle voran in China, erleben wir gerade ein großes Interesse am Thema.

Das heißt, Sie denken auch schon an Internationalisierung? 
Soweit sind wir noch nicht. Wir haben bisher vier CampingButler aufgestellt, einen davon in Österreich. Fünf weitere sind bereits bestellt und gehen unter anderem nach Bayern, Usedom und an die Mosel. Bis zum Ende des Jahres rechnen wir mit zehn weiteren Bestellungen. Wir sind optimistisch, denn die Hürde für die Camping-Plätze ist klein, schließlich liefern wir den Butler und kümmern uns auch um dessen Wartung. Im Gegenzug gehen die Einnahmen, also zwei Euro pro Reinigung, komplett an uns. 

Judith Williams und Frank Thelen bemängelten das Design des Butlers, Dagmar Wöhrl hatte den Eindruck, dass Sie den Markt nicht ausreichend kennen…
Die Kritik hinsichtlich des Designs war gerechtfertigt. Tatsächlich war die Dame im schwarzen Abendkleid zu 80er-Jahre-mäßig. Wir haben zum Zeitpunkt der Aufzeichnung bereits an einem neuen Modell gearbeitet, das aber noch nicht fertig war, so dass wir es nicht mit in die Sendung nehmen konnten. Jetzt ist es fertig und sieht definitiv aus wie aus dem Jahr 2019.

Und die Kritik von Frau Wöhrl?
Die konnten wir nicht nachvollziehen. Frau Wöhrl wollte, dass wir eine Antwort auf eine Frage geben, die wir einfach nicht geben konnten. Schließlich kann man nicht voraussagen, wie viele Leute unseren Butler nutzen werden. Eine solche Prognose wäre zum damaligen Zeitpunkt nicht seriös gewesen. 

Und was sagen Sie heute dazu?
Die Erfahrungen von den ersten Butlern zeigen, dass eine Maschine auf einem großen Camping-Platz bis zu 120 mal am Tag genutzt wird. 

Würden Sie noch mal in die Löwen-Höhle gehen?
Auf jeden Fall. Es ging uns in erster Linie darum unser Produkt bekannt zu machen. Wir waren nach der Entwicklung des CampingButlers, in die mein Co-Gründer 60.000 Euro privates Vermögen gesteckt hat, ein bisschen unter Zugzwang, unser Unternehmen bekannt zu machen. Wir hatten keine Ahnung von Marketing und Vertrieb und durch unseren Fernsehauftritt kennen uns jetzt drei bis vier Million Leute.

Wie finanziert sich CampingButler aktuell?
Wir konnten eine Reihe von Investoren gewinnen, die allerdings nicht namentlich genannt werden wollen. Sie haben die Summe investiert, die wir uns auch von den Löwen erhofft hatten – aber zu besseren Konditionen. Insofern wäre eine Beteiligung der Löwen natürlich toll gewesen, aber wir kommen auch so gut voran.