Im Elevator Pitch der WirtschaftsWoche treten heute die Gründer von Buckle & Seam, Marco Feelisch und Georg Wolff, an. Ihr Start-up hat eine nachhaltige Produktionskette aufgebaut. Wie urteilt Investorin Nina Rinke?

Marco, Georg, ihr habt eine Minute im Fahrstuhl mit einem möglichen Geldgeber. Wie lautet euer Elevator Pitch?
Modefirmen aus Europa ordern Kleidung und Taschen meist über Agenten in Asien, die dann wiederum Fabriken beauftragen. Die meisten Arbeiter sind Tagelöhner, die  gefeuert werden, ist der Auftrag abgearbeitet. Immer mehr Kunden stört das. Wir bieten nun Taschen an, bei denen wir die gesamte Produktion selbst kontrollieren. Die Taschen lassen wir in unserer Fabrik im pakistanischen Karatschi nähen. Alle Mitarbeiter haben ein Vierteljahr Kündigungsfrist, ein Basisgehalt und eine Erfolgsbeteiligung. Das funktioniert so gut, dass andere Fabriken in der Gegend ihre Beschäftigungsbedingungen gerade an unsere anpassen.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?
Wir haben für Rocket Internet in Pakistan einen Onlinemarktplatz aufgebaut, der an Alibaba verkauft wurde. Als wir dort waren, haben wir uns Taschen machen lassen. Die  waren so gut, dass wir dachten: Dafür gibt es einen Markt. Während andere Gründer warten, bis sie Milliardäre sind, wollten wir gleich etwas zurückgeben. So investieren wir drei Prozent des Umsatzes in die Schulbildung pakistanischer Mädchen.

Und wie verdient ihr Geld?
Der Preis für unsere personalisierbaren Taschen liegt zwischen 200 und 400 Euro. Die Produkte verkaufen wir fast nur über unsere eigene Website.

Eure Kultur ist:
a) perfektionistisch wie bei Apple
b) nerdig wie bei Google
c) gnadenlos wie bei Uber
d) …Wir verschieben Grenzen für Kunden, Mitarbeiter, Lieferanten und Umwelt.

Wie sieht es mit Vielfalt in eurem Unternehmen aus?
In Berlin sind wir zur Hälfte Männer und Frauen, in Karatschi vor allem Männer, was dort typisch ist. Das versuchen wir aber gerade zu ändern. Wir wollen auch Frauen in den Job bringen.

Was war euer größter Rückschlag?
Wir hatten selbst ein Taschendesign gewählt und das Lager damit gefüllt. Es war ein Flop. Seitdem befragen wir immer erst unsere Kunden, bevor wir ein Produkt entwickeln und einführen.

Wo steht ihr in fünf Jahren?
Dann haben wir 10.000 Mädchen die Schule ermöglicht und sind Vorbild für eine nachhaltige Modeindustrie.

Fakten zum Start-up

Kunden: Mehr als 20.000
Finanzierung: Laufende Umsätze, Bankdarlehen – Wagniskapitalgeber wollten sich nicht darauf einlassen, drei Prozent vom Umsatz zu spenden
Gründung: 2017 in Berlin
Mitarbeiter: 14 in Berlin, 65 in Karatschi

Würde der Profi investieren?

Idee: 3/5
Geschäftsmodell: 2/5
Timing: 4/5

Urteil: „Nachhaltige und faire Produkte treffen den Nerv der Zeit. Der Wettbewerb aber scheint herausfordernd zu sein. Es bleibt abzuwarten, ob sie genug Kunden  gewinnen und eine Produktkategorie besetzen können.“
Nina Rinke gehörte zu den Ersten beim Münchner Einhorn Celonis und ist heute Investmentanalystin für Earlybird

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