Mitarbeiter können mit der Software des Start-ups einfach eigene Anwendungen zusammenstellen. Das Legaltech strebt mit Vollgas auf neue Märkte und in neue Branchen. Investoren stellen gut 14 Millionen Euro bereit.

Die Fast-Food-Kette McDonald’s, die Großbank ING, Telekommunikationsriese Telefonica oder die Beratungsgesellschaft PwC: Stolz präsentiert das gerade einmal zwei Jahre alte Start-up Bryter diese namhaften Konzerne als Referenzkunden. Sie alle nutzen die Software des jungen Tech-Unternehmens, um aus komplizierten Vorschriften kleine Software-Anwendungen zu bauen.

Die Idee: Wo vorher Steuer-Experten, Compliance-Spezialisten oder Hausjuristen einzelne Anfragen mühsam bearbeiten mussten, sollen nun Mini-Programme die automatisierten Antworten liefern. Wie steht es um die genaue Verrechnung der Umsatzsteuer, welche Geschenke dürfen ohne Korruptionsverdacht angenommen werden? Dabei sollen die Fachleute die Anwendungen selbst zusammenklicken. Dafür bietet Bryter ein sogenanntes No-Code-System an. Dahinter verbirgt sich eine Art Baukasten aus Befehlen, mit dem auch Nicht-ITler eine individualisierte Software zusammenstellen können – ohne eine Zeile Code programmieren zu müssen.

Knappe IT-Ressourcen, wachsender No-Code-Markt

Dieser Markt wächst stetig. Denn viele Unternehmen wünschen sich schnell zusammengestellte Programme, ohne dafür teure und rare IT-Ressourcen einsetzen zu müssen. Die Siemens-Tochter Mendix ist seit Jahren mit solchen Baukästen unterwegs, auch Appian oder Out Systems sind größere Softwareanbieter. Daneben versucht sich eine ganze Reihe an Start-ups an ähnlichen Aufgaben: Ninox aus Berlin bietet seine Vorlagen für eine ganze Reihe an Unternehmensanwendungen an – vom Auftragsmanagement bis zur Planungssoftware. Apiax aus der Schweiz ist wie Bryter mit einem Fokus auf die Digitalisierung von Rechtsvorschriften gestartet. Und Legal OS will mit seiner Software automatisiert die richtigen Bausteine für einen juristisch wasserdichten Vertrag liefern.

Bryter, heute mit Büros in Frankfurt, Berlin und London, zieht das Tempo bei der Expansion aber besonders kräftig an. Erst im November vermeldete das Legaltech den Einstieg des renommierten US-Investors Accel und eine Runde über 5,4 Millionen Euro. Aus den damals 40 Unternehmenskunden sind nun bereits über 50 geworden. Mehr als 2000 Geschäftsanwendungen seien seit Ende 2018 auf der Plattform bereits entwickelt worden, teilt Bryter stolz mit.

14 Millionen Euro für die US-Expansion

Zudem erhält das Start-up nun erneut kräftigen Nachschub: Mehr als 14 Millionen Euro fließen in einer aktuellen Finanzierungsrunde an Bryter. Der Risikokapitalgeber Dawn Capital steigt neu an, Accel legt nach. Daneben beteiligen sich auch die Gesellschafter Notion Capital und Chalfen Ventures erneut.

Das Ziel ist klar: Bryter strebt mit voller Kraft auf den amerikanischen Markt. Auf dem großen und reifen Softwaremarkt dort sieht das Start-up große Chancen. Man wolle an das schnelle Wachstum anknüpfen und die Plattform den „Kunden global, aber auch in weiteren Branchen anbieten“, sagt Mitgründer Michael Grupp. Gestartet war Bryter mit dem engen Fokus auf Prüfungs- und Beratungsgesellschaften sowie juristische Fragestellungen.

Nach und nach soll sich diese Palette nun ausweiten. Ein Lob gibt es von Accel-Partner Luca Bocchio: „Wir sind beeindruckt von der Wirkung, den die Software in so kurzer Zeit bereits entfaltet hat, Business-Professionals direkt an der digitalen Transformation zu beteiligen, ganz ohne spezielle Programmierkenntnisse.“