Doch von einer Flucht von Firmen nach Deutschland kann keine Rede sein. Übergesiedelt von Großbritannien nach Berlin seien erst fünf Start-ups, sagt Franzke. Ähnliches berichtet die Wirtschaftsförderung Frankfurt. Zwar steige das Interesse am Standort am Main, doch es gebe keinen messbaren Umzugseffekt. Dabei müht sich die Finanzstadt mit dem Brexit mächtig, nicht nur Londoner Banker, sondern auch junge Finanzfirmen anzuziehen. Auch die Wirtschaftsförderungen Hamburg und München verzeichnen mehr Anfragen, aber keine Standortverlagerungen.

Sebastian Schäfer, Geschäftsführer des Frankfurter Start-up-Zentrums„Tech Quartier“, dämpft die Erwartungen. „London ist nach dem Brexit zwar nicht mehr alleine die erste Wahl“, sagt er. Jetzt gehe es aber darum, die schlausten Köpfe auch zu gewinnen. „Das wird nicht von heute auf morgen geschehen, sondern einige Jahre dauern.“ Er berichtet von kaum einer Handvoll konkreten Anfragen aus dem Ausland.

In Berlin hofft man indes weiter auf Brexit-Impulse. In der deutschen Gründermetropole kämen mehr als 40 Prozent der Angestellten inWachstumsfirmen aus dem Ausland, sagt Verbandsvorsitzender Nöll. Berlin profitiere am meisten vom Brexit. „Es ist die einzige Stadt inDeutschland, wo Ausländer nur mit Englisch zurechtkommen.“

Doch im internationalen Vergleich hinkt Deutschland weiter Großbritannien hinterher. Der Beratungsfirma EY zufolge flossen 2016 etwa 2,2 Milliarden Euro Investitionen in deutsche Wachstumsfirmen. Das waren zwar etwas mehr als in französische Start-ups, aber britische Gründer verbuchten gut 3,7 Milliarden Euro. Im Städtevergleich liegt Berlin hinter London und Paris.