„Apple hat da 400 Entwickler drauf sitzen; das ist weit mehr als wir anderen Digitalkioske zusammen Mitarbeiter haben“, sagt Newscase-Gründer Oberhof. Trotzdem zittere er nicht. „Die Großen werden den Markt erstmal aufmischen, aber wir werden unsere Marktlücke behalten.“ Auch Blendle gibt sich optimistisch angesichts der Ambitionen von Facebook, Google und Apple: Qualitätsjournalismus könne sich nicht durch Werbung alleine finanzieren.

Verlage experimentieren

Die Verlage probieren aktuell die verschiedenen Wege aus. „Wir betrachten die neuen Anbieter mit großem Interesse“, sagt Holger Kansky, Multimedia-Referent beim Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV). Die anfängliche Skepsis gegenüber dem indirekten Vertrieb und dem Vertrieb von Einzelartikeln lässt nach. „Wenn Medien dadurch neue Zielgruppen erschließen und weitere Erlöse generieren können, warum nicht?“, meint Kansky. Zudem könne man so weitere Daten über das Kauf- und Nutzungsverhalten der Leser sammeln. „Die Verlage wollen lernen, wie das digitale Vertriebsgeschäft am besten funktioniert.“

Kanskys Fach-Kollege Alexander von Reibnitz vom Verband Deutscher Zeitschriftenverleger bestätigt die Hoffnung auf neue Zielgruppen. „Das Entscheidende ist, dass die Digitalkioske die eigenen Bezahl-Angebote der Verlage nicht zu niedrigeren Preisen kanibalisieren. Sonst wäre es eine Milchmädchenrechnung“, sagt von Reibnitz. Bislang seien die Direktverkäufe durch die Digitalkioske nicht beeinträchtigt; das heißt Blendle und Co. stellten sich tatsächlich als Zusatzgeschäft dar.

Marco Olavarria, Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft Kirchner und Robrecht, die auf Medienunternehmen spezialisiert ist, rät Verlagen zum selektiven Ausprobieren. Noch könne man nicht sagen, dass ein Portal oder Weg besser sei als der andere. „Wir müssen den Dingen Zeit geben, sich zu entwickeln“, meint er. Zudem sei immer die Frage, wie gut das Angebot zur Zielgruppe passe. Olavarria hält es auch für möglich, dass ein weiteres Start-up in den Markt eintritt. „Zu Studivz-Zeiten hätten wir auch nicht gedacht, dass Facebook den Markt mal komplett umkrempeln wird.“