Der Autozulieferer hat mit seinem autoähnlichen E-Bike viel Aufsehen erregt, gibt das Geschäft nun aber an Meisterwerk Ventures ab.

Klein, wendig und in staugeplagten Innenstädten schneller als normale Autos: Mit seinem Konzept eines als E-Bike zugelassenen Mini-Fahrzeugs hat der Automobilzulieferer Schaeffler vor drei Jahren großes Aufsehen erregt. Doch das Spin-off selbst, das die Idee zur Marktreife bringen sollte, wurde immer wieder ausgebremst – so zumindest der Eindruck von Gerald Vollnhals. „Die Entscheidungsprozesse innerhalb des Konzerns waren oft zu langsam“, sagt der Seriengründer, der Ende 2018 die Geschäftsführung bei Bio Hybrid übernommen hat.

Nun soll das Unternehmen deutlich an Fahrt gewinnen – unter neuen Eigentümern: Das von Vollnhals und drei Geschäftspartnern gegründete Unternehmen Meisterwerk Ventures hat kürzlich sämtlichen Firmenanteile von Schaeffler übernommen. Den Kaufpreis nennt Vollnhals nicht, spricht aber von einer zweistelligen Millionensumme, die der Company Builder insgesamt in Bio Hybrid investiere. Die knapp 30 Mitarbeiter, die schon bisher in eigenen Büros in Nürnberg und München saßen, werden weiterbeschäftigt.

Fahrgefühl wie im Auto

Nach den aktuellen Plänen soll im kommenden Sommer die lange geplante Serienproduktion beginnen. Vorbestellungen will das Start-up noch in diesem Jahr entgegennehmen. Zielgruppe sind Unternehmen wie Privatpersonen gleichermaßen: Das vierrädrige Fahrzeug gibt es mit zwei hintereinander angeordneten Sitzen genauso wie als Einsitzer mit verschiedenen Aufbauten für den Gütertransport. Gemeinsam ist allen Varianten: Die Fahrer haben ein Dach über dem Kopf, außerdem gibt es große Windschutzscheibe mit Scheibenwischern.

Die Zulassung als E-Bike hat den entscheidenden Vorteil, dass Fahrradwege genutzt werden können – und kein Führerschein notwendig ist. Der Fahrer muss dafür mittreten, zudem schaltet der Elektromotor ab einer ab einer Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometern ab. „Für Pendler und Lieferdienste im urbanen Raum sowie für unternehmensinterne Transporte ist das eine optimale Lösung“, sagt Vollnhals, der 2009 den E-Roller-Bauer Govecs gegründet hatte. „Das Interesse an dem Konzept ist riesig: Wir haben auf Messen unzählige Anfragen aus aller Welt bekommen.“

Konkurrenten drehen auf

Doch für Bio Hybrid wächst der Zeitdruck. Denn: Inzwischen haben sich auch eine Reihe anderer Start-ups mit Cargo-E-Bikes, die wie kleine Autos aufgebaut sind, auf den Markt gewagt. So bietet Ono Motion ein dreirädriges Lieferfahrzeug an – Kaufzusagen gibt es unter anderem vom Logistikunternehmen Hermes. Mit Citkar steht ein weiterer Konkurrent in den Startlöchern. Bereits am Markt etabliert hat sich das Bremer Unternehmen Rytle – auch wenn dessen Fahrzeuge noch stärker an klassische Lastenräder erinnern als an ein E-Auto.

Abheben will sich Bio Hybrid mit „Automobilstandards bei Sicherheit und Qualität“, wie Vollnhals sagt. Auch die Produktion soll nach dem Vorbild der Autohersteller aufgebaut werden – derzeit sucht das Start-up einen passenden Auftragsfertiger. Viel Zeit verloren habe Bio Hybrid nicht nur durch die bei Konzernen üblichen langen Entscheidungswegen, sagt Vollnhals. „Die Coronakrise führt nach wie vor zu Engpässen bei Zulieferern.“ Betroffen davon sind auch andere Start-ups wie das TU-München-Spin-off Evum Motors, das einen Elektro-Pickup bauen will.

Meisterwerk-Ausgründung entwickelt Corona-Test

Vollnhals will parallel zum Aufbau der Serienproduktion auch die Suche nach externen Geldgebern vorantreiben. Meisterwerk Ventures ist darin geübt: Der Company Builder hat bereits zwei Medizintechnik-Unternehmen ausgegründet – und jeweils Investoren an Bord geholt. Meisterwerk selbst hat sich kürzlich eine Millionenfinanzierung eines namentlich nicht genannten Familiy Offices aus der Schweiz gesichert.

Neben Bio Hybrid beschäftigt die Meisterwerk-Gründer, zu denen neben Vollnhals Daniel Lichterfeld, Michael Diebold und Markus Riester gehören, gerade ihre Ausgründung Midge Medical stark. Das Start-up, das auf Miniaturschnelltests zur Messung von Blutwerten spezialisiert ist, hat einen neues Covid-19-Testgerät entwickelt. Dieses soll es dank günstiger Preise ermöglichen, dass sich Privatleute regelmäßig zu Hause auf das Virus testen lassen können. Hohes Tempo ist auch in dem Geschäft gefragt. Gerade arbeite man an der CE-Zertifizierung des Geräts, so Vollnhals.