Vor knapp einem Jahr meldete Taxbutler Insolvenz an. Jetzt sichert sich das Nürnberger Start-up Billomat den Software-Code – und will unter neuem Namen durchstarten.

Smartphone statt Bierdeckel: Mit einer App wollte Taxbutler das digitale Erstellen von Steuererklärungen für normale Verbraucher vereinfachen – scheiterte aber im Juli 2017 daran, genügend Nutzer zu begeistern und meldete Insolvenz an. Jetzt will das Nürnberger Fintech Billomat, die eine Buchhaltungssoftware für Gründer und Unternehmer entwickeln, einen neuen Anlauf wagen. Für eine ungenannte Summe übernimmt Billomat die Software von Taxbutler.

Bei diesem sogenannten Asset-Deal erwirbt Billomat ausschließlich den Programmcode der Steuer-App. Ein eigenes Team von neun Entwicklern, Kundenbetreuern und Produktmanagern entwickle das Produkt nun weiter, berichtet Billomat-Geschäftsführer Paul-Alexander Thies im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer. „Derzeit arbeiten wir daran die Software an aktuelle gesetzliche und steuerliche Grundlagen anzupassen, den Prozess für den User der App deutlich zu vereinfachen und mithilfe von künstlicher Intelligenz zu automatisieren.“ Ende des Jahres soll das Programm dann unter dem neuen Namen Steuer2Go wieder auf den Markt kommen.

Zukauf ohne Extra-Finanzierung

Ein solches Angebot für Angestellte sei schon immer der nächste logische Schritt in der Entwicklung des Fintechs gewesen, sagt Thies weiter. Insgesamt 40 Mitarbeiter arbeiten für das Start-up, das sich 2016 auf das derzeitige Geschäftsmodell umgestellt hat. Im Februar 2018 hatte Billomat in einer Finanzierungsrunde einen Millionenbetrag eingesammelt. Frisches Geld sei weder für die jetzt erfolgte Übernahme, noch für einen jüngst abgeschlossenen Umzug in größere Firmenräume nötig gewesen, sagt Thies.

Taxbutler hatte eine einfache Abwicklung der Steuererklärung auf dem Smartphone versprochen und je Steuererklärung einen Pauschalbetrag von den Nutzern verlangt. Für Aufsehen hatte vor allem eine zwischenzeitliche Beteiligung des damaligen Finanz-Staatssekretärs und heutigen Gesundheitsministers Jens Spahn gesorgt, die dieser nach großer Kritik wieder zurückgab. Mit dem Kauf der Taxbutler-Software kürzt Billomat nun gewissermaßen den Entwicklungsprozess für das Angebot ab. Thies macht sich keine Sorgen, dass die zusätzliche Produktkategorie nicht am Markt ankommt: „Die Idee einer mobilen Abwicklung ist dabei sowohl zukunftsträchtig als auch wegweisend.“

Daran glaubt jedoch auch die Konkurrenz. Taxfix verspricht etwa, dass man mit seiner Lösung eine Steuererklärung in 22 Minuten erledigen könne – und hat dafür jüngst 27 Millionen Euro von Investoren erhalten. Auch Wundertax tritt mit einem ähnlichen Versprechen an.