Der Kartenmacher-Gründer hört mit dem Company Building auf und beteiligt sich nun finanziell an jungen Start-ups. Das Beispiel zeigt: Die deutsche Investorenlandschaft wird immer bunter.

Ein Putzmittel-Tab statt einer Plastikflasche mit Reinigungsmittel: Das Münchener Start-up Everdrop will eine umweltfreundlichere Variante zum eigenen Anmischen von Putzmitteln an den Konsumenten bringen. Das 2019 gegründete Unternehmen hat bereits eine große Anzahl an Fans in den sozialen Netzwerken – und seit kurzem auch die ersten Investoren an Bord. Die hohe sechsstellige Summe kam dabei von einer ganzen Reihe an privaten Investoren. Neben den Gründern von Flaconi oder Lillydoo ist auch der Mitgründer der Kartenmacherei mit dabei.

Der betritt mit dem Investment ein neues Terrain: Christoph Behn hatte Anfang 2019 angekündigt, mit einem kleinen Team als Company Builder eigene Start-ups aufbauen zu wollen. Nun folgt der nächste Schwenk – unter dem Namen Better Ventures will Behn sich auf direkte Investitionen in Start-ups konzentrieren. „Wir probieren es nun nicht mehr mit Eigengewächsen, sondern helfen anderen Gründern“, sagt Behn im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer.

Mehr Möglichkeiten für Start-ups

Der Draht zu den Everdrop-Gründern entstand durch private Kontakte. Aktuell ist Behn dabei, sich mit seinen Mitarbeitern auf die Suche nach passenden Beteiligungen zu machen. Etwa zehn Investments könnten dann pro Jahr zustande kommen, schätzt der Unternehmer. Im Fokus stehen dabei sehr junge Unternehmen, die Better Ventures mit niedrigen sechsstelligen Beträgen unterstützen will. Dazu soll tatkräftige Hilfe kommen: Gemeinsam mit dem Everdrop-Team ist Behn gerade die Positionen durchgegangen, die bei den Putzmittel-Produzenten am dringendsten besetzt werden müssen.

Das Beispiel von Better Ventures, das gespeist wird durch die Überschüsse der Kartenmacherei, zeigt: Die deutsche Finanzierungslandschaft für Start-ups, gerade auch für frisch gegründete Unternehmen, wird immer bunter. Lange Zeit waren die Lager klar getrennt: Zu den Business Angels zählten häufig vor allem wohlhabende Unternehmer und Wegbegleiter, zunehmend auch erfolgreiche Gründer, die sich nach dem Verkauf ihres Start-ups die Zeit vertrieben. Daneben gab es die Welt der Risikokapitalgeber, in der Analysten generalstabsmäßig hunderte Start-ups analysierten, um die vielversprechendsten Businesspläne den Partnern vorzulegen.

„Smart Money“ in der frühen Phase

Jetzt werden diese Grenzen zunehmend aufgehoben. Privatinvestor Tim Schumacher hatte im vergangenen Jahr eine Praktikantenstelle ausgeschrieben, um sich nicht mehr allein durch die Bewerbungsunterlagen zu wühlen. Bei Better Ventures soll sich ein insgesamt sechsköpfiges Team um Auswahl und Betreuung von Beteiligungen kümmern. Gleichzeitig wolle man als Investor den Start-ups auch dabei helfen, weitere Gelder aufzutreiben, sagt Behn: „Und irgendwann wird vielleicht mal ein Fonds daraus.“ So gibt es mehrere kleinere Fonds, die sich mit eigenem und fremdem Kapital auf eine bestimmte Branche spezialisieren. Und es entstehen Netzwerke von und für wohlhabende Privatpersonen, die sich an Start-ups beteiligen wollen – geschehen etwa in Wiesbaden.

Diese Vielfalt erhöht die Chancen für Gründerteams, einen passenden Unterstützer für die Startphase zu finden. Denn gesucht wird gerade zu Beginn häufig die sogenannte „Smart Money“. Hinter dem Begriff steckt ein Investment, dass nicht nur mit Kapital unterstützt. Sondern die jungen Start-ups auch unterstützt: Sei es bei internen Prozessen, etwa der Entwicklung der passenden Strategie. Oder mit Kontakten in bestimmte Branchen, die zu Beginn wichtige Türen öffnen können. Umgekehrt stellen die privaten Investoren nicht nur Schecks aus, sondern können ihre Erfahrung und ihr Fachwissen einbringen: „Es macht richtig Spaß, mit Gründertypen zusammenzuarbeiten – und wenn man in einem Boot sitzt, ist die Freude noch größer“, sagt Behn.