Nudeln aus gemahlenen Grillen? Zwei Löwen bissen bei diesem außergewöhnlichen Abendessen an, doch nur einer bekam den Zuschlag.

Die Begeisterung stand nicht allen Löwen ins Gesicht geschrieben. Mit ihrem gestrigen Auftritt in der Löwenhöhle spaltete Lara Schuhwerk die Jury. Der Grund: Ihre Pasta, die aus Dinkel und gemahlenen Grillen besteht – alles made in Baden-Württemberg, dem Heimatbundesland der 28-jährigen Gründerin. „Grillen enthalten 50 Prozent mehr Protein als Hühner- oder Rinderfleisch. 15 Prozent mehr Eisen als Spinat und genauso viel Vitamin B12 wie beispielsweise Fisch. Außerdem erzeugen Grillen 100 Mal weniger CO2-Emissionen und verbrauchen 2.000 Mal weniger Wasser als Rinder, um die doppelte Menge an Protein zu erzeugen“, erklärte Schuhwerk. Für die Weiterentwicklung neuer Produkte bat die Gründerin um 80.000 Euro und bot dafür 15 Prozent ihrer Firmenanteile.

Während Georg Kofler zwar von Idee und Gründerin angetan war, überzeugte ihn der Geschmack des Produkts nicht. Ralf Dümmel und Nico Rosberg dagegen waren restlos begeistert und kämpften mit harten Bandagen um den Zuschlag. Am Ende konnte jedoch nur einer der Geldgeber Lara Schuhwerk überzeugen.

Warum die ehemalige BWL-Studentin sich für den ehemaligen Rennfahrer Nico Rosberg entschieden hat, wie es für Bento Foods weitergeht und warum sie sich manchmal mehr Offenheit für neue Lebensmittel wünschte, erzählt sie im Interview.

Frau Schuhwerk, Sie hatten am Ende Ihres Pitches zwei Angebote. Gewählt haben Sie nicht den sonst so beliebten Löwen und erfahrenen Investor Ralf Dümmel, sondern den Newcomer Nico Rosberg. Warum?
Er war er schon vor der Show mein absoluter Wunschlöwe. Als mich das Scouting-Team von DHDL Ende Februar 2020 angesprochen hatte, ob ich Lust hätte, Teil der Show zu sein, musste ich auf eine Fragebogen angeben, wer mein Wunsch-Investor wäre und ich wählte Nico Rosberg. Weil  er für mich wie kein anderer der Jury für Nachhaltigkeit steht und ich den Eindruck hatte, dass er den Mut hat, Dinge neu zu denken. Das hat sich dann auch während der Aufzeichnung bestätigt: Es wirkte so, als sei er von meinem Produkt und meinen Zielen wirklich angetan – als ob er am ehesten verstand, dass ich das große Ziel habe, die Welt ein bisschen zu verändern. Am Ende war mir das wichtiger, als die Möglichkeit auf Anhieb meine Pasta in 10.000 Filialen verkaufen zu können.

Kam es am Ende tatsächlich zu dem Deal mit den in der Sendung ausgehandelten Konditionen? 
Ja, Nico Rosberg hat sich daran gehalten. Im Januar dieses Jahres haben wir den Vertrag unterschrieben und seitdem ist er Gesellschafter mit 7,5 Prozent. Noch immer ist das für mich ein ungewohntes Gefühl, weil ich bis zu diesem Zeitpunkt nie einen externen Geldgeber an Bord hatte. Beneto war bis dahin komplett gebootstrapped – alles Geld, was ich neben dem Studium mit einem Kellnerjob verdient habe, ist in mein Unternehmen geflossen. 

Heute Abend ging Ihr Shop online – im Handel sind Ihre Produkte aktuell aber noch nicht zu kaufen.
Es war eine bewusste Entscheidung, weil ich denke, dass Nudeln aus Insekten noch ein Nischenmarkt ist und ich befürchte, dass die Pasta im Supermarkt einfach untergehen würde oder sogar eher ein Ladenhüter wäre. Die Menschen sind noch nicht so weit, dass sie spontan am Regal vorbei gehen und denken: Mmh, lecker, Grillen-Pasta. Wer Beneto kauft, tut das sehr bewusst.

Wann wird es denn ihrer Meinung nach soweit sein, dass Pasta aus Insekten zu unserem Alltag gehört und wir sie im Supermarkt an der Ecke finden werden?
Ich schätze, fünf Jahre werden es mindestens sein. Vielleicht sogar zehn. Ich hoffe, dass die Generation, die sich aktuell für Fridays for Future engagiert, viel sensibler für das Thema sein wird. Sie wissen um die Dringlichkeit des Problems, dass spätestens 2050 die Versorgung der dann rund zehn Milliarden Menschen mit Lebensmitteln auf der Erde schwierig wird, weil die Agrarflächen knapp werden. Dadurch werden sie offener sein für alternative Lebensmittel. Die Generation meiner Eltern dagegen habe ich als Kunden nicht mehr auf dem Zettel. Mein Vater gönnt sich gerne ein Stück Fleisch, das ist etwas, auf das er nicht verzichten wollen würde – auch nicht der Umwelt und dem Klima zuliebe. 

Sollte man dann nicht schon bei den ganz Kleinen ansetzen?
Auf jeden Fall. Im Idealfall würden schon Kita-Kinder an das Essen von exotischen Lebensmitteln gewöhnt, es gäbe Grillen-Pasta in Schulen und an Universitäten. Damit es etwas ist, das ganz selbstverständlich zum kulinarischen Alltag gehört. Überhaupt: Kinder kennen eine Abneigungen gegen Neues eigentlich gar nicht. Vor der Pandemie war ich häufiger auf Messen unterwegs und hatte an meinem Stand auch immer gegrillte Insekten zum Testen – etwa Grillen, Mehlwürmer oder Heuschrecken. Immer wieder habe ich fasziniert feststellt, dass Kinder sich ganz unbefangen darauf gestürzt haben. Sie haben es weggefuttert wie Chips, während die Eltern wenig begeistert waren.

Wie kamen Sie überhaupt auf die Idee zu Beneto Foods?
Ich habe während meines BWL-Studiums in St. Gallen ein Auslandssemester in China absolviert und dort auf einem Nachtmarkt das erste mal etwas in Richtung Insekten gegessen. Es war keine Grille, sondern ein frittierter Skorpion am Spieß. Überwindung hat es mich schon gekostet, aber dann war es erstaunlich lecker. Ein bisschen wie Hähnchen, leicht nussig. Da habe ich mich gefragt, warum so etwas in Asien als Delikatesse gilt und bei uns nahezu in keinem Supermarkt zu bekommen ist.

Es gibt ja eine Reihe anderer Food-Start-ups, die auf Insekten setzen. Hatten Sie keine Angst vor der Konkurrenz? 
Am Anfang der Gründung war ich tatsächlich ziemlich getrieben vom Wettbewerb, aber dann habe ich die anderen Gründer zum Teil persönlich kennengelernt und gemerkt, dass wir alle an einem Strang ziehen und das gleiche Ziel verfolgen: Wir wollen die Welt mit unseren Produkten ein klein wenig verbessern. Und letztlich treibt jedes neue Start-up aus diesem Bereich das Thema nur voran, weil es bekannter wird und die Aufmerksamkeit der potentiellen Kunden darauf lenkt – wovon wir alle profitieren.

Es gibt in Deutschland den Spruch „Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht“. Haben Sie sich mit Ihrer Heimat einen besonders schwierigen Markt für Ihre Mission ausgesucht?
Absolut. Die Deutschen sind schon sehr engstirnig, was Essen angeht. Ich habe meinen Master in Innovation Management und Entrepreneurship in Frankreich gemacht und dort festgestellt, wie offen andere Nationen mit dem Thema umgehen. Da wird alles getestet und gerne Neues ausprobiert. Heftige Ekel-Abwehrreaktionen gegenüber einem Lebensmittel habe ich dort nie erlebt. In der Schweiz und in Skandinavien ist man ebenfalls schon viel weiter. In der Schweiz kann man Insekten-Produkte bereits seit 2017 im Supermarkt kaufen, in Schweden beispielsweise seit 2015. Dort sagen ganze 75 Prozent, sie würden ein solches Produkt testen – in Deutschland sind es nur 22.