Im Elevator Pitch der WirtschaftsWoche treten heute die Gründer von BellaSeno, Simon Champ und Mohit Chhaya, an. Ihr Start-up hilft Brüsten, sich selbst zu rekonstruieren. Wie urteilt Investorin Anja Rath?

Eine halbe Minute mit Investorin Anja Rath im Fahrstuhl: Wie lautet euer Elevator Pitch?
Wir haben Brustimplantate entwickelt, die aus einem abbaubaren Kunststoffgerüst bestehen. Einmal implantiert, wächst darin körpereigenes Gewebe nach. Nach zwei Jahren löst sich der Kunststoff auf. Zurück bleibt die rekonstruierte Brust ohne Fremdkörper. So lassen sich Silikonimplantate ersetzen, die ja gesundheitlich umstritten sind.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?
Unser Produkt ist das Ergebnis von zehn Jahren Forschung in Deutschland und Australien. Einer unserer Gründer, Mohit, hat 2011 in seiner Doktorarbeit das Konzept erstellt, das die Technik marktreif macht.

Und wie verdient ihr damit Geld?
Ende des Jahres starten wir unsere klinischen Studien an Menschen. 2023 rechnen wir mit einer Zulassung. Dann wollen wir die Implantate in einer Fabrik in Leipzig herstellen und weltweit verkaufen. Silikonimplantate werden heute von Hand hergestellt. Unser Algorithmus hingegen entwirft das Kunststoffgitter automatisch. Das Implantat fertigen wir im 3-D-Drucker.

Eure Kultur ist:
a) perfektionistisch wie bei Apple
b) nerdig wie bei Google
c) gnadenlos wie bei Uber
d) …
… a. Wir brauchen höchste Qualität. Sicherheit und Zufriedenheit der Patienten sind unser oberstes Ziel.

Wie sieht es mit Vielfalt in eurem Unternehmen aus?
In unserem zwölfköpfigen Team gibt es drei Deutsche, Inder, Iraner und weitere Nationalitäten. Schlüsselpositionen wie etwa die der Chefingenieurin sind mit Frauen besetzt.

Was war euer größter Rückschlag?
Wir hatten die Implantate anfangs sehr steif konstruiert. Plastische Chirurgen haben uns dann geraten, sie viel weicher zu machen, da die Frauen sonst nicht auf dem Bauch schlafen können. Wir mussten unser Konzept überarbeiten, was uns ein Jahr gekostet hat.

Wo steht ihr in fünf Jahren?
Dann sind unsere Implantate im Markt angekommen. Und unsere Fabrik in Leipzig fertigt sie für die ganze Welt.

Fakten zum Start-up

Kunden: Klinische Studien beginnen Ende 2019
Finanzierung: Privatinvestoren und Förderung durch die Sächsische Aufbaubank und die EU
Gründung: 2017 in Leipzig
Mitarbeiter: 12

Würde der Profi investieren?

Idee: 5/5
Geschäftsmodell: 3/5
Timing: 3/5
Urteil: „Ein spannender Ansatz, aus Investorensicht aber sehr aufwendig, da mit viel Vorlaufzeit und Ungewissheit in Bezug auf Zulassung und Markteinführung verbunden.“
Anja Rath, Managing Partner bei Cooperativa Venture und ehemalige Geschäfts –
führerin von Brandenburg Ventures, Investmentvehikel des MP3-Erfinders Karlheinz Brandenburg

Ihr seid ein erfolgreiches Start-up?
Bewerbt euch über innovation@wiwo.de