Das Schweizer Start-up wächst mit seiner Kommunikations-Plattform in der Corona-Krise stark – und erhält nun Nachschlag von den Investoren.

Wann startet die Produktion wieder? An wen wende ich mich, wenn ich Erkältungssymptome habe? Wie steuert das Unternehmen durch die Turbulenzen? Die Corona-Krise wirft bei Angestellten viele neue Fragen auf – doch der Blick aufs schwarze Brett ist in den vergangenen Monaten oft nicht möglich gewesen. Und ein Teil der Beschäftigten blieb wegen Kurzarbeitsregeln komplett zu Hause. „Viele Unternehmen hatten plötzlich keine Möglichkeit, ihre Mitarbeiter unmittelbar zu erreichen“, sagt Cristian Grossmann, Gründer und CEO von Beekeeper.

Mit seiner Software ermöglicht es das Schweizer Start-up anderen Unternehmen, Kontakt zu ihren Mitarbeitern zu halten – per App, unabhängig von schwarzen Brettern oder einem Intranet-Zugang. Gefragt war die Software, die ihren Ursprung als Flirt-Plattform hatte, schon vor der Krise, doch wie viele Konkurrenten auch boomt das Geschäft aktuell: 200 neue Kunden kamen in den vergangenen Wochen hinzu, die Nutzungsraten bei Bestandskunden schossen in die Höhe.

Finanzierungsrunde aufgestockt

Das aktuelle Nachfragehoch hat auch das Vertrauen der Geldgeber gestärkt: Gerade haben die Bestandsinvestoren zehn Millionen Dollar (knapp neun Millionen Euro) nachgelegt. Die als Series B verbuchte Finanzierungsrunde, bei der das erste Geld schon im Herbst 2019 geflossen ist, wächst damit auf insgesamt 60 Millionen Dollar. Die aktuelle Krise habe dem Auftrag von Beekeeper ganz neue Dringlichkeit verliehen, kommentiert Juan Muldoon, Partner des in Chicago ansässigen Wagniskapitalgebers Energize Ventures.

Zu den weiteren Investoren gehören Highsage Ventures aus Boston, Thayer Ventures aus San Francisco, die Zürcher Kantonalbank mit ihrem Fonds Swisscanto Invest, das Netzwerk Investiere.ch, die amerikanisch-schweizerische VC-Firma Alpana Ventures sowie die Swisscom und die Schweizerische Post. Der hohe Anteil an US-Investoren ist kein Zufall: Bereits seit 2015 ist Beekeeper in den USA vertreten – laut Grossmann erwirtschaftet das Start-up dort etwa die Hälfte seines Umsatzes.

Betriebsräte geben Widerstand auf

Insgesamt hat Beekeeper eigenen Angaben zufolge 700 Kunden. In Deutschland zählen dazu unter anderem Mediamarkt, Edeka, Mann + Hummel, das Deutsche Rote Kreuz sowie die Berliner Stadtreinigungsbetriebe. Vor zwei Jahren hatte Beekeeper in Berlin einen Standort eröffnet. „Das Wachstum liegt nach wie vor über dem Vorkrisenniveau“, sagt der Gründer. Vielen Unternehmen werde bewusst, dass sie eine wirksame Lösung brauchen – „auch im Hinblick auf eine mögliche zweite oder dritte Welle.“

Eine Hürde in der Vergangenheit: Oft sperrten sich die Mitarbeitervertreter dagegen, dass auf privaten Smartphones eine App des Arbeitgebers installiert werden soll. Doch die Bedenken nehmen ab. „Wenn der Betriebsräte den Nutzen sehen, werden sie oft zum größten Fürsprecher einer solchen Lösung“, so die Erfahrung von Grossmann. Schließlich sorge Beekeeper dafür, dass auch Mitarbeiter ohne PC-Arbeitsplatz informiert bleiben – und hebe so die „Zweiklassen-Gesellschaft“ in Bezug auf die Mitarbeiterkommunikation auf.

Schichtpläne integriert

Das frische Kapital will das aktuell 180 Mitarbeiter große Start-up nun nutzen, um einen Marktplatz für seine Plattform aufzubauen. Die Idee ist eine App Store, über die andere Softwareanbieter Erweiterungen und Integrationen anbieten können. Bereits jetzt gibt es unter anderem eine Möglichkeit, über Beekeeper auch Schichtpläne zu bearbeiten. „Wir entwickeln uns von einem reinen Kommunikationstool weiter zu einem Helfer bei operativen Fragen“, so Grossmann.

Integriert werden sollen etwa auch digitale Formulare – beispielsweise für die Bestellung von Schutzbekleidung. Mit „Beekeeper 2.0“ will das Start-up in den kommenden Wochen eine neue Version seiner Software veröffentlichen. Die bietet auch Automatisierungen für die Kommunikation: So gibt es eine erweiterte automatische Übersetzung sowie Chatbots. „In der Pandemie hat sich gezeigt, dass viele Mitarbeitern dieselben Fragen stellen“, sagt Grossmann.