Für eine zweistellige Millionensumme haben die Gründer die Mehrheit an ihrem Start-up Barzahlen verkauft. Sie bleiben aber weiterhin Geschäftsführer.

Während in Ländern wie Schweden und Dänemark das Zahlen mit Bargeld mittlerweile regelrecht exotisch, nahezu nostalgisch anmutet (beide Länder wollen das Bargeld bis 2023 beziehungsweise 2030 gänzlich abschaffen), kämpfen Scheine und Münzen hierzulande nach wie vor um ihre Berechtigung – und das ziemlich erfolgreich:

Laut einer Umfrage der Bundesbank trägt jeder Deutsche im Schnitt rund 107 Euro im Geldbeutel mit sich und bunkert zu Hause gar 2.000 Euro in Scheinen und Münzen. Und so soll es auch bleiben: 88 Prozent der Befragten wollen auch in Zukunft weiterhin in bar bezahlen.

An die Daseinsberechtigung des Bargelds glauben auch die Gründer des Berliner Fintechs Barzahlen. Die junge Firma hat ein System entwickelt, mit dem Online-Rechnungen – beispielsweise von Stromanbietern oder Telefonkonzernen – bei Kooperationspartnern wie Rewe, Toom, Rossmann oder Debitel mit Bargeld bezahlt werden können. Nicht nur bei den Nutzern, sondern auch bei Investoren kommt dieses Konzept an.

Strategische Partnerschaft mit Glory

Wie dieser Tage bekannt gegeben wurde, hat das japanische Unternehmen Glory, ein Produzent von Bargeld-Sortiermaschinen, 53 Prozent des Unternehmens übernommen und in diesem Zuge den Großteil der Investoren abgelöst: darunter der Wagniskapitalgeber Alstin von DHDL-Juror Carsten Maschmeyer, Rewe Digital, die Berlin Technologie Holding sowie der inzwischen ausgestiegene Mitgründer Florian Swoboda. „Ich bin fest überzeugt, dass Bargeld auch in einer digitalen Zukunft Bestand hat. Es ist nach wie vor mit Abstand das am häufigsten genutzte Zahlungsmittel in Deutschland. Was mir deshalb besonders gefällt: Sie verstehen das digitale Barzahlen-Geschäft und verbinden die analoge und digitale Welt miteinander“, ließ sich Carsten Maschmeyer zitieren.

Weiterhin beteiligt sind die 2016 eingestiegene Grenke Bank und die beiden Gründer Achim Bönsch und Sebastian Seifert, die beide jeweils zehn Prozent am Unternehmen halten, wie Seifert im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer bestätigte. Die strategische Partnerschaft mit Glory sei ein wichtiger Schritt bei der Internationalisierung: „Glory arbeitet schon viele Jahre in den verschiedenen europäischen Märkten wie Spanien, Polen und Frankreich mit unseren wichtigsten Zielkunden zusammen“, so Seifert. „Grenke ist für uns neben der Gesellschafterrolle ein wichtiger operativer Partner, da sie die Banklizenz zur Verfügung stellen, die wir brauchen, um unser Geschäftsmodell zu betreiben. Sie haben den Kooperationsvertrag langfristig im Rahmen dieses Deals verlängert“, sagte er weiter.

Die vom Magazin Finance Forward  kommunizierte Summe von 22,5 Millionen Euro wollte Seifert dagegen nicht kommentieren: „Dazu haben wir vertraglich Stillschweigen vereinbart.“