Die Software des Start-ups verbindet Angestellte intern mit den passenden Fachabteilungen. Der Trend zum Homeoffice könnte den Berlinern helfen. Investoren stellen nun drei Millionen Euro bereit.

Die Verbindung vom Homeoffice ins Firmennetzwerk hakt, der Urlaubsantrag muss auf den Weg gebracht und die neue Stellenausschreibung dringend freigegeben werden: Solche alltäglichen Fragen bremsen Angestellte in vielen Firmen jeden Tag aus. Wenn ein großer Teil der Belegschaft im Homeoffice ist, können noch einmal Hürden dazu kommen. Der schnelle Gang über den Flur zur IT-Abteilung oder das Treffen mit der Personalerin in der Kaffeeküche fallen aus. Zahlreiche Software-Anwendungen von Start-ups und Tech-Giganten dienen sich an, um den internen Austausch per Chat, Wiki oder Videokonferenz zu ermöglichen.

Gerade in Konzernen sind aber noch nicht alle Prozesse auf diese Kanäle umgestellt. „Unternehmen stehen vor der Herausforderung, sich schnell an die digitale Kommunikation anzupassen“, sagt Christian Eggert. Das Start-up Back Technologies, das Eggert vor knapp zwei Jahren gemeinsam mit James Lafa und Janis Zech gegründet hat, fokussiert sich auf ein spezielles Problem: Die Software will Anfragen von Mitarbeitern an die IT, die Personal- oder Rechtsabteilung oder andere interne Dienstleister organisieren. Das Programm soll einfache Fragen, die etwa im internen Chat oder per Mail gestellt werden, selbst beantworten – bei komplizierten Themen stellt es direkt den Kontakt zum passenden Ansprechpartner her.

Geld von Familienunternehmern, Gründern und Google

Eine Finanzierungsrunde über etwa drei Millionen Euro soll nun helfen, die Anwendung bekannter zu machen. Das hat WirtschaftsWoche Gründer vorab erfahren. „Organisationen erleben eine rasche Ausbreitung digitaler Chat-basierter Kommunikation“ sagt Judith Dada, Partnerin beim Risikokapitalgeber La Famiglia. „Diese Entwicklung erfordert gleichzeitig einen einfachen und automatisierten Zugang zu Informationen innerhalb dieser Systeme zu schaffen.“ La Famiglia, der das Geld zahlreicher deutscher Unternehmerfamilien investiert, führt die aktuelle Runde an. Daneben beteiligen sich das Google-Vehikel Gradient Ventures sowie zahlreiche Tech-Manager und Start-up-Gründer. Die Bestandsinvestoren Point Nine Capital und Seedcamp ziehen ebenfalls mit.

Mit dem Geld will das Start-up mit aktuell 15 Mitarbeitern sowohl in den USA als auch in Europa auf Kundensuche gehen. „Ein Großteil unserer Kundschaft ist in Europa verankert, oft aber mit hoher Präsenz in anderen Regionen wie USA und Asien“, sagt Eggert gegenüber WirtschaftsWoche Gründer. Das Team soll sich innerhalb des nächsten Jahres verdoppeln.

Unterwegs in einem neuen Ökosystem

Back ist damit unterwegs in einem relativ neuen Software-Umfeld – das sich allerdings rasend schnell entwickelt. Zahlreiche Anbieter wollen die Arbeit in verschiedenen Firmen-Abteilungen digitalisieren – von der Personalabteilung bis zur Prozessauswertung. So entsteht ein digitales Ökosystem rund um die Unternehmenssoftware. Wo früher nur SAP im Einsatz war, sind jetzt zahlreiche Programme online. Jetzt geht es zunehmend darum, wie sich die einzelnen Anwendungen nahtlos miteinander verknüpfen lassen.

Dabei hat Eggert keine Sorgen, dass die digitalen Platzhirschen ihr Angebot zu stark ausweiten und Back Konkurrenz machen. „Das Thema des Enterprise Service Management hat sich in den letzten Jahren als eigenständiges Feld etabliert und die KI-Systeme müssen gut auf die Anwendungsfälle in HR, IT und anderen Teams entwickelt sein“, sagt Gründer Christian Eggert. Wichtige Marktteilnehmer wie Slack oder Microsoft hätten zuletzt eher Partnerschaften gesucht: „Wir arbeiten selbst auch mit den Anbietern eng zusammen“, so Eggert.