Im Elevator Pitch der WirtschaftsWoche treten heute die Gründer von Babybe Medical, Raphael Lang (Foto) und Camilo Anabalon, an. Ihr Start-up entwickelt eine vernetzte Matratze für Frühchen. Wie urteilt Investor Frank Thelen?

Raphael, Camilo, ihr habt eine Minute im Fahrstuhl mit einem möglichen Geldgeber. Wie lautet euer Elevator Pitch?
Wir haben eine Matratze für Frühchen entwickelt, die den Zustand nachstellt, wenn das Kind im Mutterleib ist. Die Matratze ist wie ein weiblicher Oberkörper, hat  Lungenflügel, einen Herzschlag. Ein Gerät fühlt bei der Mutter Atmung und Puls und überträgt sie per Datenleitung an die Matratze. Auch die Stimme wird wiedergegeben. Das alles ist von Bedeutung, weil 90 Prozent der lebenswichtigen Neuronen im Hirn gebildet werden, wenn ein Kind normalerweise noch im Bauch der Mutter ist. Fehlen diese typischen Reize, kann es später etwa zu Atemaussetzern und Sprachstörungen kommen.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?
Der Chefarzt einer Stuttgarter Klinik hat uns gefragt, warum es kein Skype für Frühchen gibt. Dann könnte die Mutter doch von daheim mit dem Baby im Brutkasten kommunizieren. So entstand die Idee.

Und wie verdient ihr damit Geld?
Frühgeburt ist eine der häufigsten Diagnosen der Welt. Wir haben inzwischen die Zulassung der US-Arzneimittelaufsicht FDA. Bei unseren Produktionspartnern lassen wir gerade die Serienfertigung aufbauen, um die Technik massenhaft an Kliniken zu verkaufen.

Eure Kultur ist:
a) perfektionistisch wie bei Apple
b) nerdig wie bei Google
c) gnadenlos wie bei Uber
d) …Perfektionistisch, nerdig – und extrovertiert, um Klinikärzte und Schwestern überzeugen zu können.

Wie sieht es mit Vielfalt in eurem Unternehmen aus?
Camilo ist aus Chile, wir haben Leute aus Kolumbien und ein Büro in China. Der Frauenanteil liegt bei 50 Prozent.

Was war euer größter Rückschlag?
Corona trifft uns doppelt. In Amerika können wir nicht in die Kliniken, um Geräte zu verkaufen. In Deutschland und in China stockt die Produktion.

Wo steht ihr in fünf Jahren?
Dann gibt es die Matratze in den meisten US-Krankenhäusern, und wir haben das Unternehmen verkauft. Auf Dauer selbst einen Vertrieb für nur ein Produkt aufzuziehen ist nicht effizient.

Fakten zum Start-up

Kunden: Knapp 30 Krankenhäuser in Europa, drei Kliniken in den USA sowie eine Klinik in Saudi-Arabien
Finanzierung: Wagniskapital aus dem Silicon Valley und Förderfonds deutscher Banken
Gründung: 2013 in Stuttgart
Mitarbeiter: 7

Würde der Profi investieren?

Idee: 4/5
Geschäftsmodell: 3/5
Timing: 2/5

Urteil: „In der Medizin zu gründen birgt einige Herausforderungen. Deshalb habe ich großen Respekt vor den Gründern und hoffe, dass sie mit ihrem Produkt die Chancen der vielen zu früh geborenen Kinder erhöhen können.“
Frank Thelen, Gründer der Wagniskapitalfirma Freigeist, einstiger Investor bei MyTaxi und Wunderlist

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