Die App hilft Amateurfußballern mit individuellen Fitnessplänen. Das macht sogar Profi-Spielerinnen neugierig – und auch den Freeletics-Chef.

Sie ist Kapitänin beim FC Bayern München, Stammspielerin in der Deutschen Nationalmannschaft – und Fan eines jungen Münchener Start-ups: Lina Magull verweist auf ihren Profilen in den sozialen Netzwerken immer wieder auf B42. Das junge Unternehmen entwickelt eine App, die vor allem Amateurfußballern und -Fußballerinnen individuelle Fitnesspläne liefert.

Dazu gehören Athletikprogramme, um Verletzungen vorzubeugen. Intensive Kraft- und Ausdauertrainings für die Sommer- und Winterpause. Und mit Regenerationsübungen aufgelockerte Pläne für die eigentliche Spielzeit. „Wir versuchen, eine Lösung zu bieten, die auf die jeweilige Phase der Saison zugeschnitten ist“, sagt Gründer Andreas Gschaider.

Vom Trainings-PDF zur Apple-Empfehlung

Entstanden ist das Start-up aus eigenem Antrieb. Gschaider, eigentlich Kriminalbeamter und ambitionierter Amateurfußballer, entwickelte für sich passende Pläne für Fitnesstraining und Ernährung – und verschickte die zu Beginn als PDF an Bekannte. Daraus entstand dann eine App, die im Sommer 2019 an den Start ging. Und in diesem Mai dann von Apple im App-Store hervorgehoben wurde.

Ein wichtiger Schub. Denn für neue Apps ist es nicht leicht, aus der Masse hervorzustechen. Das gilt insbesondere auch für Fitness-Anwendungen. In der Coronakrise stieg zwar die Nachfrage, dennoch ringen zahlreiche Programme um die Aufmerksamkeit der Nutzer. B42 will sich mit einem klaren Fokus auf die Gruppe der Amateurfußballer absetzen. „Wir entwickeln die Sachen, die wir vor zehn Jahren selbst gerne gehabt hätten“, sagt Gschaider.

Ringen um Aufmerksamkeit und zahlende Nutzer

Die potenzielle Zielgruppe ist dabei groß: Der Deutsche Fußball-Bund hat über sieben Millionen Mitglieder, etwa drei Millionen davon sieht Gschaider als relevante Nutzer an. Zudem ist man bereits mit einer englischen Version gestartet. Der Gründer räumt jedoch auch ein, dass der Kampf um die digitale Bühne anstrengend ist: „Das Bewusstsein für diese Herausforderung ist zum Glück erst im Nachhinein entstanden, sonst hätte ich es vielleicht gar nicht erst gewagt.“

100.000 Mal sei die eigene App mittlerweile bereits heruntergeladen worden, meldet das Start-up stolz – unter den Anwendern ist auch eine Jugendmannschaft von Eintracht Frankfurt. Die große Aufgabe ist es für B42 jetzt, möglichst viele Nutzer dazu zu bewegen, auch für Extra-Inhalte in der App zu bezahlen. Je nach Laufzeit kostet der Premium-Zugang etwa fünf bis acht Euro pro Monat.

Freeletics-Chef steigt als Investor ein

Mit Erfahrung und Kapital kann nun einer der ersten Business Angel helfen: Der Chef der Fitness-App Freeletics, Daniel Sobhani, ist nun bei B42 als Gesellschafter eingestiegen. Das Start-up sei „einer der hoffnungsvollsten Player unter den Sport-Apps“, lässt sich der Tech-Unternehmer in einer Pressemitteilung zitieren. Freeletics ist mit einem allgemeineren Fitness-Angebot einen ähnlichen Weg gegangen wie B42 – hat mittlerweile aber nach eigenen Angaben bereits mehr als 40 Millionen Nutzer weltweit.

Als nächsten wichtigen Schritt will B42 rund um den Jahreswechsel eine neue Anwendung auf dem App-Markt ins Spiel bringen: Dort soll es insbesondere um die ausgewogene Ernährung für ambitionierte Amateurkicker gehen. Parallel hofft das aktuell 14-köpfige Team jedoch vor allem, dass Corona bald nicht mehr die Trainings- und Spielpläne der unteren Ligen bestimmt. „Die Pandemie bringt uns durchaus etwas Aufmerksamkeit, weil wir für einen Teil der Probleme der Spieler eine Lösung anbieten“, sagt Gschaider. „Aber langfristig ist es natürlich weder für uns noch für den Sport besonders förderlich.“