Der Marktplatz aus dem Rocket-Universum hatte im vergangenen Jahr Konkurrent Lemoncat übernommen. Nun wird ein Wettbewerber in Frankreich geschluckt. Doch auch andere Anbieter bündeln Anfragen von hungrigen Geschäftskunden.

Canapés zum Kundentermin, Wraps für das Teammeeting, ein warmes Buffett zur Hauptversammlung: Immer wieder müssen Unternehmen Essen auftischen – und in den meisten Fällen reisen dafür Caterer mit silbernen Tabletts und Warmhalteplatten an. Doch auch dieses Geschäft wird digitaler: Plattformen und Marktplätze wollen Geschäftskunden und Essenslieferanten vernetzen. Statt immer die gleichen Schnittchen zu servieren, könnten so leichter verschiedene Geschmäcker bedient werden, argumentiert Adrian Frenzel. Er leitet die B2B Food Group, unter der einige Catering-Plattformen gebündelt sind. In Zeiten von anspruchsvollen Arbeitnehmern und dem Werben um Fachkräfte kann diese kulinarische Vielfalt zudem auch ein Argument im Werben um Mitarbeiter sein: „Da sind wir hilfreich für Unternehmen, weil wir Abwechselung in die Firma hereinbringen“, sagt Frenzel gegenüber WirtschaftsWoche Gründer.

In Deutschland sieht sich die B2B Food Group, die von Rocket Internet gestartet wurde, als Nummer eins auf dem digitalen Catering-Markt für Geschäftskunden. Gelungen ist dies unter anderem durch die vollständige Übernahme des deutschen Mitbewerbers Lemoncat vor einem halben Jahr. Hierzulande ist das Unternehmen als Caterwings unterwegs. In sieben Ländern ist die Gruppe insgesamt bereits auf dem Markt.

Monbanquet gehört jetzt zur B2B Food Group

Ein achtes ist frisch dazugekommen: Das Start-up hat jetzt den französischen Mitbewerber Monbanquet zu einem nicht kommunizierten Preis übernommen. „Frankreich ist ein super attraktiver Markt“, sagt Frenzel, „wir hatten dort selbst einen Test gestartet.“ Monbanquet hat nach eigenen Angaben seit der Gründung vor vier Jahren das Catering für etwa 10.000 Veranstaltungen vermittelt.

Im Fokus stand dabei lange die Hauptstadt Paris. Jetzt will sich das Start-up aber auch in weitere französische Städte vorarbeiten. Das passt zur Strategie der B2B Food Group. Die will durch die internationale Ausbreitung auch attraktiver für größere Unternehmen werden. Die müssen dann nicht mehr an jedem Standort eine Liste mit Caterern führen, sondern können über die Plattform bestellen. „Jetzt sind wir in der Lage, Europa abzudecken“, sagt Frenzel.

Konkurrenzkampf der Catering-Plattformen

Geschäftsführer Frenzel, der zuvor das US-Geschäft von Hellofresh mit aufgebaut hat, erwartet zudem eine weitere Konsolidierung auf dem Markt der Catering-Plattformen. Die müssen daran arbeiten, gleichzeitig für Unternehmen und Caterer attraktiv zu bleiben. Das bedeutet: Das Angebot und die Verfügbarkeit müssen in vielen Städten groß sein, gleichzeitig darf die Provision pro Caterer nicht zu hoch werden. Zudem müssen die Start-ups viel Geld für Online-Marketing in die Hand nehmen: Bei entsprechenden Google-Suchen finden sich meist eine ganze Reihe an bezahlten Anzeigen der verschiedenen Plattformen.

Denn der Hunger auf den Milliarden-Markt ist – noch – recht groß: In Deutschland wirbt etwa Heycater mit Angeboten für einen vegetarischen Business-Lunch oder ein italienisches Buffet um Firmenkunden. Das Berliner Start-up hat bereits eine Krise hinter sich, in der die Hälfte der Mitarbeiter gehen musste, wie Gründerszene berichtet. Ende 2018 legte Mein Wunschcatering so richtig los – das Start-up arbeitetet mit einer vorgefertigten Auswahl an Speisen zu Paketpreisen, die dann von lokalen Partnern zubereitet und geliefert werden. Einige größerer Catering-Firmen bieten zudem ihre Dienste heute bereits bundesweit an. Catero mit Sitz in Hamburg sieht sich als Suchmaschine, auf der sich Caterer gegen eine monatliche Gebühr listen lassen können. Die Plattform Gocater hat ihre Webseite seit einigen Monaten still gelegt. Angeblich sei man dabei, „das Produkt für den deutschen Markt zu überarbeiten“.

Eine neue Marke für die lokalen Märkte

Wie erfolgreich die Versuche der B2B Food Group sind, lässt sich nicht genau feststellen. In den letzten Reports von Hauptgesellschafter Rocket Internet, die stets nur „ausgewählte Firmen“ aus dem Portfolio umfasst, taucht die Catering-Plattform nicht auf. Geschäftsführer Frenzel betont im Gespräch, dass es nicht um eine Holding-Struktur für lokale Cater-Plattformen gehe. In näherer Zukunft sollen diese gemeinsamen Anstrengungen noch sichtbarer werden: Die Gruppe arbeitet an einem neuen Markenauftritt für alle Plattformen.

Investitionen in die Technologie sollen zudem in allen Ländern helfen, die genaue Abstimmung von Portionsanzahl, -größe und Lieferbedingungen komplett digital zu erfassen. „Die Online-Buchungen sind komplex“, sagt Frenzel. Die Vision: Der Prozess soll trotzdem so simpel funktionieren wie die private Essensbestellung zuhause. „Unsere Kunden sind Online-Bestellungen gewöhnt, für den Caterer ist das logistisch aber deutlich schwieriger“, so Frenzel.

Aktuell nähert sich der deutsche Ableger Caterwings über einen Fragebogen dem Kunden: Was für ein Event ist geplant? Wie viele Personen nehmen teil? Und wie hoch ist das Budget pro Person? Dann erhält das Unternehmen passende Catering-Vorschläge – und soll so auf den Geschmack kommen.