Im Elevator Pitch der WirtschaftsWoche tritt heute das Team von Avery Fertility, Fabian Blatt, Lia Grünhage und Frederik Brandis, an. Das Start-up baut Barrieren in der Reproduktionsmedizin ab. Wie urteilt Investor Felix Haas?

Lia, Fabian, Frederik, ihr habt eine Minute im Fahrstuhl mit einem möglichen Geldgeber. Wie lautet euer Elevator Pitch?
Wir Deutschen werden immer später Eltern, sind uns aber nicht bewusst, dass unsere Körper dann oft nicht mehr mitspielen. Die meisten denken, die Fruchtbarkeit nimmt bei Frauen nach dem 40. Lebensjahr ab, tatsächlich passiert das ab Anfang 30. Im ersten Schritt klären wir Menschen also online darüber auf. Im zweiten stellen wir den  Zugang zu Reproduktionsmedizinern her, wo unsere Nutzer etwa Eizellen oder Spermien einfrieren lassen können. Wir begleiten sie dabei den ganzen Weg. Um sich bisher aufklären zu lassen, musste man ein Kinderwunschzentrum finden, Termine vereinbaren, dort erscheinen. Wir bieten das digital und am Telefon an.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?
In unserem Freundeskreis haben fast alle gesagt, dass sie Kinder wollen – aber irgendwann mal. Zwei Freunde mussten dann erleben, dass es zu spät war. Der  Leidensdruck, als der Kinderwunsch unerfüllt blieb, war enorm. Den wollen wir anderen ersparen.

Und wie verdient ihr damit Geld?
Die Beratung ist kostenlos. Wir bekommen aber eine Provision von Partnerärzten, wenn sie unsere Nutzer behandeln. Der Markt, Eizellen und Spermien einzufrieren, ist noch überschaubar. Wir wollen ihn aber entwickeln.

Eure Kultur ist:
a) perfektionistisch wie bei Apple
b) nerdig wie bei Google
c) gnadenlos wie bei Uber
d)…Wir wollen gesellschaftlich was verändern, etwa das Stigma beseitigen, dass nur Karrierefrauen Eizellen einfrieren.

Wie sieht es mit Vielfalt in eurem Unternehmen aus?
60 Prozent unserer Mitarbeiter sind Frauen, bei uns arbeiten Betriebswirte, Philosophen, Mediziner.

Was war euer größter Rückschlag?
Unser Dienst ist im Januar gestartet, im März hat Corona die Welt verändert – schlechtes Timing.

Wo steht ihr in fünf Jahren?
Dann versteht jeder seine Fruchtbarkeit. Und wir sind international aktiv.

Fakten zum Start-up

Kunden: Einige Hundert
Finanzierung: Privatinvestoren
Gründung: 2019 in Berlin
Mitarbeiter: 5

Würde der Profi investieren?

Idee: 4/5
Geschäftsmodell: 3/5
Timing: 5/5

Urteil: „Dem Vorhaben gebührt Applaus. Das Team kommt aus dem Umfeld von Amorelie, bringt also Erfahrung mit. Entscheidend wird nun sein, eine starke Marke aufzubauen und sie zu besetzen.“
Felix Haas, Gründer des Onlineticketanbieters Amiando, Investor und Co-Organisator der Gründerkonferenz Bits & Pretzels

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