Im Elevator Pitch der WirtschaftsWoche tritt heute das Team von Appinio, Max Honig, Jonathan Kurfess und Kai Granaß, an. Das Start-up liefert Unternehmen schnelle Rückmeldungen aus anvisierten Zielgruppen. Wie urteilt Investor Herbert Mangesius?

Jonathan, Max, Kai, ihr habt eine Minute im Fahrstuhl mit einem möglichen Geldgeber. Wie lautet euer Elevator Pitch?
Wir ermöglichen Unternehmen die schnellste repräsentative Marktforschung der Welt. Sie können praktisch in Echtzeit Tausende Antworten jeder beliebigen Zielgruppe erhalten. Um Nutzer in die App zu locken, haben wir ein soziales Netzwerk für Meinungen aufgebaut, wo jeder Fragen stellen und beantworten kann. Die von den Firmen bezahlten Umfragen streuen wir dort ein. Wir bekommen so viel ehrlichere Antworten.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?
Jonathan hat im Marketing eines Zigarettenherstellers gearbeitet. Das Team dort hat immer wieder aus dem Bauch Entscheidungen fürs Produkt getroffen, obwohl es selbst gar nicht die Zielgruppe war. Marktforschung war ihnen zu teuer und dauerte zu lange. Jonathan hat dann die Idee zu Appinio seinem Arbeitgeber vorgestellt. Der wollte nicht, also hat Jonathan gekündigt.

Und wie verdient ihr damit Geld?
Unternehmen zahlen für die Umfragen, abhängig von Teilnehmerzahl und Zielgruppe. Je spitzer die Zielgruppe, desto höher ist der Preis pro Teilnehmer.

Eure Kultur ist:
a) perfektionistisch wie bei Apple
b) nerdig wie bei Google
c) gnadenlos wie bei Uber
d)…Die ist sehr unternehmerisch. Alle, die bei uns anfangen, sind Teil des erweiterten Gründerkreises. Sie müssen entsprechend Eigeninitiative zeigen.

Wie sieht es mit Vielfalt in eurem Unternehmen aus?
Von zuletzt sieben Neueinstellungen waren immerhin sechs Frauen. Auch hatten wir vor Jahren einen syrischen Flüchtling aufgenommen und ausgebildet. Heute leitet er die App-Entwicklung.

Was war euer größter Rückschlag?
Kurz nach Start hat einer unserer Top-Entwickler hingeworfen – Tage vor der ersten Finanzierungsrunde. Wir mussten binnen Stunden Ersatz finden.

Wo steht ihr in fünf Jahren?
Dann haben wir die Echtzeitmarktforschung global etabliert. Heute sind wir schon in sechs Ländern aktiv, darunter in den USA, in Österreich und in Großbritannien.

Fakten zum Start-up

Kunden: 650 zahlende Firmenkunden, 500 000 Nutzer
Finanzierung: Privatinvestoren und laufende Einnahmen
Gründung: 2014 in Hamburg
Mitarbeiter: 30

Würde der Profi investieren?

Idee: 2/5
Geschäftsmodell: 2/5
Timing: 3/5

Urteil: „Schnelle, iterative Prozesse, in die Kunden einbezogen werden, sind heute unerlässlich. Unklar ist mir, wie Appinio die Mitglieder langfristig im sozialen Netzwerk hält, um von ihnen verlässlich ehrliche Meinungen zu bekommen“
Herbert Mangesius, Raketeningenieur und Partner beim Münchner Wagniskapitalfinanzierer VSquared Ventures

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