Die Cloud-Software aus München erleichtert Immobilien-Firmen das Finanzmanagement. In der Corona-Krise wächst die Nachfrage. 

Von der Elbphilharmonie in Hamburg über Stuttgart21 bis zum Berliner Flughafen: Bei Großprojekten sind Kostenexplosionen eher die Regel als die Ausnahme. Ein Grund dafür neben Planungsfehlern ist die mangelnde Transparenz während der Bauphase, sagt Benjamin Günther: „Durch manuelle Prozesse weiß man oft gar nicht, wo ein Projekt finanziell steht.“ Mit Alasco wollen er und seine Mitgründer Anselm Bauer und Sebastian Schuon Abhilfe schaffen. Die Cloud-Software soll ein „Real-Time-Controlling“ für Bauprojekte ermöglichen.

Die Software dient als zentrale Plattform, mit der Verträge, Aufträge und Rechnungen verwaltetet und freigegeben werden. Übersichten zu Ausgaben und Budgets sind so immer auf dem aktuellsten Stand. Eine weitere Arbeitserleichterung: Bauherren, Architekten und Projektmanager können auf dieselbe Datenbasis zugreifen und müssen sich keine Kostenpläne und Excel-Tabellen mehr hin- und herschicken. Das Ziel: „Wir wollen vom Bauherrn bis zum Handwerksbetrieb einen Mehrwert für alle bieten, die an großen Immobilienprojekten beteiligt sind“, sagt Günther.

Für das Gründer-Trio ist Alasco nicht das erste Start-up: 2009 hatten die Studienfreunde Stylight gegründet, eine Suchmaschine für Modeartikel. 2016 verkauften die Gründer das Unternehmen dann an den Medienkonzern ProSiebenSat.1. Zwei Jahre nach dem Exit folgte die Neugründung. Die Idee lieferte ein Bekannter, der in der Baubranche tätig ist – und eine Alternative zur Rechnungsverwaltung auf dem Papier suchte.

7,5 Millionen Euro von Investoren

Seit dem Software-Start im März 2019 hat das Münchener Start-up eigenen Angaben zufolge mehr als 70 Unternehmen von sich überzeugt. Einer der Vorzeige-Kunden ist Taurecon Real Estate Consulting. Der Projektentwickler ist für Quartier Heidestrasse in Berlin verantwortlich – ein Neubauareal mit 920 Wohnungen sowie Gewerbe- und Einzelhandelsflächen. Weitere Referenz-Kunden sind die Opes Immobilien Gruppe, Thost und KVL Group. Laut Günther rechnet sich die Software bei Projekten ab einem Volumen von fünf Millionen Euro.

Mitten in der Corona-Krise hat Alasco nun eine Finanzierungsrunde in Höhe von 7,5 Millionen Euro abgeschlossen. Neu im Gesellschafterkreis sind Global Founders Capital, eine Beteiligungsgesellschaft der Samwer-Brüder, und der Proptech-Investor Anyon. Beteiligt waren zudem die Bestandsinvestoren HV Holtzbrinck-Ventures, Picus Capital und die Flixbus-Gründer.

Im Unterschied zu vielen anderen B2B-Start-ups hat Alasco in den vergangenen Monaten keine Kunden verloren – im Gegenteil: „Der Wechsel ins Homoffice hat Immobilien-Unternehmen gezeigt, wie hilfreich eine zentrale Cloud-Software ist“, sagt Günther. Auch für den Rest des Jahres erwartet der Gründer eine steigende Nachfrage: Der wachsende Kostendruck führe dazu, dass Effizienzgewinne durch die Digitalisierung von Prozessen stärker in den Fokus rückten.

Wachstum in der Krise

Ähnlich ist die Entwicklung auch bei anderen Proptechs, also auf die Immobilienbranche spezialisierten Technologie-Start-ups. So hat gerade Plan4 Software den Kölner Wagniskapitalgeber BitStone Capital sowie den Immobilien-Dienstleister Sprengnetter als neue Investoren gewonnen. Die Software des Freiburger Start-ups soll die Zustandsbewertung und die Überwachung von Sanierungsarbeiten erleichtern.

Bei Alasco im Vordergrund steht nun die Erweiterung der Plattform. Das aktuell 45-köpfige Team soll dazu im Laufe des Jahres um 25 bis 30 Mitarbeiter wachsen. Geplant sind etwa Integrationen etwa zu ERP-Systemen, also Softwarepaketen zur Unternehmenssteuerung. Auch Verbindungen mit anderen Plattformen sind denkbar – eine ganze Reihe von Proptechs versucht die an Immobilienprojekten beteiligten Parteien in der Cloud zusammenzubringen. Als „Bau-Betriebssystem“ sieht sich etwa das ebenfalls in München ansässige Start-up Capmo, einen Schwerpunkt auf Baumängel legt Planradar aus Wien.