Das Münchener Start-up ging Ende vergangenen Jahres insolvent – und wechselt nun bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr den Besitzer.

Ob Wochenend-Ausflug, Geschäftsreise oder mehrwöchige Urlaubstrips: Für Privatleute ist es verlockend, die eigene Wohnung während der eigenen Abwesenheit über Airbnb weiterzuvermieten. Doch wer organisiert die Schlüsselübergabe? Wer kümmert sich um die Reinigung und wer beantwortet Fragen der Gäste? Airgreets aus München ist 2016 angetreten, um all das zu übernehmen. Was zunächst nach einer Erfolgsgeschichte aussah, zahlte sich am Ende nicht aus: Im Dezember musste das Start-up Insolvenz anmelden.

Im Februar hatte es dann einer glücklichen Rettung ausgehen: Damals übernahm der Immobilienentwickler und Hotelbetreiber Morten Group. „Airgreets passt perfekt in unsere Expansionsstrategie“, ließ sich Geschäftsführer Wolfgang Kaeser zitieren. Doch besonders lange sollte die „gemeinsame Zukunft mit dem engagierten Airgreets-Team“ nicht andauern: Wie nun bekannt wurde, hat das Start-up erneut den Besitzer gewechselt. Käufer ist das Wiener Start-up Guestia, das mit einem ganz ähnlichen Geschäftsmodell unterwegs ist.

Schwer getroffen vom Lockdown

„Für uns war das eine sehr gute Gelegenheit, um unser Wachstum zu beschleunigen“, sagt Guestia-Geschäftsführer und COO Martin Thor. Über finanzielle Details zur Transaktion sei Stillschweigen vereinbart worden. Mutmaßlich dürfte die Bewertung von Airgreets für den Käufer günstig gewesen sein: Wie bei anderen Reise-Start-ups auch lag das Geschäft der Münchener mit dem Corona-Lockdown plötzlich brach – entsprechend wenig Freude dürfte die Morten Group zuletzt an Airgreets gehabt haben.

Entscheidend vorangetrieben hat den Deal laut Thor der Investor Falkensteiner Ventures. Das auf junge Tourismus-Unternehmen spezialisierte Beteiligungsunternehmen des Hotelmagnaten Erich Falkensteiner war Ende des vergangenen Jahres bei dem Wiener Start-up eingestiegen. Seinen Ursprung hat das Unternehmen in einem Vermittlungsdienst von Reinigungsdienstleistungen. „Viele Kunden waren Vermieter von Appartements“, sagt Gründer Michael Hufnagl. „Schritt für Schritt kamen dann andere Dienstleistungen wie ein professioneller Wäscheservice und die Schlüsselübergabe hinzu.“

Expansionskurs Richtung Küste

Die noch frische Marke Guestia soll nach dem Zukauf aus dem Außenauftritt weitgehend verschwinden. „Airgreet ist am Markt sehr viel bekannter“, sagt Thor. Das Geschäft der Münchener wolle man nun deswegen unter dem Namen „Airgreets City“ weiterführen. Guestia selbst legte bisher den Fokus auf die Verwaltung und Vermarktung von Ferienimmobilien. Die Sparte wird künftig als „Airgreets Home“ bezeichnet. Vertreten war Guestia bisher außer in Wien auch in Tirol, Salzburg und Oberösterreich. Von Airgreets übernommen werden die Aktivitäten in Köln, Hamburg und München. Die Geschäfte in Düsseldorf und Frankfurt werden eingestellt.

Vorantreiben will das fusionierte Unternehmen nun vor allem das Geschäft in Urlaubsregionen. Noch in diesem Jahr sollen die Nord- und Ostsee hinzukommen. Auch der Markteintritt in Italien ist geplant. Aktuell verwalten Airgreets und Guesta mehr als 1.000 Wohnungen. Den Vermietern nimmt das Start-up nicht nur die Inserate in Buchungsportalen ab, den Kontakt mit den Gästen, die Schlüsselübergabe und die Reinigung ab. Ähnlich wie es RoomPriceGenie mit Hotelzimmern macht, sollen auch die Preise ständig optimiert werden. Für den Rund-um-Service behält das Start-up ein Viertel der Mieteinnahmen ein.

Team verkleinert

Trotz des Expansionskurses ist das Team deutlich verkleinert worden: Hatte Airgreets nach Angaben des Insolvenzverwalters im Februar noch mehr als 160 Mitarbeiter, arbeiten nun laut Thor noch 35 Mitarbeiter im Münchener Büro. Hinzu kommt das zehnköpfige Guestia-Team in Wien. Der Grund dafür: Thor und Hufnagl setzen stark auf Outsourcing. „Aus meiner Sicht waren die Prozesse bei Airgreets nicht optimal“, sagt Thor. Problematisch außerdem: Die Vermietung von Privatwohnungen über Airbnb haben viele Städte inzwischen streng reguliert.

Die ursprünglichen Airgreets-Gründer Julian Ritter und Sebastian Drescher dürften sich den neuen Kurs interessiert ansehen – aber aus der Ferne. Mit dem Verkauf an die Morten Group waren sie ausgeschieden. Angeheuert wurden sie nun von Stryber, einem Unternehmen, das auf Ausgründungen aus der Konzernwelt spezialisiert ist. Bekanntgegeben worden war die Personalie am selben Tag wie der erneute Verkauf von Airgreets.