Der Markt sei zuletzt deutlich gwachsen – und er werde immer stärker wachsen, sagt Landwirt und Agtech-Förderer Bösel. Im gerade zu Ende gehenden Jahr haben Risikokapitalgeber voraussichtlich mehr Geld als je zuvor in Agtechs gesteckt, vor allem in den USA.

Hierzulande sind die Investoren noch zögerlicher – werden aber langsam mutiger. Für 2017 vermeldete das Start-up-Barometer der Beratungsgesellschaft EY gerade einmal elf Millionen Euro an Risikokapital für Agrar-Start-ups, für 2018 waren es bereits 21 Millionen. Eine deutliche Steigerung, aber im Vergleich zu Bereichen wie Proptech oder Mobilitäts-Start-ups immer noch verschwindend gering.

Luft nach oben bleibt jedoch dennoch: Denn allene das Berliner Start-up Infarm, gegründet von drei Israelis, hatte im Februar 20 Millionen Euro eingesammelt. Infarm baut Indoor-Farmen, etwa für Supermärkte und Restaurants. Diese können Gemüse und Kräuter dann direkt vor Ort ernten. Die Gewächshäuser sparen nicht nur Transportwege, die Lebensmittelproduktion ist auch unabhängig von Hitzewellen und Dürren wie im vergangenen Jahr. 2019 soll das Unternehmen weiter stark wachsen.

Schutz für das Saatgut

Die Dürre hat auch das Start-up Seedforward aus Quakenbrück gespürt. Die Gründer tüfteln an einer organischen Saatgutbeschichtung, die Pflanzen widerstandfähiger machen soll. „Wegen der Hitzewelle sind einige Felder, auf denen wir unser Produkt getestet haben, vertrocknet“, erinnert sich Mitgründer Jacob Bussmann.

„Bei den übrigen Felder hat sich aber gezeigt, dass die Wurzeln stärker gewachsen sind und die Pflanzen mehr Nährstoffe aufnehmen konnten als üblich“, sagt Bussmann. Das junge Start-up will so dazu beitragen, Ernteausfälle zu verhindern – die Beschichtung sei aber nur ein Bestandteil, um sich gegen Trockenheit zu wappnen.

In diesem Jahr soll sich das erste Produkt auf dem Markt beweisen: Im Frühjahr wollen die Gründer zunächst eine Staatgutbeschichtung für Mais verkaufen, im Sommer soll ein erster Produktionsstandort entstehen. Bussmanns Ziele sind hoch gesteckt: „Ein Landwirt soll bei uns alles erhalten, was er für einen fruchtbaren Boden braucht.“ Im Blick hatten die Gründer bislang vor allem afrikanische Staaten mit trockenen Böden. „Doch der vergangene Sommer hat gezeigt, dass die Bauern auch hierzulande umdenken müssen“, so Bussmann.